Fahrzeugausbau 2.0

Fahrzeugausbau 2.0

Der Umbau unseres HZJ78 zum Offroadcamper 2.0 beginnt!

Auf unserer ersten großen Reise auf und neben der Panamericana von 2016-2018 waren wir mit unserem Land Cruiser HZJ78 “Hottahü” unterwegs. Nach 85.000 km stehen sowohl Wartungsarbeiten als auch kleinere und größere Umbauten am Fahrzeug an. Denn das auch die nächste Reise mit unserem Land Cruiser unternommen wird, steht fest. Nach wie vor bietet der Land Cruiser für uns das beste Gesamtkonzept für ein weltreisetaugliches Fahrzeug mit echtem Allrad. Einen Überblick, was wir alles am Fahrzeugausbau ändern wollen haben wir in “unsere Pläne” beschrieben.
Auf dieser Seite beschreiben wir den Umbauprozess und alle Wartungen die wir durchführen in chronologischer Reihenfolge.

April 2019 – der Dreck muss weg

Der erste sonnige Tag des Jahres wird genutzt zum Auto waschen. Seit der Ankunft im Dezember stand der Land Cruiser unbeachtet (und dreckig) unterm Carport. Die Grundreinigung war längst überfällig und wird nun ausgiebig nachgeholt.

Mit dem Gartenschlauch und unmäßigen Wassermassen spülen wir unter anderem den Rahmen frei von dem reichlich angesammelten Dreck und Schlamm. Der muss nämlich vor der Hohlraumkonservierung raus…

Mai 2019 – Hebebühne Marke Eigenbau

Was macht man wenn das Fahrzeug zu schwer ist für eine 2,5 Tonnen Hebebühne?
Für den Land Cruiser mit stattlichem Reisegewicht von 3,5 t wäre tatsächlich eine 4 Tonnen Bühne nötig. Die sind aber so teuer, dass wir nicht bereit sind für einen einmaligen kurzen Umbau so viel zu investieren.

Deshalb bauen wir uns 4 Holzböcke aus Konstruktionsholz, auf die wir den Cruiser draufstellen können. Zusammengeschraubt mit Verbinder-Blechen und verstärkt mit jeweils 4 Gewindestangen sind sie stabil genug.

Der Land Cruiser kommt dann auf 2 Holzblöcke vorne und 2 hinten, dazwischen jeweils ein Doppel-T-Träger auf dem die Stoßstangen aufliegen.

Juni 2019 – Wartungsarbeiten

  • Alle Anbauten (Reserverad und Heckkiste) werden von der Heckstoßstange abmontiert, damit die Arme frei sind und abmontiert werden können
  • Bremsen hinten werden gereinigt und kontrolliert
  • Radlager vorne auf Verdacht ausgetauscht
  • Trittbretter abmontiert und Rostschutz-Farbe ausgebessert, die an den Kanten etwas kaputt ist. Alle Schrauben werden gegen Edelstahlschrauben getauscht
  • Gummis von Stabilisatoren ausgetauscht

Juli 2019 – Rostschutz für die Heckstoßstange

Die Heckstoßstange wird abmontiert, um sie komplett zu überarbeiten und mit Rostschutzmittel zu lackieren. Eine echt mühselige Arbeit, vor der wir uns viel zu lange gedrückt haben, wie uns der aktuelle Rost-Status zeigt.

Till montiert die Arme von der Stoßstange ab und verschließt die Löcher an denen unsere Heckkiste befestigt war mit Schrauben.

Mit der Flex wird jetzt der Rost bearbeitet. Nach mehreren Stunden ist die Stoßstange endlich abgeschliffen, die Flex hat ganze Arbeit geleistet.

Als Rostschutzfarbe verwenden wir Brantho Korrux. Mit der Minijet Smartrepair Lackierpistole wird der Rostschutz flächendeckend aufgetragen. Das Wetter spielt mit und Till kann draußen lackieren. Mehrere Schichten werden nacheinander aufgetragen. Details zu Brantho siehe unten.

August – Dezember 2019: Sandstrahlen der ARB Frontstoßstange, neu lackieren und integrierte Seitenscheinwerfer

Nachdem die Heckstoßstange komplett überarbeitet ist wirft Till einen Blick auf die ARB Frontstoßstange und stellt fest, dass sich auch hier der Rost breitgemacht hat. Das Spiel fängt von vorne an: Stoßstange abmontieren und abschleifen. Das ist aber so mühsam, dass Till die komplette Stoßstange sandstrahlt. Eine riesige Arbeit und vor allem Sauerei, aber sehr effektiv.

