USA V – Felspaläste, Pueblos und Geburtstagskuchen in New Mexico

Obwohl es in Moab noch so viel mehr zu entdecken gibt, beschließen wir erstmal Richtung Süden nach New Mexico aufzubrechen. Zum einen kündigt die Wettervorhersage einen Temperatursturz an, zum anderen weil wir hier bald auch noch mit unserem Besuch herfahren möchten und uns einige der Parks „aufsparen“ wollen. Wir verlassen Moab und folgen einem Tipp den wir bekommen haben nach Monticello. Vom Ende der South Creek Road soll man einen wunderbaren Rundumblick haben. Blöd nur, dass die Straße nach 10 Minuten mit Schneeverwehungen bedeckt ist. Darauf haben wir wenig Lust, zumal die Sicht bei diesigem Wetter ohnehin nicht die beste ist. Wenigstens finden wir etwas weiter unten einen tollen Schlafplatz, die Fahrt war also nicht ganz umsonst.

Eine Reiseroute für die kommenden Tage durch New Mexico und die Umgebung ist schnell erstellt. Der Staat lockt uns und zahlreiche Touristen mit außergewöhnlicher Adobe-Architektur in den Städten und alten Indianerdörfern und Felspalästen auf dem Land an. Wir sind gespannt, ob wir hier die lang ersehnte Kultur finden werden.

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Felspaläste auf dem Hochplateau

Das erste Ziel ist der Mesa Verde Nationalpark in Colorado, der einzige seiner Art, der archäologische Stätten bewahren soll. Im Park sind einige Teile schneebedingt geschlossen, die Hauptroute können wir aber fahren. Im Museum erfahren wir, dass die Vorfahren der Pueblo-Indianer von 600 bis 1300 auf dem Hochplateau gelebt haben. Ihre ursprünglichsten Siedlungen (ca. 600-950) wurden oben auf dem Berg errichtet. Erdhöhlen mit Einstieg durch das Dach, Platz für Vorräte und einer Feuerstelle. Auch zeremonielle, Räume, sogenannte Kivas wurden in jeder Dorfgemeinde gefunden. Auf dem Plateau konnte Mais, Kürbis und Bohnen angebaut werden, auch Truthähne wurden gezüchtet und Körbe geflechtet. Erst später (ca. 1200-1300) verlagerte sich der Lebensraum in die Alkoven der Felsen, die als Felspaläste berühmt wurden. Ganze Städte mit über 200 Räumen für mehr als 100 Menschen finden sich hier. Warum das Plateau nach so kurzer Zeit wieder verlassen wurde, ist nicht genau geklärt. Die Nachfahren dieser Indianer leben jedoch noch heute in der Region der Four Corners am Rio Grande.

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Erste Nacht in New Mexiko mit Windeneinsatz

Vom Hochplateau des Mesa Verde fahren wir weiter nach New Mexico und wollen kurz vor Taos in einem Waldstück neben der Straße übernachten. Der Waldweg ist gut befahrbar, bis wir unbedacht im Dunkeln den falschen Abzweig nehmen und kurzerhand in einer zugefrorenen Pfütze festsitzen. Natürlich ist das Eis unter uns zusammengebrochen und die Eisschollen verhindern ein Vor- oder Zurückkommen. Wie praktisch, dass wir ausnahmsweise in einem Wald unterwegs sind, so können wir die Winde auspacken und uns befreien. Klingt einfach und schnell, hat aber trotzdem über eine Stunde gedauert, da erst mit Umlenkrolle genügend Kraft aufgebracht werden konnte, um uns über die Eisscholle zu hieven. Nebenbei hat aus dem Radio mexikanische Mariachi-Musik geplärrt und uns sind bei unter 0° die Finger abgefroren. Tja, das kommt davon, wenn man im Dunkeln zu unbekannten Plätzen unterwegs ist und schnell ankommen will.

