Mexiko – Ein Hund namens Chepe

Da haben wir also die schönste Zeit in der Kupferschlucht und fahren dann von Batopilas zurück nach Creel ohne die reizvolle Offroad-Srecke nach Guachochi zu fahren. Und alles wegen einem Hund…

Als wir auf unserer Tour durch die Kupferschlucht zum ersten Mal in Creel waren, sind uns schon die vielen Straßenhunde aufgefallen. Leider ein normales Bild für Mexiko. Normalerweise gucken wir wie alle anderen einfach weg, wenn wir abgemagerte Hunde auf der Straße sehen. Was sollen wir auch schon tun? Mexiko hat größere Probleme, als sich um Straßenhunde zu kümmern, irgendwie verständlich und nachvollziehbar. Andere Länder, andere Sitten, sowieso gibt es kaum ein Land in dem Haustiere so verhätschelt werden wie in Deutschland. Die Methode des „Nicht-so-genau-hinsehens“ hat für uns nur solange geklappt, bis eines Abends ein Hund auf drei Beinen geradewegs auf unser Auto zu humpelt und sich fordernd vor unsere offene Hecktür stellt. Wir sehen, dass eins der Hinterbeine verletzt oder gebrochen ist, außerdem klaffen offene Wunden an Schulter und Ohr und der Hund ist in einem sehr schlechten Gesamtzustand. Der Kühlschrank gibt zwar nur Gemüsesuppe her, die wird allerdings mit Hingabe gefressen. Schnell taufen wir ihn auf den Namen Chepe. Am nächsten Morgen überlegen wir hin und her was wir tun könnten, denn Chepe braucht dringend einen Arzt. Wir fürchten, dass er mit drei Beinen bei der Futtergewinnung benachteiligt ist und es nicht über den Winter schafft. Da er allerdings so scheu ist und sich nicht mal von uns anfassen lässt, lassen wir ihn schweren Herzens zurück.

 

Wir fahren weiter bis Batopilas, aber der Gedanke an Chepe lässt uns einfach nicht los. Immerhin haben wir ihn einfach dort sitzen lassen und wir haben das Gefühl, nicht genug für ihn getan zu haben. Primär wollen wir ihn erstmal zum Arzt bringen, ob wir ihn danach vielleicht sogar behalten können, wird sich zeigen. Zurück in Creel kommt alles anders und der wage Plan wird sogleich verworfen, weil Chepe nicht mehr in der Nähe des Campingplatzes zu finden ist. Wir sind erstmal einen halben Tag durch die Stadt gelaufen, bis wir ihn tatsächlich gefunden hatten, unsere Pfannkuchen frisst er gerne, bei Würstchen guckt er erstmal skeptisch. Den Rest des Tages haben wir eine Transport-Box und Schlaftablette organisiert, denn eigentlich wissen wir nicht, wie wir den verängstigten Hund in die Kiste setzen könnten. Bei der Suche treffen wir auf Araceli, bei der wir genau richtig sind. Als eine von zwei Personen im Dorf kümmert sie sich um Straßenhunde und hat das Hunde-Winterquartier Okochichi sin Frío ins Leben gerufen und selbst schon 12 Hunde von der Straße adoptiert. Das wir Chepe helfen wollen findet sie so toll, dass wir gleich für ihre Facebook-Seite fotografiert werden, denn wenn sich sogar deutsche Touristen für die Hunde Creels engagieren, dann sollte doch auch das Dorf mitmachen, erklärt sie uns motiviert. Auch wir fühlen uns jetzt in unserem Vorhaben bestätigt, denn insgeheim hatten wir befürchtet von den hundefeindlichen Mexikanern ausgelacht zu werden. Von Araceli bekommen wir dann auch die Kontaktdaten des Tierarztes aus dem nächsten Dorf und meldet uns telefonisch an.

Am nächsten Morgen soll dann die Rettungsaktion stattfinden, wir sind bereit und etwas aufgeregt. Immerhin haben wir keine Ahnung wie Chepe sich verhalten wird, vor allem wenn er von seinen zuverlässigen Futterlieferanten auch noch in eine Box und zu einem Arzt geschleppt wird.

