British Columbia I – Auf dem Weg nach Norden

Wir verlassen die Rocky Mountains von Jasper aus nach Norden. Das Willkommensschild von British Columbia weist darauf hin, dass wir uns an dem besten Platz der Erde befinden. Gespannt sind wir, ob British Columbia diese selbstbewusste Aussage bestätigen wird. Unser Weg nach Norden führt über den Stewart-Cassiar Highway (Highway 37), der kurz vor Watson Lake auf den bekannteren Alaska Highway trifft, aber abenteuerlicher als dieser sein soll. War es in den Rocky Mountains winterlich und beständig unter null Grad, sind wir hier in den Herbst zurückgekehrt.

In Smithers erleben wir den Charme einer europäisch angehauchten Kleinstadt. An einer deutschen Bäckerei und einer Metzgerei fahren wir vorbei, auf der Hauptstraße hängen die Flaggen vieler europäischer Länder. Zu schade, dass sonntags alle Läden geschlossen sind. Eine heiße Schokolade finden wir dann aber doch bei einer Holzhütte am Straßenrand, die sogar beheizte Sitzplätze anbietet.

Reiseprovinz. Das Reisen in British Columbia gestaltet sich sehr einfach. Wir haben eine digitale Version von den Backroad Mapbooks ergattert und sind begeistert. Jeder Parkplatz, jeder Skitrail und Angelplatz ist hier eingezeichnet, außerdem alle recreation sites, also Erholungs- oder Picknickplätze, auf denen offiziell gecampt werden darf. Die sind oft nah an der Straße, manchmal auch 10-20 km davon entfernt und meistens an einem See. Jeder Platz hat einen Tisch und eine Feuerstelle, und oft ist sogar Feuerholz vorhanden. Die Toiletten werden sogar Mitte Oktober noch gewartet und das, obwohl wir auf allen Plätzen die einzigen Gäste waren. Selbstverständlich alles kostenlos. Damit hat British Columbia direkt schon mal ein Stein im Brett bei uns.

Wiedersehensfreude. Die Nacht wollen wir dann in der Nähe von Hazelton verbringen. Das Gebiet um Hazelton und New Hazelton ist Heimat der Gitxsan-Indianer (der korrekte Begriff für Indianer ist First Nations), die eher traditionell vom Fischen und Jagen leben. Man kann auch deren kunstvollen Totempfähle bewundern, die in Kispiox aufgestellt wurden. Die aus Holz geschnitzten Riesen erzählen Familiengeschichten und können nur von Angehörigen „gelesen“ werden.

Direkt in Kispiox, an der Flussmündung der Skeena und Kispiox Flüsse gibt es einen Schlafplatz (von off-the-maps.ch), auf dem wir übernachten wollen. Da wir ein Wiedersehen mit Steffi und Daniel (wir-sind-dann-mal-weg.com) geplant haben, scheint der Platz perfekt. Wir wissen nicht genau, ob die beiden es heute noch hierherschaffen, da sie gerade aus dem Norden kommen und die Kommunikation dank fehlender Netzabdeckung schwierig ist. Wir machen es uns gemütlich, auf einer Baustelle nebenan finden wir Holzabfälle, die uns ein tolles Lagerfeuer bescheren, ideal außerdem, um unser Gulasch zu kochen.

In der Abenddämmerung hören wir dann das vertraute Geräusch des Dieselmotors und kurze Zeit später ist die Wiedersehensfreude groß. Getroffen hatten wir uns das erste Mal in Halifax, seitdem ist natürlich viel passiert und es werden den ganzen Abend Geschichten ausgetauscht. Da die beiden gerade aus Alaska und dem Yukon Territory kommen, können sie uns auch gute Tipps für die weitere Reise geben. Schon am Lagerfeuer entdecken wir eine Maus, die neugierig um den Topf schleicht. Stunden später erblicken wir dann eben diese Maus in unserem Auto hinter dem Kühlschrank! Im Beifahrerfußraum flüchtet sie sich dann in den Lüftungsschlauch. Schnell schalten wir die Lüftung an, die Maus kommt raus, wir fangen sie auf und befördern sie nach draußen.

