USA IV – Offroadparadies Utah

Vom Little Sahara Recreation Park fahren wir Richtung Moab, DEN Ausgangsort für Freizeitaktivitäten aller Art. Wir fahren nur ein kurzes Stück, aber der Übergang von weißem Sand zu schwarzen Felsen und schließlich zu roten Canyons innerhalb weniger Stunden hätte spektakulärer nicht sein können. Um es gleich vorweg zu nehmen, um Moab herum erwartet uns das Paradies, wie wir es uns schöner nicht hätten vorstellen können, aber seht selbst…

Von der Interstate 70 vor Moab nehmen wir spontan eine Ausfahrt, um einen Fotostopp einzulegen und stehen prompt vor einer einladenden Alternativroute, eine Schotter/Matsch-Piste direkt durch die Felslandschaft. Zwar ist unser Bergungserlebnis noch keine 24 h alt und doch zieht uns der Umweg beinahe magisch an – diesmal geht alles gut, auch wenn der Boden stellenweise aufgeweicht ist und wir tiefe Fahrrinnen hinter uns herziehen. Gelohnt hat sich der Abstecher aber allemal, ohne es zu wissen sind wir nämlich im San Rafael Swell Canyon gelandet, der ohnehin auf unserer Liste stand. Wir verbringen hier den ganzen Tag ohne sonst jemanden zu sehen, die Wahl für einen Platz zum Mittagessen fällt schwer, zu groß ist die Auswahl.

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Moab

Nachmittags zieht es uns dann doch weiter nach Moab, die Vorräte sind leer und wir voller Tatendrang. Da wir erst in der Dämmerung ankommen, hatten wir uns vorher schon einen Schlafplatz bei den Gemini Bridges ausgesucht, nur 7 km von der Straße, also schnell und einfach zu erreichen, denken wir. Nicht schlecht staunen wir, als der Weg am Berg entlang immer weiter nach oben klettert, links der Abgrund und auf dem Weg sind ordentliche Stufen drin. Heilfroh erreichen wir den Campingplatz mitten im Canyon. Gerade noch im Hellen, sodass wir die hohen roten Felsen, die um uns herumstehen erahnen und bewundern können. Ein Blick auf die Landkarte am nächsten Morgen verrät uns, dass wir unseren Weg einfach weiterfahren können, um zu den Gemini Bridges kommen. Noch mal zuckeln wir den Weg hoch und runter, dann kommen wir an die zweigeteilte Felsbrücke. Außer uns sind noch zwei Mountainbiker hier, das Gelände rund um Moab eignet sich dafür gut und zieht offensichtlich nicht nur Offroadfahrzeuge an. Schnell sind wir wieder auf der Straße, die uns schließlich nach Moab führt. Viel zu sehen gibt es hier nicht, Sportgeschäfte, Inns und Ausstatter aller Art, dafür aber Supermarkt und Waschsalon. Ein guter Ausgangspunkt, um mehr von der Umgebung zu sehen. Wir informieren uns über Offroad-Möglichkeiten, allerdings gibt es so viele Wege, dass wir gar nicht wissen, was für uns geeignet ist. Eine Beratung oder Empfehlung bekommen wir im Besucherzentrum leider nicht, nur einen Prospekt, die Frau ist offensichtlich kein Offroad-Fan (zum Wandern konnte sie uns allerdings auch nichts sagen). Wir suchen uns als erstes den Chicken Corners Trail aus, der im Faltblatt die Schwierigkeit zwei von vier erreicht (bei der Jeep Safari ist er mit einer 2 von 9 gelistet), der Trail zu den Gemini Bridges war nur eine eins. Da sollte doch eine zwei kein Problem sein, oder? Für die nächsten zwei Tage ist Regen vorhergesagt, damit sind die Wege nicht befahrbar, denn der Sand wird matschig und unbefahrbar. Deshalb fahren wir kurzentschlossen schon am gleichen Nachmittag los auf den Chicken Corners Trail.

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Chicken Corners Trail

Der Trail ist insgesamt 54 Meilen lang, 43 davon sind als Offroad angegeben. Der Weg startet südlich von Moab, der Einstieg ist schnell gefunden. Zunächst führt die Schotterstraße am Kane Springs Canyon entlang, dann wird sie zur Offroad-Piste und windet sich Stück für Stück über den Hurrah Pass, rechts geht es wieder steil bergab. Einige größere Stufen müssen wir hoch und runter, langsam aber stetig kommen wir voran. Als dann die ersten Regentropfen fallen sind wir beunruhigt, immerhin müssen wir den Pass wieder zurück und das wäre bei Nässe ein echtes Problem. Wir fragen einen entgegen kommenden Fahrer nach den Bedingungen der nächsten 10 km und äußern unserer Bedenken wegen dem Regen, da lacht er nur und sagt „You are safe, you have a LandCruiser“. Recht hat er! Beruhigt geht es weiter und da hört der Regen auch schon wieder auf. Am Ende des Trails stehen wir dann 130 Meter über dem Colorado River am Dead Horse Point und bestaunen die Tiefe, die Weite und die dunkelroten Felsen. Da wir vor der Dämmerung noch über den Pass zurück wollen können wir hier leider nicht allzu lange verweilen, Zeit für eine Tasse Kaffee haben wir natürlich noch, dann fahren wir gemütlich zurück.

