USA X – Wüste pur

Wir lassen die kalifornische Küste ohne Wehmut hinter uns und blicken voller Freude auf die vor uns liegende Wüste. Unsere erste Übernacht-Wanderung und eine mehrtägige Kanutour füllen die Zeit, bis wir an der Overland-Expo in Flagstaff, Arizona teilnehmen.

Wüstentraum im Joshua Tree Nationalpark

Im Süden Kaliforniens wartet der Joshua Tree Nationalpark auf uns. Weg von der Küste ändert sich schon wieder das Klima – wir kommen zurück in die Wüste. Gleich zwei davon treffen hier aufeinander, die Colorado-Wüste im Süden und die kühlere Mojave-Wüste im Norden, in der auch die namensgebenden Josua-Palmlilien (Joshua Trees) wachsen.

Den Zeitpunkt für unseren Besuch hätten wir besser nicht treffen können. Blühende Kakteen in allen Formen und Farben. Kolibris brummen auf der Jagd zur nächsten Blüte an uns vorbei. Eidechsen huschen vor uns über den Weg oder liegen auf den sonnengewärmten Felsen. Wetter und Landschaft wecken in uns die Wanderlust und wir brechen zu unserer ersten Übernacht-Wanderung auf. Auf dem California Hiking and Riding Trail starten wir unsere Route. Nach nur 2 km raschelt plötzlich der Busch neben uns und dann hören wir es, das vermeintliche Rasseln einer Klapperschlange. Zwar hatten wir das Geräusch noch nie zuvor gehört und doch wussten wir sofort, was es zu bedeuten hat. Sehen lässt sich die Schlange zwar nicht, aber wir machen zur Sicherheit trotzdem einen großen Bogen um den rasselnden Busch. Ab jetzt sind die Blicke wieder auf den Boden gerichtet, auch bei überstehenden Felsen machen wir den Schritt jetzt lieber etwas weiter als nötig. Wir laufen den ganzen Tag ohne weiteren Vorkommnisse, bis es wieder klappert. Diesmal sehen wir auch wie die Schlange sich neben dem Weg in ihrer typischen Position aufstellt und uns droht. Obwohl die Schlangen giftig sind, geht eigentlich keine große Gefahr von den ihnen aus. Sie sind nicht aggressiv und die meisten Unfälle passieren nur, wenn Leute den Tieren bewusst zu nahe kommen. Unseren Schlafplatz finden wir im ausgetrockneten Flussbett, windgeschützt zwischen Felsen, auf einem weichen und sandigen Untergrund. Da wir kein Zelt haben ist das Camp schnell aufgebaut, auch das Abendessen ist mit Nüssen und getrockneten Früchten schnell zubereitet und gegessen. In der Dämmerung nehmen wir intensiv alle Geräusche um uns herum wahr, die Kolibris, die in der Dämmerung noch über unsere Köpfe hinweg sausen und mit Einbruch der Nacht wechselt auch die Geräuschkulisse in den Nachtmodus. Warum fallen mir genau jetzt wieder die Klapperschlangen ein? Und auch Skorpione leben doch in der Wüste. Eigentlich Nichts, was uns im Schlaf attackieren würde, aber wer weiß, was da noch alles krabbeln und fliegen könnte. Trotz ausgiebiger Camping-Erfahrung ist alles anders, wenn man plötzlich nicht mehr durch einen schützenden Stoff umgeben ist. Das Unbehagen wird schnell von der empfindlichen Kälte überschattet. Wir frösteln, machen kein Auge zu und warten sehnsüchtig auf den Sonnenaufgang. Bis 5 Uhr harren wir aus, dann stehen wir auf, ohne Frühstück geht es zurück auf den Wanderweg. Ein komisches Bild müssen wir abgegeben haben, in Skiunterwäsche mit Rucksack beladen und im zügigen Schritt unterwegs. Wie froh wir sind, als das Auto wieder in Sichtweite kommt. Zivilisation. Endlich. Wir düsen in die Stadt und stürzen uns ins erstbeste Café.