Am nächsten Morgen dürfen wir dann auch ihren HZJ78 angucken und lassen uns direkt wieder inspirieren, was wir noch alles einbauen und optimieren könnten. Besonderes Glück hatten wir dann, als wir von unserem verlorenen Tankdeckel erzählen und die beiden einen passenden Ersatzdeckel aus dem Hut zaubern, den wir auch noch behalten dürfen. Vielen Dank nochmal dafür! Außerdem geben sie den „The Milepost“, eine Art Straßenatlas für British Columbia, Yukon und Alaska, in dem alle Highways mit kilometergenauen Angaben beschrieben werden an uns weiter. Mittlerweile sind wir damit nach itchywheels.de und gespanntreisen.com die vierten Besitzer. Das Buch ist goldwert für unsere Yukontour. Nachmittags verabschieden wir uns, denn unsere Wege verlaufen (erstmal) in unterschiedliche Richtungen.

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Abstecher vom Highway. Unser nächstes Ziel ist Terrace. Das liegt zwar nicht direkt auf dem Stewart-Cassiar-Highway, aber wir haben genug Zeit, um diesen Schlenker mitzunehmen und unterwegs ist das jüngste Lavafeld Kanadas zu sehen. Erster Anlaufpunkt ist das Besucherzentrum, bei dem wir uns mit Prospekten für den Highway ausstatten und nach einer netten Unterhaltung bekommen wir noch ein Blatt Papier mit Beschreibung zu heißen Quellen in die Hand gedrückt. Ganz nach unserem Geschmack, solche Gelegenheiten lieben wir bei unserer Art zu Reisen.

Von Terrace aus geht es über den Nisga’a Highway nach New Aiyansh im Nass Valley, Heimat der Nisga’a First Nations. Der Weg führt vorbei an den Lavafeldern von 1750, die Steine sind mittlerweile mit Flechten und Moos überzogen. Man kann ein Stück durch das Lavagestein laufen und kommt an einen Aussichtspunkt. Als wir gerade auf den nächsten Parkplatz abbiegen wollen, sitzt plötzlich ein Schwarzbär mitten in der Einfahrt. Etwas skeptisch guckt er uns an und verzieht sich in den Wald. Bei den nächsten Stops nehmen wir dann doch das Bärenspray nimmt und stecken es griffbereit in die Hosentasche, man weiß ja nie.

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Die schönste Badewanne der Welt. Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir wollen unbedingt noch baden gehen. Deshalb folgen wir der Beschreibung auf dem Zettel von New Aiyansh nach Westen. Fast verpassen wir den Abzweig, nur ein winziges, zugewachsenes Schild weist mit den Worten „Hlgu Isgwir“ zwischen den Orten Gitwinksihlkw und Greenville auf die Hot Springs hin. Mit Seilen muss man über die erste Anhöhe klettern, dann führt der Weg 10 min durch den Wald, bis wir langsam den typischen Schwefelgeruch wahrnehmen und schließlich vor dem Pool stehen. Auf den ersten Blick sieht es eher aus wie eine Pfütze und wir sind etwas enttäuscht. Dann entdecken wir den Trick. Es gibt einen heißen und einen lauwarmen Zulauf sowie einen Ablauf. Neben dem Ablauf liegt ein Plastik-Kaffeebecher, der genau in das Ablaufrohr passt und diesen blockiert. Dann wartet man bis die Wanne vollgelaufen ist (oder legt sich schon vorher rein…) und badet mitten im Wald. Das Wasser ist schön heiß und wir liegen bestimmt eine Stunde in der Wanne und genießen die Ruhe und die Aussicht. Zimperlich darf man allerdings nicht sein, es liegt Laub im Becken und teilweise sind die Steine am Boden mit Algen bewachsen, nichts was uns gestört hätte. Der Hot Pool ist bisher unsere absolute Nummer 1 in unserer Hot-Pool-Kanada-Rangliste und wird kaum zu übertreffen sein.

Auf der Nass Road (Straße 113) fahren wir zurück auf den Cassiar Highway. Von der Straße sind die letzten 50 km nur Schotterpiste, die kurz hinter Gitwinksihlkw, einer First Nation Siedlung beginnt. Leider ist der Zustand nicht der Beste und die Straße ist mit Abstand die bisher schlechteste, die wir in Kanada gefahren sind. Unzählige Schlaglöcher und dazu wird es schon dunkel, weil wir bei dem Hot Pool getrödelt haben. Wir sind heilfroh, als wir einen Schlafplatz finden und die restlichen Kilometer im Hellen fahren können.

