USA VII – Besuch im Tal des Todes oder wie die Felsen wandern

Der Park ist laut Eigenwerbung der heißeste, trockenste, niedrigste und wildeste Fleck Nordamerikas. Die Rede ist von dem Death Valley Nationalpark in der Mojave-Wüste,

unser erstes Ziel in Kalifornien. Die Temperaturen können hier im Juli schnell auf über 50°C steigen, unvorstellbar, denn Schatten gibt es kaum und auch nachts wird es dann nicht unter 31°C. Uns hingegen kommen die 13-27°C, die hier im März herrschen sehr entgegen. Völlig unbedacht passieren wir die Grenze in den Golden State und lesen einige Tage später zufällig, dass Obst und Gemüse aus anderen Staaten nicht eingeführt werden dürfen. Ups, da hätten wir bei einer Kontrolle aber blöd geguckt.

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Dunkle Stollen, gelbe Blumen

Von Las Vegas kommen wir von Osten in den Park und halten als erstes bei dem Zabriskie Point, einem der bekanntesten Aussichtspunkte. Karg ist die Landschaft auf den ersten Blick, aber bei all den Superlativen auch sehr reizvoll. Im Besucherzentrum wollen wir schnell eine Karte besorgen und haben das Glück an eine geschwätzige Dame zu geraten. Die ist so begeistert ist, weil wir gleich mehrere Tage im Park verbringen wollen und sogar einen Geländewagen haben und gibt uns allerlei Tipps, wie und wo wir uns abseits der Ströme bewegen können. Eine besondere Regelung erlaubt das freie Campen im Park ganz ohne Permit, wenn man mehr als eine Meile von asphaltierten Straßen und Minen sein Lager aufschlägt. Da Fahren abseits der Wege natürlich verboten ist, sollen wir uns einfach neben die Straße stellen, auf den 4×4 Straßen ist ja ohnehin kein Verkehr. Praktischerweise gibt es eine Karte mit den wenigen „nicht erlaubten“ Punkten. Schon glauben wir uns im Paradies, da setzt die Dame noch eins drauf und bittet uns geradezu querfeldein zu wandern, denn kaputt machen könnten wir hier nichts, alles ist erlaubt. Nur die Titus Canyon Road, die uns wärmstens empfohlen wurde und die wir so gern fahren wollten, ist leider gesperrt.

Nach so einer guten Beratung ziehen wir direkt los zum Echo Canyon, eine Schotterstraße, die zu einer alten Goldmine führt. Neben Gold wurde in dem Gebiet des Death Valley auch Mineralien und Borax für die Seifenproduktion gefördert und per Pferde-Wagen beschwerlich abtransportiert.An der Inyo Mine ist alles Verlassen und Zerfallen, aber man kann herumlaufen und alles angucken, auch die alten Stollen sind offen, nicht mal ein Warnschild ist angebracht. Unsere Neugier lässt uns einige Meter in die Dunkelheit vordringen, dann siegt die Vernunft und wir drehen schnell wieder um. In den Holz-Trümmern sichten wir einen Chuckwalla Leguan, der die Abendsonne genießt. Als wir ihn aufscheuchen flüchtet er und wir sind überrascht, wie schnell das so reglos wirkende Tier hinter dem Berg verschwindet.

Abends treffen wir bei der Mine tatsächlich noch ein anderes Auto und der Mann aus Kalifornien schwärmt uns von dem Superbloom des letzten Jahres 2016 vor. Das ganze Tal war übersät mit Wildblumen wie Desert Gold und hat in allen Farben geleuchtet. Auch wir haben im Internet und dem Park-Prospekt Bilder gesehen und uns schon gefreut, denn März ist die Hauptsaison der Wildblumen. Leider werden wir enttäuscht, denn dieses Jahr blüht kaum etwas. Ein Superbloom kommt tatsächlich nur einmal in 10 Jahren vor, besonders nach einem regenreichen Herbst stehen die Chancen gut. Auch ohne buntes Blütenmeer machen wir es abends im Echo Canyon gemütlich, sofort werden die Stühle aufgebaut, denn die Draußen-Saison ist eröffnet. Ein komisches Gefühl, sich so ausbreiten zu können, eine Freiheit, an die wir gar nicht mehr gewöhnt waren.

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Wandern unter dem Meer

Nach einer warmen und ruhigen Nacht starten wir früh in den nächsten Tag. Mit einer Wanderung zum Golden Canyon beginnen wir unsere Runde, ein riesiges Salzfeld mit spitzen Strukturen bewundern wir am Devil’s Golf Course und dann kommen wir an den tiefsten Punkt der USA. Das Badwater Basin liegt tatsächlich 85,5 Meter unter Meereshöhe und ist durch Austrocknen eines Sees vor 3000 Jahren entstanden. Wir laufen ein ganzes Stück auf der Salzfläche und nicht erst auf dem Rückweg wünsche ich mir einen Sonnenschirm, der besonders bei asiatischen Touristen hoch im Kurs steht. Trotz Wüste ist auch die Tierwelt vertreten und wir besuchen die Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, Fische die an hohe Salzbedingungen angepasst sind und ausschließlich hier vorkommen. Von einem Holzsteg aus kann man beobachten, wie die kleinen Fische hin und her flitzen wie Welpen (puppies) beim Spielen. Kein Wunder, dass die bedrohte Spezies den Namen „Salt Creek Pupfishe“ trägt.