Bevor wir jedoch eine Antwort bekommen, werden wir erstmal enttäuscht. Chepe ist nicht mehr da! An keinem „seiner Plätze“ können wir ihn finden. Es folgt eine weitangelegte Suchaktion zu Fuß und mit dem Auto durch die ganze Stadt. Dabei lernen wir auch Raúl kennen, der sich neben Araceli ebenfalls für Straßenhunde engagiert. Von ihm bekommen wir auch den Tipp am anderen Ende der Stadt zu suchen. Zwar bezweifeln wir, dass er so weit gehumpelt sein könnte, aber zu verlieren haben wir nichts. Als wir schon aufgeben wollten taucht er dann tatsächlich auf. Er bekommt Würstchen und Schlaftablette von uns, wir warten geduldig, aber die Wirkung setzt nicht ein. Oh Mann, damit hatten wir nicht gerechnet. Einen Alternativplan haben wir auch nicht. Da wir keinerlei Erfahrung im Einfangen wilder Hunde haben und uns nicht beißen lassen wollen, versuchen wir einen Tipp von der mexikanischen Tierschutzorganisation – eine Decke über ihn zu werfen und ihn so in seinen Kasten zu bugsieren. Er wehrt sich heftig und entwischt uns schließlich. Blöderweise verschwindet er dann am Stadtrand im Gebüsch und taucht trotz Suche zu viert mit Raúl und Araceli nicht mehr auf. Nach der missglückten Aktion ist unsere Stimmung auf dem absoluten Nullpunkt. Wir haben das Gefühl, unsere Chance verschenkt zu haben. Entsprechend traurig, deprimiert und wütend auf uns selbst sind wir am Abend. Nach langem hin und her überlegen, entscheiden wir uns schließlich dafür, die Stadt zu verlassen. Die Suche und die missglückte Einfangaktion haben uns mehr mitgenommen als wir gedacht hätten, außerdem stehen wir bei einem erneuten Versuch vor demselben Problem. Schweren Herzens verlassen wir Creel und somit auch unseren liebgewonnenen Chepe…

Fortsetzung ohne uns

Bei unserem Abschied hatte Raúl uns versprochen, sich um Chepe zu kümmern. Was wir für eine leere Versprechung gehalten haben, wurde allerdings Wirklichkeit. Bei einer groß angelegten Kastrierungsaktion in Creel, geht Raúl mit dem Tierarzt erneut auf die Suche und tatsächlich finden sie unseren Chepe. Seine Wunden und das Bein werden versorgt, außerdem bekommt er eine Ladung Vitamine und Nährstoffe für die Besserung seines Gesamtzustands. Um über den Winter zu kommen hat Raúl sich um Futter gekümmert und einen „Paten“ gefunden, der ihn erstmal versorgt. Wir sind sehr froh, dass Raúl sich so gut gekümmert hat dankbar und kommen aus der Ferne wenigstens für Chepes Behandlungskosten auf.

Im Frühjahr wird es eine erneute Kastrierungsaktion in Creel geben, die Kosten belaufen sich auf gerade mal 300,- MEX (15 EUR). Wer also ein gutes Werk tun möchte und sicher sein will, dass das Geld auch ankommt kann sich direkt an Raúl wenden.

Spenden per Paypal direkt an Raúl:

raul_gdl@live.com

 

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Reisezeit: 15.09.17 – 17.09.17

2 Antworten auf “Mexiko – Ein Hund namens Chepe”

  1. Ulrike Kemmerer 22. November 2017 bei 17:10

    Hallo ihr Beiden.
    Der arme Chepe. Bestimmt sind Raul und Araceli sehr dankbar für Eure Hilfe. Das hätte ich auch getan, zumindest jetzt, da ich ja auch schon Erlebnisse mit sehr kranken Hunden auf dem Plaza Garibaldi hatte. Ich war mutterseelenallein und wusste nicht, wie ich dem Hund helfen konnte. Deshalb freue ich mich sehr, dass ihr alles daran gesetzt habt, Chepe zu helfen.
    Hoffe, er wird den Winter gut überstehen.
    Vielleicht findet er auch ein zuhause.
    Im Namen von Chepe: MUCHISIMAS GRACIAS!!!
    Liebe Grüsse
    Eure Ulli

    Antworten

    1. Hallo Ulli,
      ja die beiden sind sehr dankbar und froh, dass sich sogar deutsche Touristen für Creels Hunde engagieren. So hoffen wir wenigstens ein kleines Zeichen gesetzt zu haben.
      Auch wenn wir für unseren Chepe nur so wenig tun konnten, wissen wir, dass wir unser bestes versucht haben. Der nächste bedürftige Hund kann ganz sicher auf deine Hilfe setzen, das ist doch auch etwas!
      Viele Grüße,
      Katrin und Till

      Antworten

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