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Arches Nationalpark

Am nächsten Tag kommt der vorhergesagte Regen, damit fällt Offroadfahren für heute aus. Also fahren wir in den Nationalpark mit außergewöhnlich hoher Konzentration an Felsbögen. Da müssen wir uns wohl oder übel in die Autoschlange, die sich bereits um 9 Uhr morgens an der Einfahrt zum Arches Nationalpark zurückstaut stellen. Moment mal, sind wir nicht Mitte Februar hierhergekommen, um den Massen auszuweichen?! Nicht bedacht hatten wir das lange Wochenende, da montags President’s Day und somit Feiertag ist. Eine Nacht auf dem Campingplatz kommt somit nicht in Frage, da hätten wir schon vor Monaten reservieren müssen. Spaß haben wir dann aber trotzdem, denn auf kurzen und langen Wanderungen kann man die verschiedensten Arches, also die Felsbögen bestaunen. Ganz schön fragil sind die Sandstein-Formationen, immer wieder können Teile der Felsbögen abstürzen, vor allem nach heftigen Regenfällen. Die Wahl eines Lieblings-Arches fällt natürlich schwer, jeder hat so etwas ganz Besonderes, trotzdem ist der Double Arch unser Favorit, vielleicht, weil man die Dimensionen erlebt, wenn man darunter hindurch läuft.

Am nächsten Tag verschlägt es uns nochmals in den Park, nämlich um den Tower Arch auf der Offroadstrecke anzufahren. Leichtgläubig fahren wir nachmittags los und scheitern, bevor wir überhaupt an der Wanderung zum Tower Arch angekommen sind. Zu hoch sind die Stufen hier für uns, das wollen wir so spät nicht mehr riskieren und drehen um. Lieber nehmen wir den regulären Parkplatz und kommen noch genau richtig, um auf dem Wanderweg den Sonnenuntergang und die glühenden Felsen zu sehen. Den Abstieg im Dunkeln nehmen wir dafür gerne in Kauf, immerhin haben wir an die Taschenlampen gedacht. Kurz hinter dem Parkausgang finden wir einen Schlafplatz, sodass wir am nächsten Morgen wieder früh im Park sind. Die Wanderung im Devils Garden treten wir morgens um 7 als erste auf dem Weg (und ohne Frühstück) an. Über die Finnen der Felsen klettern wir, immer den kleinen Steinhaufen hinterher, die den Weg auf dem Fels markieren. Für uns war das die schönste Wanderung im ganzen Park und wir konnten sogar ein gemütliches Frühstück ganz allein am Private Arch einnehmen.

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Fins n Things Trail

Bei besserem Wetter wagen wir uns wieder auf die Piste. Diesmal wollen wir ein Stück vom Fins n Things Trail fahren, der im Jeep Safari Magazin als 4 von 9 eingestuft ist, unsere schwierigste Route. Viel mehr ginge auch nicht ohne modifiziertes Fahrzeug, wegen Bodenfreiheit und den Überhängen. Wir wissen also schon vorher, dass wir hier an unsere Grenzen stoßen werden, deshalb wollen wir auch gar nicht den gesamten Trail, sondern nur einen Teil davon fahren. Zum Glück gibt es regelmäßige Exits, die von dem One-Way Trail zurück auf die Straße führen. Unser ausgesuchtes Stück ist zwar nur 6-7 km lang, hat es aber in sich. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 2 km/h fahren wir den Trail. Bei jedem steilen Stück steigen wir aus, sondieren die Lage und gucken wo wir am besten fahren. Ein Side-by-Side (Quad für vier Personen) überholt uns mit der 10fachen Geschwindigkeit, gut, dass sonst nicht viel los ist, denn wir sind eher langsam unterwegs. Immer wenn wir denken, jetzt kann es nicht schlimmer werden kommt ein neues noch steileres Stück und plötzlich stehen wir vor DEM steilen Stück. Eigentlich hätten wir hier gerne umgedreht, aber wir hatten schon mehr als die Hälfte geschafft und wollten viele der bisherigen Passagen nur ungern nochmal zurückfahren. Vielleicht gibt es doch einen Weg? Also gucken wir uns einen Weg aus, viel passieren kann hier eigentlich nicht, kein Abgrund oder ähnliches ist in der Nähe. Unsere Bedenken sind, dass wir ins Rutschen kommen könnten, aber auch dann würden wir lediglich mit der Stoßstange gegen den Felsen fahren, blöd, aber nicht weiter schlimm (dafür haben wir sie ja schließlich). Till zögert und ich treffe die Entscheidung. Wir fordern also unser Glück heraus, senken den Luftdruck nochmals ab und los geht’s. Die Kamera filmt von unten, Till fährt und ich gucke an den kritischen Stellen, dass wir nicht in Schieflage geraten. Erstaunlich gut und rutschfrei meistern wir den ersten Teil der Passage, dann zum Schluss schieben die 3,5 Tonnen doch nochmal stark und wir machen einen Satz auf das Vorderrad das unter dem Gewicht ganz schön einsinkt. Schweißgebadet fiebern wir nach diesem Abschnitt dem Exit entgegen. Es kommen tatsächlich keine vergleichbaren Passagen mehr und wir fahren nach über 2 Stunden dem Asphalt entgegen.

