Rocky Mountains – Bärentatzen für unterwegs

Über die Millionenstadt Calgary kommen wir nach Banff und sind direkt in den Rocky Mountains! Der Icefields Parkway ist auch für uns eine Traumstraßen durch Kanada. Fotostopps und Wandermöglichkeiten überall. Im Oktober werden wir vom ersten Schneefall des Jahres überrascht, die Temperatur in Lake Louise sinkt unter die -10°C-Grenze und trotzdem ist dieser Teil Kanadas einfach traumhaft…

Calgary

Millionenstadt. Von den Badlands aus fahren wir nach Calgary im südlichen Alberta. Hier nutzen wir als erstes die Weltanbindung und gehen zum Italiener essen. Die Pasta schmeckt uns gut und auch das Tiramisu und der Wein fehlen nicht auf unserem Tisch. Da wir mittlerweile beschlossen haben unsere Zeit in Kanada in vollen Zügen zu genießen und damit auch einen Teil des Winters hier verbringen wollen, lassen wir uns in Sportgeschäften beraten und kaufen mehr oder weniger spontan eine Skiausrüstung. Beim Langlaufen in der Loipe, aber auch ohne gespurte Wege sollen sie Spaß machen dank leichten Kanten. Jetzt fehlt nur noch der Schnee und das Warten beginnt, denn wir rechnen nicht vor November/Dezember mit geeigneten Bedingungen.

In Calgary gibt es auch einen IKEA. Rein zufällig ist unser Übernachtungsplatz genau nebenan, sodass wir morgens mit den Rentnern vor der noch geschlossenen Tür ausharren, bis um 9.30 Uhr das Restaurant eröffnet. Tatsächlich bietet sich hier das gleiche Schauspiel wie zu Hause. Das Frühstück kostet hier 1,99 CAD (ca. 1,40 EUR) und wir bekommen Rührei mit Speck, zwei Pfannkuchen, Bratkartoffeln und Würstchen, Kaffee inklusive. Da bleiben keine Wünsche offen und wir fühlen uns ganz wie zu Hause. Natürlich bleibt es nicht bei dem Frühstück und wir kaufen eine neue Teekanne. Außerdem stellen wir fest, dass IKEA einen Recycling Behälter für Batterien bereitstellt. Was bei uns Pflicht ist, kennt man hier nicht. Im Supermarkt hatten wir uns nach dem Rückgabesystem für leere Batterien erkundigt und wurden verständnislos angeguckt. Da gäbe es irgendwo in der Stadt ein Recycling-Center, genaues wusste man nicht. Da liegt die Vermutung nahe, dass leere Batterien bei den meisten Leuten im Hausmüll landen.

Auftrag zu erfüllen. In Calgary sollen die gleichen U-Bahnen wie in Frankfurt herumfahren und zwar das U2 Modell von Siemens. Das hat uns der Zugexperte Thomas geschrieben und gebeten ein Bild zu machen. Also stellen wir uns mit der Kamera an eine Haltestelle. Die erste Bahn sieht tatsächlich aus wie die uns bekannte Frankfurter U-Bahn, da standen wir leider noch vor dem Zaun. Wir sind hartnäckig und warten noch drei Abfahrten ab (leider nur im 20 Minutentakt), aber haben kein Glück mehr. Nur das neuere Modell, ebenfalls von Siemens fährt an uns vorbei. Durchgefroren geben wir auf, da fehlt uns wohl die Übung und Geduld.

Banff Nationalpark

Der Berg ruft. Von Calgary ist der Weg nicht weit in die Rocky Mountains, umso schöner ist die Fahrt bei unserem ersten Schneefall. Es sind nur ein paar Flocken – aber viel früher als erwartet. Wir fahren in die Touristenhochburg Banff in Kanadas ältestem Nationalpark (seit 1885). Die Hoffnung, dass sich die Hochsaison dem Ende zugeneigt hat wird schnell getrübt. Die üblichen 50.000 Besuchern pro Tag konnten wir zwar umgehen, nicht aber die asiatischen Reisebusse. Da wir im Nationalpark sind, gönnen wir uns mal wieder einen Campingplatz. Nur noch einer ist geöffnet, immerhin ist der quasi leer und wir können den günstigen Preis für einen Platz ohne Strom und Wasser erfragen.