Auch die Frontstoßstange wird mit mehreren Schichten Brantho Korrux bearbeitet und anschließend mit mehreren Schichten Schwarz neu lackiert.

Außerdem werden die neuen Seitenscheinwerfer in die Stoßstange eingebaut. Mit Seitenscheinwerfern hatten wir unterwegs sehr gute Erfahrungen gemacht, da auf der Landstraße die Seiten ausgeleuchtet werden und Menschen/Tiere/Hindernisse schneller gesehen werden. Bei der ein oder anderen Schlafplatzsuche im Dunkeln ebenfalls sehr hilfreich. Auf der Reise hatten wir die LED-Scheinwerfer provisorisch seitlich an der Stoßstange befestigt, jetzt werden neue LED-Lichter passgenau in die Stoßstange integriert.

Wie haben wir die Stoßstangen bearbeitet und warum Brantho?

Also bei den Stoßstangen war es Sandstrahlen, dann mit Brantho Nitrofest und dann 2-3 Lagen Brantho Korrux. Das ist eine ähnliche Kombination wie schon auf dem Rahmen. Ich selbst könnte bis jetzt niemanden finden, der das schon Mal gemacht hat und weiß nicht ob und wie es hält oder wie kratzfest das Ganze ist.
Auf dem Rahmen sind meine Erfahrungen sehr positiv und man kann es eben sehr leicht ausbessern. Einen Lack braucht man nicht mehr. Wenn das Brantho gespritzt wird sieht das schön aus, fast wie eine normale Lackierung. Ich habe die Minijet Smartrepair Lackierpistole  verwendet. Bei Rollen ist die Optik nicht so ‘schön’ aber auch noch okay.
Eine Alternative wäre Sandstrahlen und dann pulverbeschichten lassen. An sich eine schöne Sache, ich bin aber im Außenbereich kein großer Fan von Pulverbeschichtungen weil das halt sehr schnell Unterrosten kann wenn es beschädigt wird.
Sollte die Lackierung aber gar nicht halten (was ich nicht glaube) würden wir auch pulverbeschichten lassen denk ich Mal.
Beim Brantho kann man halt super eine kleine Dose mitnehmen und das einfach jeden Monat Mal schnell ausbessern. Bei Pulver geht das eigentlich nicht… Momentan haben wir aber noch keine Erfahrungswerte.
Und das ganze muss 2-3 Monate trocknen…im Sommer etwas weniger…das sollte man beachten.

 

Da es mittlerweile Dezember und Winter ist, hat der Fahrzeugausbau vorerst Pause. Wir freuen uns aber nächstes Jahr mit weiteren Umbauten weiterzumachen: Neuer und optimierter Innenausbau für mehr Stauraum und ein wohnlicheres Feeling, neue Dachluke, neues und größeres Solarpanel, größere Kisten für die Heckstoßstange…

Wartung & Umbau ab 2020

Relais für Windensteuerung in den Motorraum verlegt

Das Relais für die Winde sitzt sehr exponiert (Wetter exponiert) vorne und der Kasten dafür blockiert außerdem die Luftzufuhr in der Kühler. Deswegen habe ich mich entschieden, es komplett in den Motorraum zu verlegen wo es zum einen geschützt ist, zum anderen die Luftzufuhr nicht mehr blockiert.

Alle Hohlräume mit Wachs ausgespritzt

Wir hatten vor der Reise schon den Rahmen und die geschlossenen Hohlräume innerhalb der Karosserie hohlraumversiegelt.

Da sich auf der Reise alle Hohlräume mit Sand und Schlamm gefüllt hatten, haben wir mit viel Wasser alles über mehrere Stunden ausgespült. Dann habe ich zur Sicherheit nochmal neuen Wachs reingespritzt. Dafür nutze ich eine Druckbecherpistole mit Hohlraumsonde und selbst angemischtem Wachs. Zusätzlich habe ich auf die größeren Löcher vom Rahmen Kappen aufgesetzt damit in Zukunft nicht mehr allzu viel Dreck in die Hohlräume gelangen kann.