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Es gibt ja doch hübsche Städte – Taos

Am nächsten Morgen fahren wir die restlichen Kilometer nach Taos. Unterwegs kommen wir an Häuser in der Earthship Bauweise vorbei, die mit natürlichen oder recycelten Materialien erbaut wurden und völlig autark sind. In New Mexico ist genügend Platz für Projekte aller Art, denn die Bevölkerungsdichte liegt gerade mal bei 6,5 Einwohnern pro km² (Gesamt-USA 33 Einwohner pro km2). In Taos bummeln wir gemütlich durch die Altstadt und verlieren uns in den Gassen mit den hübschen Adobe-Bauten, die aus luftgetrockneten Lehmziegeln gebaut wurden und rundgeformt sind. Was für eine Abwechslung zu den sonst einheitlich (charakterlosen) amerikanischen Städten! In der ganzen Stadt wimmelt es von Galerien und hochpreisigen Bekleidungsgeschäften, wo sich eine Künstlerszene etabliert muss es doch auch gutes Brot geben, oder? In einem kleinen Café werden wir fündig. Eigentlich ist es nur ein winziger Raum, Backstube (mit einer einzigen kleinen Küchenmaschine) und Verkaufsraum in einem, auf den Tischen stehen riesige Gärbottiche. Wieder einmal zeigt sich, welch tolle Konzepte ohne deutsches Regelwerk entstehen können. Wir dürfen jedes Brot probieren, mit unserem Favoriten lassen wir uns gleich ein Sandwich belegen, für die nächsten Tage kaufen wir ein großes Roggenbrot und bekommen noch ein Stück geschenkt.

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Santa Fe und die Gruselnacht bei Walmart

Nachmittags fahren wir weiter in die Hauptstadt Santa Fe. Rund um die Plaza zeigt sich wieder ein einheitliches Bild aus Häusern im Lehmstil, erneut beeindruckt uns die Anzahl der Galerien und auch an Ständen mit Kunsthandwerk gibt es genug zum Gucken, indigene Kunst wird auf dem Boden der Plaza feilgeboten. Die Nacht wollen wir in der Stadt verbringen, um nicht im Dunkeln weiterzufahren, was bietet sich da besser an als Walmart? Auf Anhieb finden wir einen Markt, bei dem wir sogar im Auto eine schnelle Internet-Verbindung haben. Schnell jedoch wird unsere Freude getrübt als wir merken, dass 3 Meter neben uns ein umgedrehter Einkaufswagen als Leiter für allerlei dunkle Gestalten dient, die in dem dahinterliegenden Wohngebiet wohnen und im Minutentakt über die Mauer klettern. Als dann eine Gestalt im Kapuzenpulli direkt vor unserem Auto auch noch ein Feuer anzündet oder irgendwas verbrennt wird das Ganze schon gruselig. Eigentlich würden wir gerne wieder fahren, aber wir haben gerade angefangen zu kochen und der Hunger nagt. Eine halbe Stunde später steht die Polizei vor unserer Tür und sucht nach der Kapuzengestalt von eben. Ein heißes Pflaster ist das hier. Nach einer unruhigen Nacht sind wir froh, als es wieder hell ist und wir weiterziehen können.

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Höhlen-Behausung im Vulkangestein – Bandelier National Monument

Um die Indianersiedlungen nördlich von Santa Fe anzuschauen müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen, der sich mehr als lohnen soll. Bei strömendem Regen und mit wenig Lust fahren wir los, aber die Sonne zeigt sich pünktlich als wir loslaufen. Die ersten Spuren menschlichen Ursprungs reichen über 10.000 Jahre zurück, nicht so die ausgegrabenen Dorfstrukturen. An der rund angelegten Stadt „Tyuonyi“ auf dem Grund des Frijoles Canyon stellen wir uns vor, wie beengend ein Zimmer für eine Familie gewesen sein muss, ohne Fenster mit Einstieg von oben über eine Leiter. Zur gleichen Zeit um 1200-1400 waren auch die Felswohnungen bewohnt. Mit Leitern kann man manche der Höhlen betreten und findet sich in erstaunlich geräumigen, mehrstöckigen Wohnungen wieder. Das weiche Vulkangestein konnte mit härterem Stein leicht bearbeitet werden und so Fußtritte in den Felsen gehauen werden. Besonders beeindruckt hat uns das 250 m lange Long House, ein mehrstöckiges Gebäude, bei denen der Fels mitbenutzt wurde. Überall sind zudem Petroglyphen zu sehen, ein Papagei zeigt, dass ein Handel mit Mexiko stattgefunden hat. Zum Schluss gelangen wir nach einer kleinen Kletterpartie über drei Leitern in eine über 50 m hoch gelegene Felshöhle, auch hier finden sich Überreste einer Siedlung die den Felspalästen von Mesa Verde recht ähnlichsieht. Obwohl es hier nur ein paar Felswände und Steine zu sehen gibt, zieht der Ort uns schnell in seinen Bann. Ob es an dem Alter der Siedlungen liegt? Oder daran, dass man so vieles selbst erkunden kann, ohne Mauern, keine „Anfassen verboten“ und „Achtung Absturzgefahr“ Schildern (die wir in den Staaten mehr als irgendwo sonst erwartet hätten).
Als wir den Park verlassen müssen wir mal wieder einen Pass überwinden und der hat es auch gleich wieder in sich, denn wir landen mitten in einem Schneesturm. Langsam fahren hilft und Übung haben wir ja schon mehr als genug, dann lassen wir den Schnee (endgültig?) hinter uns.