In der Stadt gibt es Sportgeschäfte, Hotels und Souvenirläden en masse. Da es regnet sind wir ganz froh und kehren in eins der vielen Cafés ein. Abends gehen wir dann in die lang ersehnten Upper Hot Springs, die ganzjährig geöffnet haben. Da sie von den Parks Canada betrieben werden sind sie nicht mal teuer (7,30 CAD, also 5 EUR). Bei Schneeregen in 39°C warmem Thermalwasser zu baden ist sehr fein und entschädigt für einige nasskalte Tage.

Am nächsten Tag erwartet uns ein weiteres Event, auf das wir uns schon seit Tagen freuen. Es ist nämlich Thanksgiving-Wochenende in Kanada. Thanksgiving fällt hier immer auf den zweiten Montag im Oktober und findet unabhängig von dem Thanksgiving in den USA statt, welches erst im November stattfindet. Um die traditionellen Speisen zu testen, haben wir im Chinook Restaurant für den Sonntagsbrunch reserviert. Pünktlich um 10 stehen wir als einer der ersten in der Schlange und wundern uns, warum so wenig los ist, die meisten Tische sind noch frei. Später merken wir, dass die übliche Brunch-Zeit frühestens um 11 oder sogar erst um 12 beginnt, niemand außer uns sitzt tatsächlich den ganzen Vormittag hier. In solchen Momenten ertappen wir uns selbst und merken, wie deutsch wir uns verhalten. Als erstes kommen, damit die guten Sachen noch da sind und möglichst lange bleiben, um nichts zu verschenken. Mag das bei deutschen Brunchs auch nötig sein, so ist es hier nicht nötig, alles ist von Anfang bis Ende vorhanden und wird auch nachgelegt. Neben frisch zubereiteten Omeletts nach persönlichem Gusto gibt es eine sehr gute Auswahl für das Frühstück, inklusive Waffeln, Obst und Wurst. Als klassisches Thanksgiving Essen gibt es dann Truthahn mit Kartoffelbrei (interessant mit Knoblauch gewürzt) und Cranberrysoße (mmh!). Nachdem wir eigentlich längst satt sind, entdecken wir das Nachtischbuffet. Es gibt zu viel, um alles zu probieren, aber unsere Highlights sind das Apple-Rhabarber-Crumble, ein Käse-Kürbis-Kuchen und der Schokokuchen. Wer uns kennt, weiß, dass wir uns natürlich maßlos überfressen haben. Den Rest des Tages sind wir zu nichts mehr zu gebrauchen. Den Besuch des Lake Minnewanka müssen wir wohl oder übel von der Liste streichen.

In Lake Louise finden wir einen schönen Platz zum campen, den wir gleich mehrfach nutzen, nämlich den Parkplatz zur Skoki-Lodge. Von hier aus machen wir unseren ersten Schneespaziergang und freuen uns riesig. Außerdem erleben wir hier unsere bisher kälteste Nacht bei -8,5°C Außentemperatur. Mit Standheizung kein Problem. Abends gibt es dann unser neues Wintergericht, Pizza aus der Pfanne, kann man nämlich super innen kochen, ganz ohne lästigen Wasserdampf der auf den Scheiben gefriert.

Am nächsten Morgen statten wir dem Besucherzentrum einen Besuch ab und versorgen uns mit Wanderkarte und aktuellen Informationen. Die Straße zum Lake Moraine hat nur noch an diesem Tag offen, danach wird sie für die Saison geschlossen, Glück gehabt. Wir können am See entlanglaufen, die typische türkisblaue Farbe kommt bei bedecktem Himmel und Nebel nicht richtig zur Geltung. Andere Wanderungen in dem Gebiet können wir nicht machen, da sie nur für Gruppen ab 4 Leuten freigegeben sind, weil sich Bären in dem Gebiet aufhalten.