Abgesehen von der Möglichkeit frei neben der Straße zu campen, gibt es auch offizielle Campingplätze. Da diese allerdings ab 10 Uhr morgens belegt sind, fahren wir ein Stück in die Lemoigne Canyon Road. Wir wollen uns an die Regeln halten und erst eine Meile von der Hauptstraße entfernt campieren. Eine Meile auf einer so schlechten Dirt Road kommt uns allerdings ewig vor, durch etliche ausgewaschene Flussbetten müssen wir hindurch, ohne Bodenfreiheit wäre es unmöglich. Dafür finden wir wieder einen ruhigen und ungestörten Platz, ganz ohne neugierige Nachbarn. Von den Mesquite Flat Sand Dunes sind wir etwas enttäuscht, klein und sehr zertrampelt sind sie. Noch weiter laufen wollen wir hier aber auch nicht, deswegen fahren wir schnell weiter und setzen wir unsere Hoffnung auf die großen Eureka Dunes weiter nördlich.

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Beim Ubehebe Crater nutzen wir die angenehme Brise und laufen einmal um den Krater herum. Erstaunlich, aber von jedem Ende sieht er anders aus. Es führt auch ein Weg nach unten, aber auf den Aufstieg hinterher verzichten wir heute ganz gerne. Von hier starten wir auf der Rüttelpiste zum Racetrack Valley. Sind wir auf asphaltierten Straßen oft eine langsame Behinderung für alle, haben wir für Schotterpisten wie diese genau das richtige Auto und können sogar einige Fahrzeuge überholen. Vorbei an der Teekessel-Kreuzung und dann stehen wir vor der sogenannten Rennbahn-Ebene.

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Mysteriös wandernde Felsen

Die fast vollkommen flache Ebene, auch Racetrack Playa genannt, entstand nach Austrocknen eines Sees. Felsen von bis zu 350 kg wandern hier vorzugsweise im Winter und hinterlassen gerade oder geschwungene Spuren in der sonst so glatten Oberfläche. Was der Auslöser für diese mysteriöse Wanderung ist wurde lange gerätselt und erst 2014 gelöst. Dank GPS und Zeitrafferaufnahmen wurde eine Wander-Geschwindigkeit von bis zu 5 Metern pro Minute bestimmt. Allerdings müssen mehrere Faktoren aufeinandertreffen, damit die Felsen wandern. Niedrige Temperaturen, eine sehr dünne Eisschicht, die in der Mittagssonne beginnt zu tauen und Wind sind nötig, um die Steine ins Rollen zu bringen. Wir sind so angetan, dass wir kilometerlang über die Fläche laufen, immer neuen Spuren hinterher, die uns manchmal auch ins Nichts führen. Schnell kommen wir mit anderen Besuchern ins Gespräch und nutzen die Gelegenheit gleich, um uns über den Straßenzustand der Lippincott Road zu informieren, da sie in der Karte mit „nur für erfahrene 4×4 Fahrer“ steht, das kann ja schließlich alles heißen. Sie versichern uns, dass wir keine Probleme haben werden, nur 1-2 technische Sektionen gibt es. Eine schmale, einspurige Straße führt uns mit Blick in den Abgrund den Canyon runter, der Rest ist gut zu bewältigen.

 

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Oase der feinsten Sorte

Gegen Vormittag kommen wir dann in die Oase von Warm Springs. Palmen, warme Pools und freie Campspots laden uns zum Verweilen ein, das tun wir natürlich sofort. Wir sichern uns sogar ein Plätzchen mit minimalem Schatten und haben uns schnell ausgebreitet. Gegen Abend ist es dann kühl genug um sich ein Bad zu gönnen. Sind wir anfangs ungestört, füllt sich der Pool nach und nach – Badebekleidung scheint allerdings unüblich zu sein, wie wir schnell merken. Interessant wird es aber trotzdem. Ausschließlich Amis, die hier schon seit Jahrzehnten Urlaub machen sind hier versammelt, alle scheinen sich über Ecken zu kennen. Es wird geflucht, dass das ehemalige BLM Land jetzt zum Nationalpark erklärt wurde und man nicht mehr ganze 6 Monate, sondern nur noch einen Monat pro Jahr hier verbringen darf. Alle hoffen, dass die Zufahrtsstraße weiterhin nur für Geländewagen befahrbar bleibt, um die wachsende Besucherzahl einzugrenzen. Als wir uns als Deutsche zu erkennen geben wird uns gleich lang und breit erklärt, wie blöd sich die Deutschen im Allgemeinen doch verhalten. Im Juli oder im August bei über 40°C würden sie ins Death Valley fahren und reihenweise ohne Werkzeug mit überhitzten Autos und ohne Wasservorrat liegen bleiben. Und einer Karte auf dem GPS mitten ins Nichts zu folgen, das können auch nur die Deutschen. Auch die Horror-Story der in der Wüste verschwundenen Dresdner Familie bekommen wir erzählt. Sie selbst würden nach Ostern keinen Fuß mehr ins Tal setzen. Tatsächlich müssen wir erstmal einem Pickup aushelfen, der mittags hierher abgeschleppt wurde. Mit einem undichten Tank ist er liegengeblieben, konnte den Tank halbwegs abdichten und pumpt sich bei uns 5 Gallonen Diesel ab, um wenigstens in die nächste Stadt zu kommen. Hier ist man auf gegenseitige Hilfe angewiesenen, nichts Anderes würde funktionieren.

