USA IX – die kalifornische Küste und ein Abstecher nach Terrebonne

Auf der berühmten Küstenstraße, dem Highway 1 fahren wir am Meer entlang Richtung Norden – eigentlich gegen die Fahrtrichtung, aber wir wollen die Baum-Giganten im Norden Kaliforniens sehen von denen uns seit Monaten alle erzählen und vorschwärmen.

Gleich am ersten Tag fahren wir zum Strand und stellen entrüstet fest, dass ein Tagesticket 8 Dollar kosten soll, also nichts wie weg, die Küste ist schließlich noch lang. 20 Kilometer weiter nördlich gibt es den gleichen Strand auch ohne Eintritt. Hier entdecken wir auch einige Robben, die gemütlich am Strand liegen. Ein Schild verrät uns, dass die Robben hier bald ihren Nachwuchs erwarten, offenbar sind wir zu früh, denn noch sehen wir keinen. Es gibt etliche Strandzugänge und die Sicht auf das Meer genießen wir sehr. Zu unserem Glück findet man im Norden Kaliforniens auch Schlafplätze direkt am Meer. Meist zwar direkt neben der Straße, aber der Verkehr hält sich nachts in Grenzen und die Aussicht entschädigt, einzig der starke Wind macht uns hier zu schaffen.

An vielen Stellen wurde die Küstenstraße durch die hohen Wassermassen des vergangenen Winters unterspült und wir fahren durch etliche Baustellen. An einer Stelle liegt ein Baum quer über die Straße, schnell findet sich jemand in der Auto-Schlange, der den Baum zersägt, zwei andere regeln derweil den Verkehr. Es kann tatsächlich so einfach und unkompliziert sein.

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Baum-Giganten – bei den Großen und Alten

Durch die Avenue of the Giants fahren wir durch die alten und großen Bäume. An verschiedenen Stellen laufen wir durch den Wald und tauchen ein in die Welt unterhalb der Baumkronen und finden uns zwischen Klee und Farn wieder. Der größte und älteste Baum im Redwood Nationalpark hat einen Durchmesser von 6 m und ist ca. 2000 Jahre alt, kaum vorstellbar.

Als wir ein letztes Video machen wollen, fängt die Kamera plötzlich an zu streiken, das Objektiv fährt nicht mehr ein. Es hilft nichts, die Kamera muss eingeschickt werden und zwar nach Deutschland, die stattlichen 120 USD für den Versand sind bitter.

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Ein Stück Heimat in Terrebonne

Als wir gerade im Redwood Nationalpark stehen ereilt uns ein „Hilferuf“ per Email von Thomas aus Oregon, es sind Probleme beim Einbau der Standheizung aufgetreten. Das Problem hat Thomas zwar auch alleine gelöst, aber wir waren insgeheim sowieso schon auf dem Weg nach Oregon, was für ein Zufall. Thomas und Martina hatten wir in Moab kennengelernt und schon dort haben wir gemütliche Abende in ihrem Schulbus verbracht, jetzt dürfen wir bei ihnen im Hof campieren. Es gefällt uns sehr und die Tage vergehen wie im Flug. Abends sitzen wir meist im gemütlichen Wohnzimmer der beiden, dinieren und quatschen. Auch das Hottahü kommt nicht zu kurz und bekommt einen Rundum-Service. Kühlmittel sowie Differentialöle und Getriebeöle werden getauscht, der Spritfilter gewechselt und neue LED-Lampen an der Stoßstange angebracht. Das Bastlerherz steht eben auch unterwegs nicht still. Mit Martinas Nähkünsten wird der fehlende Vorhang zwischen Fahrer- und Wohnraum genäht, er passt wie angegossen. Im gegenüberliegenden Smith Rock State Park nutzen wir die (wenigen) sonnigen Nachmittage für ausgiebige Spaziergänge durch den Park und staunen über das Kletterparadies, das sich hier befindet. Grillen mit Freunden, ein Gulasch-Abend und ein Pub-Besuch bestärken das Heimatgefühl, dem wir uns gerne für einige Tage hingeben. Und doch, es zieht uns zurück in unser Nomadenleben zumal in Oregon Regen und Kälte eingezogen sind, in Südkalifornien ruft die Sonne und wir folgen ihrem Ruf. Ein schwerer Abschied gepaart mit der Zuversicht sich vielleicht doch bald noch einmal wieder zu sehen.