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Abstecher nach Alaska. Unser nächstes Ziel ist die Siedlung Stewart, die vom Highway über die Seitenroute 37a zu erreichen ist. Landschaftlich ist der Umweg sehr lohnenswert, gleich zwei Gletscher kann man hier besuchen, der Bear Glacier, der kurz vor Stewart von der Straße aus zu sehen ist und der Salmon Glacier, weiter hinten im Tal. Stewart wartet mit dem nördlichsten eisfreien Hafen Kanadas auf, außerdem kann man von hier der Geisterstadt Hyder in Alaska einen Besuch abstatten. In Hyder haben die beiden Bars und der Touristenladen schon zu (viel mehr gibt es hier tatsächlich nicht), bekannt ist Hyder aber hauptsächlich für die Aussichtsplattform, bei der man Schwarz- und Grizzlybären beim Lachsfangen beobachten kann. Die beste Zeit dafür ist im August und September, also längst vorbei. Wir wollen aber trotzdem schauen, ob sich nicht doch ein Bär verirrt hat. Leider haben wir Pech, außer einem ekligen Fischgeruch von verwesenden Fischresten finden wir nichts. Der Weg war dennoch nicht umsonst, denn die Straße führt noch 30 km weiter zum Salmon Glacier. Die Gletscherzunge windet sich um den Berg und sieht fast aus wie eine Skipiste und geht dann in den Gletscherfluss über. Vom Ende der Straße hat man einen tollen Blick, den wir deutlich imposanter finden als den Athabasca-Gletscher auf dem Icefields Parkway.

Auf dem Rückweg zeigt sich immer noch kein Bär am Fish Creek und wir fahren zurück nach Stewart. Hat sich bei der Ausreise niemand für uns oder unseren Pass interessiert (Hyder ist eine Sackgasse…), steht die kanadische Grenzkontrolle schon bereit und löchert uns mit Fragen. Woher wir kommen, was wir gemacht haben, wohin wir jetzt fahren, ob in Deutschland etwas auf uns wartet, wie unsere Finanzen aussehen, ob wir Waffen mitführen (welches Bärenspray?) usw. Schließlich werden wir darauf hingewiesen, dass wir im Januar ausreisen müssen, dann dürfen wir endlich wieder einreisen.

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Bei Nebel, Regen und Herbstwetter fahren wir den Stewart-Cassiar Highway weiter nach Norden. Immer mal wieder liegt Schnee, dann wieder nichts außer Regen, bis wir schließlich die Grenze zum Yukon erreichen. Was es mit dem Schilderwald auf sich hat und ob wir es über den Polarkreis geschafft haben erfahrt ihr bald hier.

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Reisezeit: 15.10.16 – 21.10.16
Gefahrene Kilometer: 2144 km

Prince George, Smithers, Hazelton, New Hazelton, Terrace, Gitwinksihlkw, Stewart, Hyder

4 Antworten auf “British Columbia I – Auf dem Weg nach Norden”

  1. Ulrike Kemmerer 5. November 2016 bei 08:20

    Hallo Ihr Beiden.
    Danke für den wunderschönen Beitrag und die grandiosen Bilder.
    Sie haben mein Frühstück in angenehmster Atmosphäre bereichert und ich fühle mich , natürlich zeitversetzt, auch on Tour.
    Wünsche Euch weiterhin eine gute Weiterreise.
    Liebe Grüße
    Eure Ulli

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  2. Hallo Katrin und Till, wir erfreuen uns gerade an den schönen Bildern die man einfach genießen muß!!!
    Da freuen wir uns schon auf die nächsten Berichte. Man könnte gerade als Maus mitreisen. Passt auf Euch auf. Geni u. Lutz

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  3. Ich sitze gerade in München in einem unangenehm überheizten Schulungsraum mit Blick auf durch erste Schneeflocken eingegatschtes Münchner Industriegebiet und höre einem langweiligen Patentrechtstag zu. Eure Reiseberichte haben mich zumindest für kurze Zeit der Tristesse entfliehen lassen.

    Ich freue mich riesig für euch! Ich wünsche euch weiter eine wunderbare Zeit- auch wenn ich euch furchtbar vermisse!

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  4. barbara und reiner 10. November 2016 bei 10:30

    Ihr Lieben,
    danke für den tollen blog! Immer wieder aufs neue ermöglicht er uns mit freude und neid
    an eurem abenteuer teilzuhaben. Ganz besonders begeistert sind wir auch diesmal wieder von
    den den text kommentierenden fotos. Eure kälteresistenz ist bewundernswert…
    Wir wünschen euch weiterhin viele hotpools zum aufwärmen und eine gut funktionierende
    hottahue-heizung.
    Geniesst noch eine weile euren aufenthalt in kanada bevor ihr ins TRUMP-land einreist…
    Alles liebe
    die euch vermissenden eltern

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