Am nächsten Morgen werden wir von den wilden Eseln geweckt, die genau neben unserem Platz stehen. Eine Stute mit ihrem Fohlen, die putziger nicht hätten sein können. Gerne wären wir einige Tage hiergeblieben, allerdings werden unsere Essens- und Wasservorräte mal wieder knapp, sodass wir weiterziehen müssen, zu schade.

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Und da hüpft das Hottahü

Über den schwierigen Steel Pass wollen wir zurück, um noch die Eureka Dünen zu besuchen. Im Pool haben wir erfahren, dass an einer Stelle ein Absatz mit einem Meter Höhe auf uns wartet. Das sollte doch eigentlich klappen. Die Straße ist erst nur felsig, steigt dann auf Passhöhe an und dann kommen die Absätze beim Runterfahren. Zwei andere Fahrzeuge stehen schon hier und sondieren die Lage. Zu dritt beratschlagen wir ob und wie man am besten fährt, an einer Stelle unterbauen wir vorsorglich, dann fahren wir als erstes und kommen mit leichtem Aufsetzen der Heckstoßstange über die kritischste Stelle, halb so wild.

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Sandkasten-Feeling

Direkt danach werden wir mit dem Blick auf die 250 Meter hohen Eureka Sanddünen belohnt, die sich aus der Wüstenlandschaft erheben. Nach einem schnellen Lunch im Auto wagen wir uns auf die Dünen. Viel schöner und größer als die Mesquite Dunes und außer uns ist niemand hier. Auf dem Kamm laufen wir ein ganzes Stück nach oben und kämpfen gegen das Wegrutschen und den Wind der uns entgegenschlägt. Der Abstieg macht umso mehr Spaß, ein lohnender Anstieg!

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Nach Tagen in der Wüste sind wir reif für die Zivilisation und fahren nach Big Pine, wo wir uns mit Wasser und Lebensmitteln versorgen. Die Nacht verbringen wir bei den Keough Hot Springs, praktisch, denn so können wir den Tag mit einem ausgiebigen Bad im 37°C warmen Wasser beginnen. Ein Nachbarshund wittert seine Chance und beschäftigt uns mit Stöckchen Werfen. Innerlich bereiten wir uns auf unser nächstes Ziel, den Lake Tahoe im Norden Kaliforniens vor, hier liegt immerhin noch Schnee und die Unwetterwarnung kündigt den nächsten Schneesturm an…

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Video von unserem Death Valley Aufenthalt

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Reisezeit: 15.03.17 – 20.03.17

5 Antworten auf “USA VII – Besuch im Tal des Todes oder wie die Felsen wandern”

  1. Martin Martinson 1. April 2017 bei 17:37

    Um Himmels Willen!
    Das habe ich mir gedacht, als ich im Video gesehen habe, wie Til das Auto über die Steine manövriert. Und ich hab’ schon Angst, wenn ich in Darmstadt mit dem Auto mal über den Bordstein mus :)!

    Kleine Anmerkung: Die Steine wandern bis zu 5 Meter pro Minute (0,3 km/h), nicht pro Sekunde (das wären 18 km/h und somit schneller als Katrin und ich damals beim Joggen ^^).

    Danke für den tollen Artikel.
    Euer Martin

    Antworten

    1. Katrin & Till 1. April 2017 bei 17:48

      Danke lieber Martin für deinen Kommentar!
      Du hast natürlich Recht und es sind 5 Meter pro Minute, was trotzdem schnell ist wie ich finde 😉

      Ja, der Absatz war hoch und gemein und für uns an der Grenze des Möglichen!!

      Viele Grüße, Katrin

      Antworten

  2. Typisch Martin ;-)….er findet in einem wunderbaren Artikel den einzigen Fehler 😉
    Ps. ich hätte auch einen Herzinfarkt bekommen 😉

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  3. Unglaublich tolle Bilder von eurem einzigartigem Abenteuer 🙂
    *:)

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    1. Katrin & Till 12. April 2017 bei 22:55

      Dankeschön für deinen Kommentar und vor allem das Mitdabeisein auf unserer Reise!!

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