Projekt Außenwassertank

Auf der Panamericanareise (2016-2018) hatten wir unserer 6 Raumsparkanister mit insgesamt 72 L Wasserkapazität (eher 60 Liter, weil oft haben wir die die Kanister nur ca. mit 10 L Wasser gefüllt). Damit hatten wir Wasser im Innenraum mit unserem Pump-Wasserhahn und sind ca. 6 Tage mit dem Wasser ausgekommen.

In den letzten 6 Monaten hatten wir zusätzlich einen Außenwassersack dabei mit einem Fasungsvermögen von ca. 20 Litern. Den haben wir von anderen Overlandern geschenkt bekommen und es hat sich als Bereicherung rausgestellt. Den Wassersack haben wir mit ‘Brauchwasser’ befüllt, und beim Fahren im Gang gelagert. Am Camp oder Schlafplatz angekommen haben wir ihn dann draußen hingehängt un hatten leicht zugängliches Wasser zum schnellen Hände waschen, Geschirrspülen, Putzen etc. Damit mussten wir zum einen nicht mehr so sparsam mit dem kostbaren Trinkwasser im Innenraum umgehen, zum anderen mussten wir nicht jedes Mal ins Auto klettern um mal schnell die Hände abzuspülen und auch das draußen spülen konnte mit mehr Wasser und mehr Spritzen erfolgen, da der Dreck eh draußen geblieben ist. Da wir Brauchwasser quasi überall auffüllen konnten (Tankstellen etc.) musste wir mit dem Wasser auch nicht sparsam umgehen. Das Konzept hatte sich bewährt und soll nun fester Bestandteil werden. Damit aus der ‘mobilen Lösung’ eine ‘feste Lösung’ wird die nicht immer im Gang mitfahren muss, habe ich mir eine Konstruktion für einen Außentank aus Aluminium überlegt.

1. Schritt: Airline Schienen über dem Außentisch befestigen

2. Schritt: Planung des neuen Wassertanks am ‘Reißbrett’ bzw. mit Google Scetchup

Wartungsarbeiten am Klappdach

Stoffschützer für Gurte von der Dachfixierung

Der Stoff reibt sich auf von der Bewegung der Gurte, nach der Reise war die Beanspruchung an einer Stelle so stark, dass sich hier ein Loch gebildet hat. Deshalb haben wir uns einen Schützer aus Stoff genäht, der das Aufreiben an dieser Stelle verhindern soll.

Schimmelbeseitigung Klappdach

Das größere Projekt ist die Schimmelbeseitigung. Nach über 2 Jahren unterwegs und davon mehrere Monate in Zentralamerika haben sich vor allem an der Rückseite viele Schimmelflecken und Stockflecken gebildet. Im ersten Reisejahr hatten wir damit eigentlich gar keine Probleme, der erste Schimmel hat sich in Mexiko gebildet wo wir das Auto 2 Wochen mit zugeklapptem Dach hatten stehen lassen. Etwas naiv, aber wir hatten mit einer solchen Schimmelbildung einfach nicht gerechnet. Unterwegs hatten wir zwar schonmal versucht mit Alkohol (Spiritus) zumindest den Schimmel abzutöten, aber zumindest die Stockflecken sind hartnäckig geblieben.

Jetzt haben wir erstmal alles wasserdicht abgeklebt und mit Wasser und Feinwaschmittel von Innen alles eingesprüht und eingebürstet und danach klar nachgespült. Zuerst waren wir zaghaft, dann haben wir aber doch großzügig mit der Gartendruckspritze alles großzügig sauber gemacht.

Als Schimmelentferner haben wir Sanosil verwendet. Das haben wir jetzt auf einem Teil dreimal nach Anleitung aufgesprüht. Bisher hat es noch nicht gegen die Stockflecken geholfen. So einfach scheint das Thema also nicht zu sein. Jetzt müssen wir erstmal wieder recherchieren, bestellen und erneut austesten. Wenn es gar nicht anders geht müssen wir uns überlegen ob wir den Stoff rausnehmen zum Reinigen oder evtl. sogar tauschen lassen müssen.