Vom Lake Louise wollen wir zum Lake Agnes wandern. Der Weg ist schön und der Anstieg lohnt sich. Durch die starke Nutzung des Wegs ist der Schnee aber so festgetreten und vereist, dass sich der Anstieg und noch mehr der Abstieg schwierig gestalten. Am Lake Agnes dann die Ernüchterung, dass angekündigte Café ist bereits geschlossen, also wieder zurück, ohne Kaffee und vor allem ohne süßes Stückchen ist der Weg lang und weit…

Am nächsten Tag unternehmen wir einen Tagesausflug in den Yoho Nationalpark. Hier halten wir bei der Natural Bridge, schlendern einmal um den Emerald Lake und besuchen die Takakkaw Falls. In Field hat das einzige Restaurant leider Mittagspause, deshalb legen wir eine Jause mit mitgebrachtem Sauerkraut und Wiener Würstchen neben der Tankstelle ein. Bei der Weiterfahrt müssen wir dann geraume Zeit am Bahnübergang warten, die Güterzüge sind hier wirklich gut beladen und gemächlich unterwegs. Trotz Sonnenschein sind wir an diesem Tag durchgefroren, die Wege die wir gelaufen sind waren eher Lookouts oder Spaziergänge, ohne wirkliche Anstrengung. Schnell fahren wir zurück nach Lake Louise zu „unserem“ Platz, hier fühlen wir uns schon heimisch. Morgens wachen wir auf mit einem Zettel unter der Windschutzscheibe. Andreas und Sandra von Point-of-compass.de wollten uns nicht wecken, aber haben uns ihr Daten hinterlassen. Leider sind wir in unterschiedliche Richtungen unterwegs und können uns nicht persönlich kennenlernen.

Auf dem Icefields Parkway geht es dann weiter nach Jasper. Die 230 km lange Straße zählt zu einer der atemberaubendsten der Welt. Schon vor 2,5 Jahren sind wir hier gewesen und wissen, was uns erwartet. Tatsächlich sehen wir ein ähnliches Bild, viele Wege sind schneebedeckt, sowohl im Mai als auch im Oktober. Eine Tageswanderung, die wir eigentlich machen wollten wagen wir bei diesen Bedingungen lieber nicht. Dafür entscheiden wir uns für die Wanderung zu den Bow Glacier Falls. Zunächst am Ufer des Bow Lakes entlang, dann durch das winterliche Tal, ein kleiner Anstieg auf vereisten Treppen und schließlich über ein Geröllfeld zum Wasserfall. Für uns war das die schönste Wanderung im Banff Nationalpark. Der unberührte Schnee glitzert in der Sonne und verleiht allem einen einzigartigen Glanz. Wie froh wir sind, nicht im Sommer hier zu sein! Auch die nassen Füße sind schnell vergessen.

Jasper Nationalpark

Jasper. Hier werden wir von Bärentatzen erwartet. Vor 2,5 Jahren waren wir bei starkem Regen in Jasper und sind fluchtartig in das erstbeste Café der Stadt eingekehrt, die Bears Paw Bakery. Seit wir in Halifax gestartet sind freuen wir uns schon auf einen erneuten Besuch. Wir werden nicht enttäuscht, der Kaffee und vor allem die Stückchen schmecken nach wie vor hervorragend. Nach drei weiteren Besuchen haben sich die Scones mit Himbeere und weißer Schokolade für mich und das Schokocroissant für Till als Sieger erwiesen. Beim Regal mit Produkten vom Vortag decken wir uns für die Weiterfahrt mit einer vollen Tüte Zimtschnecken (den Bärentatzen) ein.

Unseren ersten Schlafplatz in Jasper verdanken wir Sandra und Andreas, die uns den Punkt am Pyramid Lake verraten haben. Wir werden nicht weggeschickt, dafür wachen wir morgens neben zwei Reisebussen auf, einer rechts, einer links. Um das Auto stehen ca. 50 Chinesen, wir verstehen nur das Wort „Germany“, offensichtlich reden sie über uns. Das Schauspiel wird perfekt als wir draußen Kaffee kochen. Der Guide spricht uns auf Englisch an und wir erklären wo wir herkommen und was wir vorhaben. Damit ist das Eis gebrochen und die Chinesen fallen über uns her, jeder möchte ein Bild von und vor allem mit uns. Wir müssen uns zurückhalten, um bei den vielen „Ahs“ und „Ohs“ nicht zu sehr zu grinsen. Besonders interessiert sind sie an unserem Nummernschild (wofür die Sterne? Und wofür das D?). Camper gibt es in China nicht, versichert uns eine Reisende.