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Gebührender Abschied

Schnell wollen wir die mehr als 1000 km in den Sommer hinter uns bringen, da kreuzt der Crater Lake Nationalpark unseren Weg. Der Südeingang ist geöffnet und da der Park uns wärmstens empfohlen wurde, machen wir den Abstecher. Mit jedem Kilometer wachsen die Schneeberge zu beiden Seiten der Straße, von oben kommt permanent Nachschub. Der Ausblick auf den tiefsten See der USA (594 m) lohnt sich, die Caldera ist mit klarem Regen- und Schmelzwasser gefüllt und der See friert auch im Winter nicht zu. Führt im Sommer ein Rundweg um den See, kommt man hier im Winter nur auf Skiern weiter. Dieser Einladung können wir nicht widerstehen und 10 Minuten später stehen wir dick eingepackt auf der Loipe. Die 50 km um den See herum sind uns zwar zu weit, aber auch Spaß in dem noch immer puderweichen Schnee haben wir dennoch. Froh, dass wir die Skisaison nun doch noch mal gebührend verabschieden konnten lassen wir den Schnee und Winter nun hinter uns.

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Die kalifornische Südküste

Die kalifornische Südküste erreichen wir auf dem Highway Nummer 1. Mittags halten wir zum Mittagessen am Strand, überall sind Felder voll mit reifen Erdbeeren, Avocados und Artischocken. Leider kommen wir auf der Küstenstraße nicht bis Big Sur, da die Straße wegen Wasserschäden vom Norden her gesperrt ist. Wir umfahren das Gebiet und kommen schließlich im strömenden Regen nach Santa Barbara und fahren an der Küste weiter bis Venice Beach. Die Städte-Namen versetzen uns in die Welt der drei Fragezeichen, nur das berühmte aber imaginäre Rocky Beach fehlt in dem Ensemble. In Venice ist der Strand zwar wie leergefegt, dafür füllen Skateboarder, Souvenirläden und auch Straßenkünstler und dunkle Gestalten aller Art die Strandpromenade. Von den Stars und Sternchen in und um Hollywood bekommen wir nichts mit, dafür beeindruckt uns der Verkehr in Los Angeles, der zweitgrößten Stadt der Staaten umso mehr. Da wir wenig Lust auf die volle Stadt haben flüchten wir schnell wieder und verlassen die Küste in Richtung des Joshua Tree Nationalparks. Den Charme der kalifornischen Küste konnten wir nicht so richtig finden, regnerisches Wetter und die hohe Bevölkerungsdichte in großen Teilen konnten uns nicht so richtig begeistern.

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Reisezeit: 31.03.17 – 20.04.17

Nordküste Kaliforniens – Redwood Nationalpark – Bend – Redmond – Terrebonne – Crater Lake Nationalpark – Sacramento – Santa Barbara – Santa Monica – Venice Beach – Los Angeles

3 Antworten auf “USA IX – die kalifornische Küste und ein Abstecher nach Terrebonne”

  1. barbara und reiner 14. Mai 2017 bei 19:49

    Hallo ihr beiden,
    sind euch ein gutes Stück nähergekommen…..
    Flug war ok. Philadelphia Airport ist sehr klein und gemütlich.
    Sind in einem typisch amerikanischen Hotel eingecheckt und sind sehr gespannt auf die Amish People
    morgen. Müssen euch über diesen Weg informieren, da ja die sonstigen mail Verbindungen nicht
    funktionieren. Freuen uns auf unseren Technikflüsterer, der es schon richten wird…….
    Alles liebe bis bald mapa

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  2. Martin Martinson 17. Juni 2017 bei 15:49

    Ihr habt Darlingtonia californica – die Kobralilie – in freier Wildbahn gesehen? Wieso war ich nicht dabei? Das ist einer der schönsten und seltensten Karnivoren. Ich bin begeistert!

    Gute Weiterreise,
    Euer stets botanisch interessierter
    Martin

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    1. Katrin & Till 23. Juni 2017 bei 20:13

      Hallo Martin,
      ja die Kobralilien (danke für die Ergänzung) waren wirklich beeindruckend, vor allem weil es so viele auf einem Fleck waren. Bei Bedarf beschreibe ich dir gerne den genauen Standort. Bei weiteren botanischen Fundstücken wirst du natürlich informiert!
      Viele Grüße, Katrin

      Antworten

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