Fahrzeug Verschiffung im Container: Kolumbien – Deutschland

Fahrzeug Verschiffung im Container: Kolumbien – Deutschland

Nachdem wir knapp 2,5 Jahre in Nord-, Mittel- und Südamerika unterwegs waren ist es im November 2018 Zeit für die dritte und letzte Verschiffung unserer Reise durch Amerika, nämlich von Kolumbien zurück nach Deutschland.

Nachdem wir bereits zwei Verschiffungen (Deutschland-Kanada, RoRo und Panama-Kolumbien, Container) hinter uns haben, sollte doch auch die finale Rückverschiffung nach Deutschland kein Problem mehr sein, oder?

Da die Verschiffung von Kolumbien nach Deutschland eine selten gewählte Verbindung ist, mussten wir einige Stunden in die Recherche investieren und wollen hier unsere Erfahrungen mit euch teilen.

Details zu unserer Container Verschiffung auf einen Blick

Wann?
November 2018

Route – Woher & Wohin?
Kolumbien (Cartagena) nach Deutschland (Hamburg)

Wie?
Fahrzeug Verschiffung im Container (40 Fuß High Cube Container).
Wichtig war uns, das wir das Auto selbst in den Container fahren können und es nicht mehrere Tage unbeaufsichtigt im Hafen steht (weder in Kolumbien noch in Deutschland)

Container-Verschiffung als beste Wahl

Der Land Cruiser passt problemlos in einen 20 Fuß Container. Allerdings kann man Kosten sparen, wenn man einen “Containerpartner” findet und gemeinsam in einem 40 Fuß Container verschifft. Laut unseren eingeholten Angeboten ist der 40 Fuß Container ca. 30% teurer ist als ein 20 Fuß Container, dafür kann man sich die Kosten teilen, was es für beide Parteien letztlich günstiger macht. Durch die geteilten Kosten kommt dann mit Container auf ungefähr den gleichen Preis, den man für eine RoRo-Verschiffung zahlen würde. Diese Art der Verschiffung haben wir von Hamburg nach Halifax gewählt. Man stellt das Auto im Hafen ab und übergibt die Schlüssel, sodass das Auto zunächst alleine im Hafen steht, von fremden Leuten aufs Schiff gefahren wird und das gleiche Spiel im Ankunftshafen. Da der Land Cruiser problemlos in einen Container passt, war eine Container-Verschiffung auf dieser Strecke für uns die beste Wahl um unnötiges Diebstahl-Risiko zu vermeiden. Außerdem konnten wir uns das Anbringen einer Trennwand zwischen Fahrerraum und Wohnraum damit sparen, denn das Auto ist sicher im Container abgesperrt.

Möglicher Nachteil bei der Container-Verschiffung: man muss einen Partner ausfindig machen (Facebook Gruppen sind sehr nützlich) und sich unter Umständen absprechen bezüglich Termine etc., was bei uns aber problemlos geklappt hat.

Spedition, Seefracht & Co

Zur Verschiffung haben wir zum einen eine Spedition bzw. Agenten in Cartagena und zum anderen eine Spedition im Zielhafen Hamburg beauftragt. Ein Komplettangebot (über einen sehr netten und zuvorkommenden Agenten) haben wir auch bekommen, was mit 5950 EUR aber in keinster Weise akzeptabel war. Angebote einholen und vergleichen lohnt sich!

Beim Einholen der Angebote sollte man unbedingt beachten, welche Gebühren aufgeführt sind, also ob es sich um ein All-In oder ein reines Seefracht Angebot handelt. Neben der Seefracht, also der eigentlichen Containergebühr kommen nämlich immer auch noch Hafengebühren hinzu, die je nach Hafen unterschiedlich sind. Auch eine Abfertigungs- und Speditionsgebühr kommen zusätzlich jeweils an Abfahrt- und Zielhafen dazu.

In Hamburg kamen neben der Abfertigung außerdem die Transportgebühren vom Hafen zum Speditionsgelände dazu. Der Container wurde per LKW auf ein Gelände außerhalb transportiert auf dem er in unserem Beisein geöffnet wurde (da wir nicht in den Hafen durften, muss der Umweg über das Speditionsgelände sein). Ob der Container in Hamburg vom Zoll durchleuchtet wird, wird individuell entschieden. Da unser Container aus Kolumbien kam, wurde natürlich durchleuchtet und wir mussten die Kosten tragen (ca. 100 EUR).