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Albuquerque, Route 66 und Geburtstage

Ein Aufenthalt in der Stadt mit dem komischen Namen Albuquerque wartet auf uns. In der Altstadt findet sich schnell ein Café zum Einkehren. Wie so oft sind die Gerichte hier mexikanisch angehaucht, noch freuen wir uns, denn ein kleiner Vorgeschmack auf Mexiko kann gar nicht schaden. Abends fahren wir über die alte Route 66, die ganze Straße ist eine Baustelle und von der ursprünglichen Route 66 mit leuchtenden Neonschildern ist wenig übrig. Unseren Ehrentag beginnen wir ausnahmsweise auf dem RV Park mit Dusche, dann schlemmen wir uns den ganzen Tag so richtig durch. Wir beginnen im Café Laurel mit Sandwich und Frühstücks-Burrito, mittags veranstalten wir ein Kuchen-Picknick im Park, Linzer-Torte und Himbeer-Sahne-Torte werden serviert. Wir fahren im Osten der Stadt über die Singing Road, bei der richtigen Geschwindigkeit wird „America the beautiful“ gespielt. Abends gehen wir für unsere Verhältnisse schick essen und werden ausnahmsweise mal nicht enttäuscht.

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Die Himmelsstadt – Ácoma Pueblo

Die Pueblo-Indianer leben noch heute in den Gebieten der Four Corners. Wir wollen eines ihrer Dörfer besichtigen und entscheiden uns für das Ácoma Pueblo, die Himmelsstadt, die auf einem Hochplateau errichtet wurde. Bei einer Führung erfahren wir mehr über das Leben im Pueblo. Noch immer gibt es hier oben keinen Strom oder fließendes Wasser, weshalb nur noch 13 Familien dort leben, während die meisten in die Umgebung abgewandert sind. Eine wuchtige Kirche steht im Dorf, ein Relikt aus der Zeit der spanischen Eroberer. Viele der Bewohner fertigen einzigartige Töpferwaren, die im Dorf verkauft werden. Es wird deutlich, wie schwierig die Erhaltung der Kultur und der Sprache ist. Das Kulturzentrum wird ausschließlich von Pueblo-Indianern unterhalten und es gibt Initiativen, damit die Kultur an neue Generationen weitergegeben werden kann.

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Versteinertes Holz – Petrified Forest National Park

Auf dem Weg zurück nach Utah liegt der Petrified Forest National Park. Die bunten Sandsteinformationen sehen aus wie in Drumheller in Kanada und stammen auch aus der gleichen Zeit. Vor 200 Millionen Jahren sah es hier natürlich anders aus, wo sich heute Sandberge auftürmen, war früher ein Waldgebiet. Geeignete Bedingungen haben dafür gesorgt, dass die Bäume durch die Einlagerung von Mineralien versteinert wurden. Von außen sieht es aus wie ganz normales Holz, tatsächlich ist es jedoch hart wie Stein und schimmert in den unterschiedlichsten rot, braun und violetten Farbtönen.

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Nach einer guten Woche in New Mexico und Umgebung sind wir von der Diversität der Staaten überrascht. Es gibt sie doch, die schönen Städte und ein bisschen alte Kultur! Für uns heißt es jetzt weiter bzw. zurückfahren Richtung Utah, denn hier wollen wir unser Glück bei der Wave-Lotterie auf die Probe stellen. Ob wir gewonnen haben erfahrt ihr bald hier…

Reisezeit: 25.02.17 – 04.03.17

2 Antworten auf “USA V – Felspaläste, Pueblos und Geburtstagskuchen in New Mexico”

    1. Katrin & Till 22. März 2017 bei 00:28

      Dankeschön ihr beiden!

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