Genug vom Offroad haben wir noch nicht und der berühmte White Rim Trail im Canyonlands Park würde uns reizen. Allerdings sollte man sich für die 100 Meilen zwei Tage Zeit nehmen und zwar zwei Tage im Trockenen. Als wir den Permit kaufen wollen, rät man uns von dem Trail ab, vom Regen sei alles noch zu nass und damit schwer zu befahren. Da müssen uns wohl etwas anderes suchen.

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Offroad in Moab – Teil I

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Abende im Schulbus

Normalerweise sind wir abends immer alleine, Weggefährten haben wir seit Oktober nicht mehr gesehen, den Winter scheinen die meisten Reisenden lieber im Warmen zu verbringen. Umso mehr freuen wir uns, Thomas und Martina kennengelernt zu haben. Die beiden Deutschen wohnen schon lange in Oregon und sind gerade vor den Schneemassen geflüchtet, um einige Wochen in der Gegend zu Klettern und zu Mountainbiken. Zu erzählen gibt es mehr als genug und wir genießen die Abende zur Abwechslung in netter und vor allem interessanter Gesellschaft. Ihr beiden, schön, dass sich unsere Wege gekreuzt haben! Ich durfte sogar mal auf den Fahrersitz und war kurzzeitig eine echte Busfahrerin. Auch Till hat sich verliebt, allerdings nicht in die frischgebackene Busfahrerin, sondern in den charismatischen Schulbus. Bereits werden erste Ausbauideen geschmiedet, aber so einfach ist es nicht. Der Traum vom Schulbus wird sich in Deutschland ganz sicher nicht erfüllen, denn niemals würde er die nötigen Bedingungen erfüllen. Trotz aller Vorurteile gegen die USA, manche Dinge sind hier eben deutlich besser und einfacher.

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Spring Canyon und Secret Spire

Einmal noch wollen wir ins Gelände. Dafür suchen wir uns nördlich von Moab den Secret Spire Trail aus, der im Jeep Safari Magazin als scenic und familienfreundlich beschrieben wird. Nicht das Offroadfahren, sondern die Landschaft steht hier im Mittelpunkt. Klingt genau nach dem, was wir suchen. Auf dem Weg fahren wir erstmal zum Spring Canyon. Von oben genießen wir kurz die Aussicht, dann geht es bis runter in den Canyon, wo wir ein Stück am Green River entlangfahren. Kakteen am Wegesrand und dunkelrote Felsen begleiten unsere Fahrt. Der Weg wird immer sandiger und schlechter, in einem rutschigen Sandstück mit extremer Schräglage drehen wir schließlich um. Weiter geht es zum eigentlichen Trail – dem Secret Spire. Statt dem allgegenwärtigen Rot sind Felsen und Sand nun wieder weiß. Nach kurzer Zeit erblicken wir auch die Needles, aufragende Felsen in sonst flacher Umgebung am Horizont, hier wollen wir hin. Auf der Sandpiste sind wir zügig unterwegs, dann kommen wieder felsige Passagen, die wir aber mittlerweile schon sicher und zügig meistern. Schließlich stehen wir ca. 500 m unter den Needles. Links geht der offizielle Weg, rechts eine Abkürzung, die wir im Navi finden. Wir entscheiden uns für die Abkürzung. Vor uns eine Felslandschaft ohne erkennbaren Weg. Stück für Stück kämpfen wir uns nach oben, immer wieder müssen wir Steine aus dem Weg räumen und den Weg im Kopf durchplanen. Auf dem letzten Stück erwischen wir dann einen Baum und das Gehäuse vom Blinker schafft es nicht – sonst kommen wir unbeschadet an. Beeindruckt stehen wir vor den Needles – gegen den Fels der sich vor uns erhebt wirken wir winzig. Was wir sehen gefällt uns und wir würden hier gerne die Nacht verbringen, aber es ist so stürmisch, dass wir weiterziehen um eine ruhige Nacht ohne Sturmböen zu haben. Von hier aus führt uns eine seichte Schotterpiste zurück auf Asphalt.

