Kolumbien I – Cartagena und unsere ersten Tage in Südamerika

Kolumbien I – Cartagena und unsere ersten Tage in Südamerika

Cartagena, die schönste Stadt an der Karibikseite macht uns den Einstieg in Kolumbien und Südamerika ziemlich leicht und als wir endlich das Auto aus dem Container bekommen, zieht es uns sogleich in die Berge der Sierra Nevada. Kolumbien, es geht los!

Ankommen in Cartagena

Nach einer langen und schaukeligen Überfahrt auf dem Segelboot von Panama nach Kolumbien, erwachen wir morgens mit Blick auf den Hafen von Cartagena. Unsere Reisepässe liegen noch bei der Einreise-Behörde und wir checken mit festem Boden unter den Füßen erstmal in unserem Hotel ein. In dem Familienhotel Casa Isla de Mangas nehmen wir uns ein Zimmer mit Klimaanlage, manchmal braucht man diesen Luxus. Der Standort in Hafennähe ist ideal zum Auto abholen und in die Stadt geht es günstig per gelbem Taxi, die hier scheinbar das meistgenutzte Verkehrsmittel darstellen. Für 6000-7000 COP (ca. 2 EUR) nach dem obligatorischen Verhandeln, kommt man bequem in und durch die Stadt.

Cartagena – Perle der Karibik

Diesen Beinamen trägt die schönste Stadt der Karibikküste nur zurecht, wie wir finden. Die Altstadt ist umgeben von einer jahrhundertealten Stadtmauer und das märchenhafte Flair wird nahezu perfekt ergänzt durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen, die tadellos erhaltenen Gebäude und der vorherrschenden Farbe Gelb. Beim Schlendern beobachten wir das Treiben in den Gassen, es wimmelt von kolumbianischen Frauen die ihre Obstkörbe auf dem Kopf balancieren und sich passend vor den zahlreichen Kirchen platzieren. Genau dieses Bild, Frau in buntem Kleid vor gelber Fassade ziert übrigens auch den Einband des Lonely Planets Kolumbien, den ich gerade beim Buchaustausch ergattert habe.

In Getsemaní geht es etwas ruhiger und auch authentischer als in der Altstadt zu. Hier finden wir auch direkt ein Restaurant mit einem guten Mittagsangebot: Suppe und ein großer Teller mit Fleisch, Reis und Linsen, dazu ein Getränk für gerademal 8000 COP (2,40 EUR). Nebenan gibt es den ersten Espresso im Kaffeeland Kolumbien, er schmeckt und wir fühlen uns gleich wohl in diesem Land.

Abends sitzen wir am Trinidad-Platz und genießen die gute Atmosphäre und die vielen Straßenkünstler, die hier auftreten. Es wird zu Trommelmusik getanzt, aber auch eine Streetdance Nummer und eine Michael Jackson Imitation treten hier auf.

 

Schnitzeljagd zum grünen Container

Nachdem wir nachmittags die Reisepässe zurückbekommen haben, widmen wir uns ganz der Bürokratie. So schnell wie möglich wollen wir diesen nervigen Prozess hinter uns bringen und unser Hottahue aus dem Container befreien. Deshalb starten wir am selben Nachmittag durch, in der Hoffnung am nächsten Tag das Auto auslösen zu können. Zuerst geht es zum Hafengelände, Schritt 1 von 21 auf der langen Liste. Danach geht es zur Bank, zum Zoll und wieder zum Hafen. Dann ist für heute Feierabend. Den Rest müssen wir morgen erledigen.