Nach unserem kleinen Ausflug in die „Wildnis“ bleiben wir in der kleinen Stadt Yucca Valley, wo wir alles finden was wir brauchen. BLM-Camping vom Feinsten auf einem getrockneten See, Einkaufsmöglichkeiten, eine Dusche im Souvenirshop und einen Chiropraktiker für Tills Rückenschmerzen. Zwar zahlen wir für knapp 5 Minuten Behandlung stolze 45 USD, aber die Rückenschmerzen verschwinden tatsächlich innerhalb kürzester Zeit. Der Park hat uns gut gefallen, obwohl er landschaftlich nicht sehr abwechslungsreich ist – helle Felsen mit abgerundeten Ecken hinter Joshua Trees in großen Teilen.

Kanutour zu heißen Quellen

Nicht weit entfernt von Las Vegas, und damit auf unserem Weg kommen wir an den Lake Mead, der sich mit dem Superlativ „größter künstlicher See der USA“ schmückt. Der Colorado River wird gestaut, um Wasser bereitzustellen, Strom zu erzeugen und um Überflutungen entgegen zu wirken. Auf dem historischen Eisenbahnweg kann man bis zum Staudamm laufen. Am Ende werden wir mit dem Blick auf den stattlichen Damm belohnt und sehen sogar einige Dickhornschafe.

Der Abschnitt hinter dem Damm eignet sich bestens für Kanu- und Kayaktouren und schnell ist unsere Neugier geweckt. Wir finden einen Verleiher, bei dem man auch selbst-geführte Touren machen kann, sprich ein Verleiher mit An- und Abtransport von uns und dem Kanu. Da der zweite Tag quasi gratis ist, buchen wir für zwei Tage. Vom Hoover Dam bis Willow Beach wollen wir fahren. Morgens müssen wir erstmal den Spott des Fahrers über uns ergehen lassen. Ein Rucksack, ein Seesack und unsere Isomatten für eine Übernacht-Tour, viel Gepäck finden wir. Weit gefehlt, denn damit würde ein Amerikaner nicht mal einen Nachmittag überstehen, vor allem fehlt bei uns die gut gefüllte Kühlbox (was wir spätestens zwei Stunden später auch bereuen…).

Gut gerüstet steigen wir direkt hinter dem Hoover Dam in unser Kanu und los geht die Fahrt. Die Strecke ist abwechslungsreich und auf beiden Seiten gibt es viel zu sehen. Überall kann man mit dem Kanu anlegen und ohne weit zu laufen kommt man an Wasserfälle und heiße Quellen. Die müssen vorerst erstmal warten, denn bei 38°C Lufttemperatur vergnügen wir uns lieber im kühlen Colorado River. Übernachten wollen wir am Moonscape Canyon, ein Geheimtipp von Desert Adventures mit besonders schönen Hot Springs. Blöd nur, dass wir nicht genau wissen, wo wir anlegen müssen, da der Punkt auf der ausgedruckten Papierkarte nicht eingezeichnet ist. Irgendwann ist klar, dass wir schon zu weit gepaddelt sein müssen, also umdrehen und zurück. Stromaufwärts sind wir zwar nur langsam unterwegs, aber von der Gegenseite finden wir auf Anhieb eine Anlegestelle und einen tollen Platz zum Schlafen gibt es auch. In der Abenddämmerung sitzen wir dann in unserem ganz persönlichen Pool und lassen den Abend ausklingen. Was wir erst jetzt erfahren haben ist, dass sich in den von uns so geliebten heißen Quellen auch die Amöbe Naegleria fowleri mit Spitznamen „hirnfressende Amöbe“ wohlfühlt. Bei Infektion hat man schlechte Chancen, mehr als 95% verlaufen tödlich. Auf ein angenehmes Bad muss man allerdings trotzdem nicht verzichten, denn die Aufnahme des Parasiten erfolgt ausschließlich über die Nasenschleimhaut, hat diese keinen Kontakt mit dem Wasser, kann nichts passieren.

Die Nacht bleibt warm und angenehm und wir liegen mit unserer Decke wieder direkt unter dem atemberaubenden Sternenhimmel. Am nächsten Tag paddeln wir weiter durch den Black Canyon, gleich zwei Höhlen können wir per Kanu erkunden. Trotz weiterer Wandermöglichkeiten dämpft die Hitze unseren Aktivitätsdrang und wir sind fast schon ein bisschen froh als wir den Strand von Willow Beach erblicken. Ein überteuertes Eis und ein paar gekühlte Getränke später sind wir wieder erfrischt. Für uns war die Kanutour ein Volltreffer und hat uns richtig gut gefallen! Auf die heißen Quellen hätten wir uns im Winter zwar mehr gefreut, aber draußen schlafen wollen hätten wir dann nicht.