Sonstiges

  • Reinigung des Fahrzeugkühlers von Sand und Schlamm
  • Reinigung und Ausbesserung von Rost unter der Bodenplatte
  • Schnorchel neu abdichten mit Silikon

Neues Solarkabel

Mit dem Wunsch nach einem zweiten Solarmodul stellt sich auch die Frage des Anschlusses. Bisher war eine 6mm² Leitung von Innenraum bis auf das Klappdach verlegt.
Im Prinzip wäre das auch für mehr Leistung völlig ausreichend, wenn aber mehr als ein Solarmodul genutzt werden soll, müssen beide Module zusammen geschaltet werden. Optimalerweise verbaut man dafür zwei identische Module. Das verdoppelt die Leistung, macht aber auch sehr abhängig von einer Bauart und einem Hersteller. Zusätzlich wirkt sich eine Abschätzung einzelner Zellen immer auf beide Module aus.
Die einzige sinnvolle Alternative ist also zwei Solar-Laderegler zu verbauen und beide Module getrennt anzuschließen (je Modul ein eigenes Kabel und einen eigenen Regler). Damit lässt sich jedes beliebige Modul verwenden, die Module können frei ausgetauscht werden und wird ein einzelnes Modul abgeschaltet liefert das zweite weiterhin die volle Leistung.
Zusätzlich bietet der zweite Regler Ausfallsicherheit.
Um bei dem vorhandenen Querschnitt von 6mm² zu bleiben verlegen wir ein 4x6mm² Lapp Ölflex-Kabel an der gleichen Stelle an der das alte Kabel lag. Das gestaltet sich zeitaufwendig, funktioniert aber im Endeffekt problemlos.
Die Dachdurchführung, die vorher mit Sikaflex gelöst war tauschen wir gegen eine Kabelverschraubung um trotz größerem Durchmesserbund Gewicht den Durchgang wasserdicht zu halten.

Schalterpanel und Steckdosen am Bett

Um fortan unsere Elektrogeräte direkt am Bett laden zu können montieren wir in der hinteren Wand zwei 12V Steckdosen. Sie sind bequem vom Bett aus erreichbar und universell. Eine USB Steckdose wäre zwar auch möglich, leider sind die verfügbaren Ausgangsleistungen aber so gering, bzw. die Steckdosen so teuer, dass es mir sinnvoller erscheint mit Adaptern zu arbeiten. Sie können im Laufe der Jahre angepasst werden und sind schnell ausgetauscht.
Ein zusätzliches Blue Sea Schalterpanel neben dem Bett schaltet sowohl die Steckdosen als auch die hintere LED-Leuchte, die bisher nur von vorne zu schalten war (was als Rückfahrscheinwerfer auch weiterhin Sinn macht).
Wieder ein Mal freuen wir uns über die vielen Hohlräume und leicht zu demontieren, massiven Aluminiumverkleidungen der Dachkonstruktion die einfach ideal für Einbauten sind.

Anschluss der Stoßstange

Mit 2 LED-Leisten und seitlichen Scheinwerfern zur Schlafplatzsuche ist jetzt mehr als genug Licht vorhanden.
Die Ansteuerung funktioniert über ein zusätzliches Relais das durch die serienmäßigen Fernscheinwerfer geschaltet wird sowie über einen original Nebelscheinwerfer-Schalter von Toyota, der jetzt das Relais für die Seitenleuchten aktiviert. Sieht einfach schön aus und passt noch in die Mittelkonsole.
Der Anschluss an die Stoßstange erfolgt mittels eines 7-poligen Steckers aus dem Bootsbau. Sollte man die Stoßstange Mal abnehmen müssen, gestaltet sich das mit einer Steckverbindung einfacher.

Neue Leseleuchte für den Beifahrer

Der Wunsch nach einer echten, verstellbaren Leseleuchte kam schon nach den ersten Wochen der Reise auf.
Jetzt ist es endlich so weit. Der Beifahrer hat damit nun eine frei verstellbare Hella Kartenleuchte zur Verfügung. Die Lampe hat sich im hinteren Teil des Fahrzeugs als Nachttischlampe bewährt und überzeugt durch Stabilität und Zuverlässigkeit. Und teuer ist sie auch nicht.

Neugierig welche Umbauten und Optimierungen noch anstehen?

Hier findest du unsere Umbaupläne für das Reisefahrzeug 2.0.

Sobald der Umbau weitergeht, berichten wir wieder. Fortsetzung folgt…

Mehr Infos zum Fahrzeugausbau und wie unser Land Cruiser zum Offroadcamper wurde? Dann schau doch mal unter: Unser Land Cruiser – Fahrzeugausbau von 2012 – 2016 vorbei.

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