Till und Felix ziehen am nächsten Tag allein los, da sowieso nur die Fahrzeughalter ins Hafengelände dürfen. Wie bei einer Schnitzeljagd folgen die beiden tapfer jedem Hinweis und fahren tatsächlich abends um halb 7 mit den Autos vor, juchuu! Die Details zum Auto abholen erspare ich euch an dieser Stelle, denn die detaillierte Liste haben wir von Agent Boris bekommen. Was uns etwas irritiert hat, war die fehlende Fahrzeugkontrolle, niemand hat auch nur einen einzigen Blick ins Auto geworfen. Das Hottahü jedenfalls hat die einwöchige Containerfahrt mit unserer Trocknungsmethode sehr gut überstanden, trotz tropischem Klima ist der Innenraum komplett trocken und wir haben keinen Schimmel.

Den detaillierten Bericht zur Verschiffung gibt es hier.

 

Los geht’s!

Es wird vollgetankt und wir kaufen erstmal Lebensmittel ein. Ara ist der Aldi Kolumbiens und im Jumbo gibt es ein etwas besser sortiertes Angebot. Die Preise sind sehr niedrig und das Angebot auf den ersten Blick gut.

Beim verlassen der Stadt bekommen wir gleich einen ersten Eindruck vom kolumbianischen Verkehr. Die Hupe kommt hier deutlich öfter zum Einsatz als in Zentralamerika und die vielen Motorräder und Taxis sind überall und haben offensichtlich immer Vorfahrt. Mehrfach sehe ich es schon krachen und kann fast gar nicht hinschauen, aber ohne eine einzige Delle (dafür ebenfalls mit beherztem Einsatz der Hupe) fahren wir wie von Zauberhand in dem Chaos mit und sicher aus der Stadt heraus.

Schweben im Schlamm

Ihr lest richtig, wir baden im Schlamm. Denn unweit von Cartagena befindet sich der Schlammvulkan Volcán de Lodo El Totumo. Tatsächlich sieht der nur 15 m hohe Hügel aus wie ein Vulkan im Miniaturformat. Statt Lava fließt hier Schlamm und der hat eine sahnige Konsistenz. Es kostet Überwindung sich einfach in das Schlammloch plumpsen zu lassen, aber das Gefühl ist einmalig! Denn man schwebt tatsächlich schwerelos im Krater. Von der heilenden Wirkung durch die vielen Mineralien einmal abgesehen haben wir einen Heidenspaß. Hinterher gibt es glücklicherweise einen See um den Schlamm wieder loszuwerden.

 

Abkühlung in Minca

Nach einer heißen und schwülen Nacht am Strand fliehen wir in die Höhen der Sierra Nevada in das kleine Bergdorf Minca. Hier sind wir auf 600 Meter und die Hitze ist deutlich erträglicher. Das Dorf ist beliebt bei Backpackern und somit gibt es genügend Cafés und einen Waschsalon vor Ort. Die Gegend eignet sich hervorragend zum Wandern, aber man kann auf den vielen Wegen genauso gut fahren.

Statt mit der 4×4 Tour, die hier natürlich auch mit Troopys unterwegs sind, fahren wir also selbst eine schöne Runde. Teilweise steil und eng sind die Straßen, eine richtig schöne Offroadstrecke durch die grünen Wälder der Sierra Nevada.

Bei den Cascadas de Malinka baden wir im erfrischenden Wasserfall und wundern uns mal wieder, warum andere Reisende so dringend eine Dusche brauchen. Dann legen wir einen Stopp im Hostel Casa Elementos ein. In der großen Hängematte schaukelt man über den grünen Bergen. Nebenbei wird auch das WM-Fußballspiel Deutschland-Schweden übertragen und alle Deutschen versammeln sich vor dem einzigen Fernseher. Uns soll es Recht sein, denn damit sind die Straßen frei.

 

Campen nach unserem Geschmack in der Sierra Nevada

Über die unbefestigte Straße geht es vorbei an den Kaffeefeldern und weiter zu dem Aussichtspunkt Los Pinos. Bei Nebel ist hier allerdings nichts zu sehen und wir fahren weiter den Berg nach oben bis zur Antennenstation und dem Ende der Straße. Auf einer Grasfläche schlagen wir unser Camp unter Nadelbäumen auf. Von der kurzen Hose wechseln wir schnell auf lange Klamotten und Jacken, denn die Temperatur sinkt auf eisige 12 Grad. Das sind wir ja nun gar nicht mehr gewohnt.