Im Valley of Fire verbringen wir die Nacht im State Park und ausnahmsweise mal wieder auf einem Campingplatz. Nach so langer Zeit unterwegs sind wir überrascht, hier plötzlich auf so viele andere Reisende Deutsche zu treffen. Den Abend verbringen wir mit den Schweizern Martin und Jeanette, die ebenfalls mit einem Land Cruiser unterwegs sind. Die Landschaft hier sieht Utah sehr ähnlich, aber die Farben seien noch vielfältiger und einzigartiger, versichert uns eine Rangerin. Schön ist es schon, aber nach Utah und der „echten Welle“ können wir die Begeisterung nur teilweise teilen.

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Kanutour auf dem Colorado River

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Overland-Expo in Flagstaff

Schon im Dezember haben wir uns für die Overland Expo angemeldet. Eine Messe rund ums Reisen und Offroad-Fahren. Klar, dass wir da mitmischen wollen! Da uns die Tickets zu teuer sind, melden wir uns zum Volunteering an. Gegen 12 h Arbeit dürfen wir an allen Kursen und Aktivitäten teilnehmen, campen auf einem Extra-Camp und erhalten Verpflegungsgutscheine. Das Gleiche hätten wir zwar auch als VIP Traveler bekommen, also als Reisende aus einem fremden Land, allerdings wurden diese Tickets erst später angeboten und wir wollten dann nicht mehr wechseln.

Obwohl die Messe erst freitags beginnt, reisen wir schon mittwochs an und richten uns auf unserem Camp ein. Schnell machen wir uns mit unseren Nachbarn bekannt, ein Unimog-Importeur mit holländischen Wurzeln, der uns prompt auf sein Grundstück an der Ostküste einlädt. Maggie, die als Frau solo in ihrem Land Cruiser durch die Staaten reist und Ben, ein Zeitschriftenredakteur, der unser Hottahue direkt in Szene setzt und uns ermuntert doch mal einen Artikel für seine Zeitschrift zu schreiben. Natürlich verrichten wir auch unsere Arbeit und helfen bei der Verkehrskontrolle und auf dem Camp-Gelände. Die Tickets für das Campgelände waren schon im Vorfeld ausverkauft, da sind wir ganz froh, etwas mehr Platz zu haben auf unserem Extra-Camp. Freitags lernen wir dann auch endlich Sandra, Andreas und Hund Luke kennen. Die drei hatten wir in Lake Louise in Kanada leider um ein paar Stunden verpasst. Die drei wollen den Sommer im Norden verbringen und werden uns dann Richtung Süden folgen, sodass wir schon gespannt sind, wann wir wieder eingeholt werden.

Insgesamt ist die Messe deutlich kleiner als erwartet, obwohl alle uns von einem riesigen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr erzählen. Man sollte die Dimensionen wohl eher nicht mit der Abenteuer Allrad in Bad Kissingen vergleichen. Dafür hat die Overland Expo ein sehr breit gefächertes Kursangebot. Man kann Kurse zum Fahrtraining, zu Fahrzeugtechnik, Erster-Hilfe und vieles mehr besuchen oder sich bei Reisevorträgen inspirieren lassen. Wir auf jeden Fall sind mehr als froh, dabei gewesen zu sein. So viel haben wir gelernt und so viele tolle Leute kennengelernt und vor allem lustige Abende bei und nach der Happy Hour verbracht.

Nach diesen abwechslungsreichen Tagen fahren wir erneut nach Las Vegas, denn morgen kommt unser Besuch aus Deutschland und wir ziehen für drei Wochen in das Luxus-Wohnmobil…

 

Joshua Tree Nationalpark – Mohave Desert – Yucca Valley – Boulder City – Lake Mead – Hoover Dam – Colorado River – Black Canyon – Willow Beach – Las Vegas – Flagstaff – Las Vegas

Reisezeit: 21.04.17 – 09.05.17

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