Die Verschiffung setzt sich also aus den unterschiedlichsten Kosten zusammen. Der kolumbianische Teil enthält auch die eigentliche Seefracht, die man wahlweise im Abfahrts- oder Ankuntfsort zahlen kann. In Kolumbien mussten wir Bar vor Ort zahlen. Dafür mussten wir mehrfach zum Geldautomaten, der meist nur ca. 100 EUR pro Abhebung ausspuckt, man sollte also früh anfangen Geld abzuheben…

Unsere Kosten für die Container-Verschiffung Kolumbien-Deutschland, 40 Fuß Container (2 Parteien):

Gesamtkosten: 2169 EUR (unser Anteil)
Kolumbien: 1426 EUR (Zahlung in COP, Landeswährung in Bar vor Ort)
Deutschland: 743 EUR (Zahlung per Überweisung)

Unsere Agenten

Spedition in Cartagena, Kolumbien
Enlace Caribe SAS
Telefon 6446022 (am besten per Whatsapp zu erreichen)
gerencia@enlacecaribe.com

Spedition in Hamburg waren wir bei
ORCA Transport Agency GmbH,
info@orca-transport.de
040-3786950

Ablauf in Kolumbien

Obwohl uns vorher zugesichert wurde, dass jede Woche ein Schiff fährt, sieht die Lage bei der Buchung (ca. 4 Wochen im Voraus) anders aus. So bekommen wir nicht unseren “Wunschtermin”, sondern müssen alles um 10 Tage nach hinten verschieben. Vor allem wenn man Langstreckenflüge von Bogota nach Frankfurt buchen muss sitzt man hier auf heißen Kohlen. Unserer Erfahrung nach sollte man die Flüge mit viel Luft (mindestens 2-3 Tage, eher sogar mehr) zwischen Verschiffung und Abflug einplanen.

Den Vertrag mit dem Agenten bekommen wir praktischerweise per E-Mail zugeschickt, sodass wir in Medellín alles ausdrucken und unterschreiben können. Anschließend lassen wir beim Notar alles beglaubigen. Professionell wird jede einzelne Seite mit digitaler Unterschrift und Foto bedruckt. Beim Notar ist Hochbetrieb und offenbar ist es in Kolumbien üblich alles beglaubigen zu lassen. Wir besorgen uns im Laden nebenan einen Umschlag und schicken dir Dokumente per Expresssendung nach Cartagena zu unserem Agenten. Da wir schon in Cartagena waren, sparen wir uns damit unnötige Tage in der Hitze an der Küste. Natürlich hätten wir die Verträge auch vor Ort machen können, dann hätten wir einige Tage zuvor dort erscheinen müssen.

Papierkram erledigen wir schon vorab in Medellin - beim Notar
Den Papierkram erledigen wir schon vorab in Medellin – beim Notar

In Cartagena mieten wir uns in ein Hotel in Hafennähe (Hotel Casa Isla de Manga), bei dem wir direkt vor der Eingangstür sicher parken können. Wo das Hotel sich befindet ist für die Verschiffung relativ egal, da wir zu jedem Termin vom Agenten abgeholt wurden.

Termin 1: Verladen in den Container

Till fährt das Auto zu einer Lagerhalle von dem Exportunternehmen, was sich relativ weit draußen befindet. Die Fahrzeuge werden hier in den Container verladen, der schon auf dem LKW war; der LKW mit gefülltem Container fährt dann in den Hafen.

Container beladen in Cartagena Kolumbien, außerhalb des Hafens
Den Container beladen wir außerhalb des Hafens von Cartagena in Kolumbien. Fast geschafft – denken wir

Termin 2: Zollkontrolle im Hafen

Wieder wurde Till morgens abgeholt für die Zollkontrolle. Diese findet direkt im Hafen statt, wofür die Fahrzeuge und deren Inhalt wieder ausgeräumt werden. Warum genau wir die Autos dann außerhalb des Hafens einen Tag zuvor beladen hatten, haben wir nicht verstanden. Der Zolltermin wird relativ spontan vergeben und wir waren sehr unentspannt, da wir über den Ablauf in keinster Weise informiert wurden. Als Till dann zur Zollkontrolle im Hafen eingetroffen war, war entgegen der Absprache der Container bereits geöffnet. Unser Auto war zwar verschlossen im Container, aber das Auto vom Containerpartner war ungefragt aus dem Container rausgefahren worden und schon teilweise ausgeräumt. Unser Ärger und Unverständnis war entsprechend groß.

Nun folgte eine intensive Zollinspektion bei der hinter die Türverkleidung geschaut wurde und man theoretisch das ganze Auto hätte ausräumen sollen. Till war schon auf 180 und sich einfach stur gestellt und nur sporadisch die Sachen ausgeräumt. Auch der Container wurde angebohrt und Hunde hätten das Auto durchsuchen sollen (die kamen aber dann doch nicht).

Eigentlich wurde uns versichert, dass der Container nur in unserem Beisein geöffnet wird, was defintiv nicht der Fall war. Passiert ist trotzdem nichts, da das Auto abgeschlossen war und nur während der kurzen Inspektion offen im Hafen stand. Letztlich ist der Ablauf also insgesamt doch recht sicher, aber auch hier sollte man keine Wertsachen im Auto liegen lassen…

Für den deutschen Zoll ist es erforderlich, das Auto unabgeschlossen im Container zu lassen, denn wenn der deutsche Zoll beschließt den Container zu öffnen, dann muss das Auto zugänglich sein.