Von unserem Standplatz auf 2500 m haben wir die Aussicht zu beiden Seiten der Berge und erahnen auf der Einen das Meer und auf der Anderen die schneebedeckten Gipfel. Der Sonnenuntergang zaubert dann wunderbare Rot- und Lilatöne an den Horizont. Zwar war der Weg hier hoch doch holprig und weit, aber wir genießen unseren idyllischen Platz mitten im Wald doch sehr.

Zu Fuß wandern wir die letzten Kilometer bis zum endgültigen Ende der Straße und wundern uns über die Palmen auf dieser Höhe, die direkt neben den Kiefern stehen. Zufällig finden sich am Wegesrand die ersten reifen Brombeeren, die wir unterwegs naschen.

Der Weg zurück nach Minca geht dann immerzu bergab und viel schneller als gedacht, denn heute spielt Kolumbien bei der Fußball-WM und entsprechend wenig Verkehr ist auf der engen Straße. Gerade als wir in Minca ankommen geht das Spiel zu Ende und die fußballverrückten Kolumbianer packen die Trommeln aus und das ganze Dorf feiert den Sieg gegen Polen.

 

Teures Vergnügen im Tayrona Nationalpark

An der Karibikküste liegt einer der bekanntesten und beliebtesten Nationalparks von Kolumbien, der Tayrona Park mit Strand und Urwald. Schon am Eingang muss man sich durch die Absperrungen schlängeln, die wohl in der Hauptsaison die Menschenmassen ordnen sollen. Für zwei Personen plus Auto sind wir dann erstmal stolze 40 EUR Eintritt los. Das wir im Park campen dürfen ist immerhin ein kleiner Trost.

Wir erkunden die Wanderwege und sehen wie grüne Berglandschaften auf felsenreiche Sandstrände treffen. Baden ist hier allerdings wegen der starken Strömung nicht möglich. Der Hauptweg verläuft durch den Wald und bietet immer wieder eine schöne Aussicht auf die Küste. Landschaftlich können wir den Hype um den Park durchaus verstehen, auch die Campingplätze mit Hängematten direkt am Strand sind für viele Besucher attraktiv. Uns ist es hier trotz Nebensaison aber einfach zu voll. Wir bemerken leider nichts von der schönen Natur, weil wir entweder auf eine andere Gruppe auflaufen oder selbst überholt werden. Zerknirscht gestehen wir uns ein, dass wir das Geld besser hätten investieren können.

 

Allem in allem hatten wir einen guten Start in Kolumbien und Südamerika!

Wir sind gespannt auf mehr! Deshalb geht es im nächsten Bericht für uns weiter an den nördlichsten Punkt von Südamerika, auf die einzigartige Guajira Halbinsel. Was wir dort erleben, ihr erfährt es bald hier…

Reisezeit: 18.06.18 – 24.06.18

Route: Cartagena – Vulkan Totumo – Minca – Offroad durch die Sierra Nevada – Tayrona Nationalpark

2 Gedanken zu „Kolumbien I – Cartagena und unsere ersten Tage in Südamerika

  1. Hallo Katrin und Till. Vielen Dank für den schönen Reisebericht. Bin total fasziniert, auch von den Bildern. Bin jedesmal aufs Neue gespannt. Viel Glück weiterhin auf Eurer spannenden Reise. Herzliche Grüße, eure Ulli

    1. Liebe Ulli, die ersten Tage in Südamerika waren auch für uns besonders spannend. Vor allem die Auslöseprozedur des Autos hat uns einige Nerven gekostet. Vielen Dank fürs Mitdabeisein auf unserer Reise! Es grüßen, Katrin und Till aus Kolumbien

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