Auf der Straße zum Maligne Canyon sehen wir dann den ersten Bären seit Quebec. Viel zu sehen gibt es nicht, da er sich neben der Straße durchs Gebüsch schlägt. Gesehen haben wir ihn nur, weil einige Leute trotz zahlreicher Hinweise und Warnschilder aus dem Auto ausgestiegen sind und den Bär regelrecht durchs Gebüsch verfolgen. Dass sie damit zu sogenannten Problembären beitragen, die eine Gefahr für Menschen darstellen und möglicherweise getötet werden müssen scheint ihnen egal zu sein.

Die Maligne Road führt ca. 40 km durch ein Flusstal und Karibugebiet. Gesehen haben wir aber nur Dickhornschafe. Nach einem kleinen Abendspaziergang zum Moose Lake suchen wir uns einen Schlafplatz an der Maligne Road. Morgens erwartet uns dann eine tolle Überraschung: 10 cm Neuschnee! Wir sind fast die ersten, die auf der Straße fahren und freuen uns riesig. Mal wieder stellen wir fest, dass wir beide (auch) Wintermenschen sind und uns am Schnee erfreuen können.

An unserem letzten Abend in Jasper startet zufällig das Dark Sky Event. Ein jährliches Programm rund ums Sterne schauen, mit wissenschaftlichen Vorträgen, Foto-Workshops etc. An diesem Abend wird von Parks Kanada ein Lagerfeuer mit Sternbilder gucken und Geschichten erzählen angeboten. Da es kostenlos ist, gehen wir natürlich hin. Deutsch wie wir sind, stehen wir schon 30 Min vor Beginn am angegebenen Ort, einem für die Saison geschlossenen Campingplatz. Kein Schild, niemand da, die Schranke ist zu. Wurde es etwa abgesagt, weil es so bewölkt ist? Wir stellen uns an den Straßenrand und wollen nicht aufgeben. 20 Min vorher kommen dann schließlich die Organisatoren, stellen ein Schild auf und öffnen die Schranke, wir waren einfach mal wieder viel zu früh. Der Abend ist dann trotz Wolken sehr unterhaltsam. Es gibt Tee und Kakao für alle und die Guides erzählen indianische Geschichten über die Entstehung der Sternbilder und der Welt. Auch Tiergeräusche raten wurde gespielt und wir haben das Kinderlied „twinkle, twinkle little star“ kennengelernt und mitgesungen. Mal wieder sind wir begeistert von dem Programm, das von den Nationalparks angeboten wird.

Auch nach dem zweiten Besuch in den Rocky Mountains finden wir sie einzigartig und atemberaubend schön. Wir haben wieder zahlreiche Hirsche, Wapitis und Dickhornschafe direkt am Wegesrand gesehen. Trotzdem sehen wir die steigende Anzahl der Besucher durchaus kritisch und eindeutig im Gegensatz zum Schutz der Natur, der eigentlich im Vordergrund stehen sollte.

Pläne schmieden. Mittlerweile haben wir Pläne über unsere weitere Reiseroute geschmiedet. Es zieht uns in den Yukon, den wir von Anfang an auf unserer Liste hatten, aber nie sicher waren, ob wir ihn vor Wintereinbruch erreichen können. Da wir ja jetzt Ski haben und auf jeden Fall bis Dezember/Januar in Kanada bleiben wollen, fällt die Entscheidung leicht. Vor uns liegt deshalb eine lange Reise durch British Columbia. Was wir hier alles erleben durften erfahrt ihr bald…

Reisezeit: 7.10.16 – 15.10.16
Gefahrene Kilometer: 848 km

Calgary, Banff, Banff Nationalpark, Lake Louise, Yoho Nationalpark, Icefields Parkway, Jasper

Eine Antwort zu “Rocky Mountains – Bärentatzen für unterwegs”

  1. So haben wir auch Pizza gemacht! Geht überraschend gut in der Pfanne- auch wenn die zweite besser geworden ist als die erste 😉

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