Kontrolle im Hafen von Cartagena; bevor es los geht muss das Auto wieder raus und alles ausgeladen werden
Kontrolle im Hafen von Cartagena; bevor es los geht muss das Auto wieder raus und alles ausgeladen werden

Zwischen-Fazit Kolumbien

Insgesamt war die Kommunikation mit dem Agenten der Spedition und der Ablauf in Kolumbien leider nicht sehr empfehlenswert. Wir haben keinen zeitlichen Ablauf oder überhaupt Informationen zum Ablauf der Verschiffung bekommen. Bis zum letzten Tag wussten wir deshalb nicht, welche Termine anstehen und wann diese stattfinden sollen. Von der Zollinspektion wussten wir bis zur Container Verladung nichts, auch nicht, dass man hier auf einen Termin warten muss, der zentral vergeben wird. So hat sich alles in die Länge gezogen und Till hat wegen dem verspäteten Zolltermin seinen Flug von Cartagena nach Bogota verpasst.

Gewünscht hätten wir uns einen “Fahrplan” oder zumindest eine Übersicht der Termine die abgearbeitet werden müssen. In dieser Hinsicht sind wir eben doch sehr “deutsch” und hätten es nach über einem Jahr in Lateinamerika eigentlich besser wissen müssen, die Uhren ticken hier nunmal anders. Im Nachhinein betrachtet hätten wir einfach mehr Zeit einplanen müssen und hätten uns nicht auf die wagen Aussagen des Agenten verlassen sollen. Auch das Öffnen des Containers ohne unser Beisein ärgert uns und wirkt unprofessionell.

Ablauf in Deutschland

Der Container wurde im Hafen durchleuchtet und anschließend auf dem Gelände der Spedition in unserem Beisein geöffnet und entladen. Der Zoll kam auch nochmal hierher, was aber oft gar nicht nötig ist bei Reisefahrzeugen. Die Spedition hatte unser Fahrzeug zunächst nicht als Wiedereinfuhr angemeldet, sodass der Zoll nicht wusste das es sich um ein deutsches Auto handelt. Die Kommunikation mit der Spedition war sehr freundlich und vorbildlich, alle Ablauf waren schnell und gut, wir hatten immer einen Ansprechpartner und können die Spedition sehr weiterempfehlen (ORCA Transport Agency GmbH).

Container ausladen in Hamburg, nach Durchleuchten des Containers kommt trotzdem der Zoll vor Ort
Container ausladen in Hamburg, nach Durchleuchten des Containers kommt trotzdem der Zoll vor Ort

Mit abgelaufener TÜV-Plakette ist Till von Hamburg nach Deutschland gefahren. Der kolumbianische Sprit aus dem Zusatztank hat zwar mitten in Hamburgs Umweltzone für eine schwarze Rauchwolke und verärgerte Autofahrer beim Losfahren an der Ampel gesorgt, ansonsten ist das Auto wohlbehalten Anfang Dezember 2018 wieder zu Hause angekommen!

Fazit Rückverschiffung von Südamerika im Container

Da wir Im Norden von Südamerika verschiffen wollten, haben wir uns Kolumbien ausgesucht. Hier kamen wir schon aus Panama an und waren mit der Abwicklung sehr zufrieden.

Nach unserer durchwachsenen Erfahrung in Kolumbien würden wir uns zumindest auch von einem Hafen in Ecuador mal ein Angebot einholen, denn prinzipiell gibt es auch von Ecuador oder Peru Möglichkeiten zu verschiffen.

Auf jeden Fall würden wir allen Verschiffern empfehlen mehr Zeit auf kolumbianischer Seite einplanen und lieber einige Tage Luft nach hinten lassen. Es ist nunmal Kolumbien und es gibt keinen Zeitplan auf den man sich verlassen kann, vor allem das Gemüt der kolumbianischen Küstenbewohner ist anders als im deutschen Geschäftsleben.

Das Fahrzeug würden wir auch beim nächsten Mal wieder im Container verschiffen, auch wenn dieser in unserem Fall kurz ohne uns im Hafen geöffnet wurde, steht das Fahrzeug zumindest nicht mehrere Tage unbeobachtet im Hafen oder auf dem Schiff. Preislich ist es kaum ein Unterschied wenn man den 40 Fuß Container mit zwei Fahrzeugen wählt.

Ende gut, alles gut!

Insgesamt hat alles gut geklappt. Das Auto kam sicher wieder zu Hause an und das ist schließlich die Hauptsache!

Mehr Infos zu unseren anderen Verschiffungen gibt’s hier:

Auch über unsere Darien Gap Verschiffung von Panama nach Kolumbien im Juni 2018 haben wir einen Erfahrungsbericht inklusive Kostenaufstellung geschrieben: Verschiffung übers Darien Gap 2018

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