Damit ist unser Verlangen nach Offroad-Pisten erstmal gestillt. Wir sind oft sehr viel weiter gekommen, als wir gedacht hätten. Mehr als einmal waren wir aber auch vernünftig und haben umgedreht. Bestimmt wäre das Auto auch noch vieles andere gefahren, aber ohne Backup wollen wir das nicht wagen, immerhin ist es gleichzeitig unser zu Hause. Immer schwieriger wurden unsere Trails und was uns am Anfang schwierig vorkam, war es am Ende nicht mehr. Nach und nach haben wir so die Grenzen der für uns fahrbaren Routen und unsere persönliche Grenze abgesteckt. Festgehalten haben wir das Ganze diesmal auch in bewegter Form und haben zwei Videos erstellt – viel Spaß damit. Vieles davon wirkt übrigens deutlich beängstigender, wenn man tatsächlich im schwankenden, quietschenden Auto sitzt (deswegen bin ich gerne ausgestiegen um zu filmen…).

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Offroad in Moab – Teil II

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Corona Arch

Nach einem letzten Abend in guter Gesellschaft heißt es schließlich Abschied nehmen. Frisch geduscht wandern wir noch den schönen Weg zum Corona Arch, dann fahren wir weiter Richtung New Mexico auf der Suche nach Felspalästen, Pueblos und alten Siedlungen…

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Reisezeit bis 17.02.17 – 24.2.17

2 Antworten auf “USA IV – Offroadparadies Utah”

  1. Hallo Ihr Beiden Weltenbummler!
    Auch diesmal sind wir von Eurem Bericht wieder total fasziniert.
    Die Videos der Offroadstrecken erinnern uns sehr an unsere eigenen Erlebnisse in Namibia und Südafrika, bei denen wir aber natürlich nur Mitfahrer sein durften, aber bei vielen Passagen nicht aus dem Staunen heraus kamen – was man mit einem entsprechenden PKW noch so alles bewältigen kann., ist für den mitteleuropäischen Normalo absolut unvorstellbar. Als Eltern tut es uns gut zu wissen, dass Ihr bei allem Erlebnishunger Vorsicht walten lasst und bereit seid, gegebenenfalls auch eine Tour abzubrechen, statt sie unter allen Umständen zu Ende zu bringen.
    Natürlich sind auch Eure Fotos wieder einmalige Dokumente, die es uns ermöglichen, ein ganz klein bisschen dabei zu sein. Es ist schon unglaublich, über welch wundervolle landschaftliche Schönheit der Westen der USA verfügt – ich fühle mich ganz und gar in die Karl May Geschichten meiner Jugend versetzt und bin schon ganz gespannt, ob wir in unserer gemeinsamen Zeit wenigstens einen ganz kleinen Ausschnitt davon mit Euch erleben dürfen – Ihr solltet ja mittlerweile perfekte Führer sein.
    Wir wissen ja, dass es sogar noch eine Steigerung gibt, die “Welle”, in der Ihr abtauchen durftet – hoffentlich bleibt für uns auch noch etwas übrig.
    Wir sind sehr gespannt auf Eure weiteren Berichte und wünschen Euch alles Liebe und Gute und weiterhin viel Glück und Erfolg
    Mapa

    1. Katrin & Till 14. März 2017 bei 02:57

      Hallo ihr Lieben,
      wir freuen uns sehr, dass wir euch eine kleine Zeitreise zurück nach Afrika schicken konnten. Dort sind solche Offroad-Erlebnisse sicher auch auf normalen Straßen an der Tagesordnung.
      Ganz sicher werdet auch ihr in den Genuss der Naturschönheiten in den West-USA kommen. Natürlich haben wir uns exklusiv für unseren Besuch viele Parks “aufgehoben”, um sie mit euch zusammen zu entdecken. Manche Orte haben uns aber auch so gut gefallen, dass wir sie gerne nochmals besuchen und sogar unsere Geheimtipps verraten! Der Besuch der “Welle” war tatsächlich nochmal ein ganz besonderes Erlebnis, über das wir uns riesig gefreut haben, bald gibt es mehr dazu…
      Viele Grüße aus Las Vegas,
      Till und Katrin

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