Rückblick nach 179 Tagen Mexiko

Rückblick nach 179 Tagen Mexiko

Mexiko haben wir als unglaublich vielseitiges Land erlebt, sodass uns in 6 Monaten nicht einen Moment langweilig wurde. Ganz im Gegenteil sogar, denn am Ende zwingt das 180-Tage-Visum uns zu Eile und einer schnellen Ausreise, sonst würdet ihr uns wohl noch immer surfend in Barra de la Cruz finden…

Highlights

Allein 3 Monate haben wir auf der Baja California verbracht. Einsame Strände mehr als man besuchen kann, ideal zum Freicampen und auch unsere ersten Surfversuche machen wir an der wundervollen Scorpion Bay. Auf dem Festland ist unser Besuch in der Kupferschlucht das absolute Highlight, viel Planung und Ungewissheit gingen dem Reise-Abschnitt voraus, belohnt wurden wir mit einer Fahrt durch tiefe Schluchten und Begegnungen mit den einzigartigen Tarahumara-Indianern. Auch die Fahrt durch das traditionelle Chiapas mit einer sehr präsenten Maya-Kultur war eine besondere Erfahrung und nicht zuletzt kommen auf der Yucatan-Halbinsel richtige Urlaubsgefühle auf.

Folgend gibt es eine kleine Zusammenstellung über die Themen, die uns auf Reisen beschäftigen und vielleicht auch für die einen oder anderen wichtigen Infos enthalten (alphabetisch sortiert). Zurzeit entspricht 1 EUR ca. 23 MXN.

Bargeld/ATM und Bezahlen

Geldautomaten (cajeros automaticos) finden sich in fast jeder Stadt. Bei der HSBC ist es am günstigsten, denn hier fallen nur 32 MXN (1,4 EUR) Gebühr pro Transaktion an. Zahlen mit Kreditkarte ist zwar praktisch, aber nach unserem ersten Tankversuch mit unserer Visa-Karte haben wir prompt fremde Abbuchungen auf der Karte gehabt und mussten sie umgehend sperren lassen. Seitdem zahlen wir ausschließlich alles bar und kontrollieren sehr regelmäßig die Kreditkarten-Abrechnung.

Camping

Gut ausgestatte Campingplätze sind Mangelware. Auf der Baja haben wir meistens frei gecampt, auf dem Festland haben wir manchmal bei Campingplätzen übernachtet, oft bei Restaurants gefragt, aber auch bewachte Parkplätze sind eine Option. Oft muss man hier aber einige abklappern bis der Besitzer einwilligt (oder iOverlander befragen). Auch ausgewiesene Campingplätze sind keine Garantie für heiße Duschen, Toilettenpapier oder gar eine Toilettenbrille, auch die Sauberkeit lässt oft zu wünschen übrig. Dafür haben wir insgesamt nur 66 Nächte von 179 etwas zahlen müssen (37%), Kostenpunkt 4,20 EUR/Tag und 8% der Gesamtsumme haben wir für Schlafplätze in Mexiko ausgegeben.

Ein- und Ausreise

Wir sind in Tecate, Baja California eingereist. Eine Ausreise auf Seite der USA gibt es zwar nicht, dafür ist die Einreise an dieser kleinen Grenze schnell und gemütlich. Das Auto geht problemlos als Wohnmobil durch und bekommt eine 10-Jahreserlaubnis, wodurch auch die Kaution wegfällt. Eine Haftpflicht hatten wir online bei Lewis und Lewis abgeschlossen (130 EUR für 6 Monate).
Ausgereist sind wir in Chetumal. Man muss unbedingt seine Touristenkarte abgeben, die man bei der Einreise bekommen hat. Kann man diese nicht vorweisen, oder war zwischendurch in Deutschland muss man erneut die Gebühr von 500 MXN (22 EUR) zahlen. Das Auto haben wir nicht austragen lassen, weil es 10 Jahre bleiben darf und wir ja vielleicht nochmal durch Mexiko kommen werden.

Von Belize konnten wir ebenfalls in Chetumal wieder problemlos einreisen. Uns hat das kostenfreie 7-Tages-Visum ausgereicht, aber auch ein erneutes 180-Tage-Visum sollte kein Problem sein.

Nähere Infos zu den Grenzübergängen haben andere schon gut und ausführlich beschrieben, wir gucken immer hier: Viva-Panamericana.ch

Einkaufen

Die Versorgung mit Lebensmitteln ist gut. In großen Städten gibt es Walmart und Home Depot, auch andere Supermärkte wie Bodega Aurrera (gehört zu Walmart und hat ein ähnliches Sortiment), La Comer (hier findet man auch mal leckeren Käse) und Chedraui (unser Liebling, gibt es aber erst in Yucatan und Quintana Roo soweit ich weiß) sind ausreichend vertreten. Für frische Lebensmittel empfehlen sich Märkte, wir haben aber immer die Supermarkt-Preise im Hinterkopf, um ggfs. verhandeln zu können.

Generell ist das Angebot groß und es fehlt uns an Nichts, auch Soja-Milch finden wir in fast jedem Supermarkt, manchmal/selten auch guten Käse. Unser Glücksfund war in Chetumal im Chedraui, bei dem wir abgepacktes Pumpernickel-Brot gefunden haben. Leider gab es nur 4 Packungen und die sind mittlerweile leer, bei Bedarf also schon in Cancun Ausschau halten.

Propan/Butan-Gastkartuschen. Wir haben den MSR pocket rocket Gaskocher und können mit Adapter auch die grünen Propan-Kartuschen von Coleman verwenden, die man bei Walmart oder in Ferreterien bekommt, allerdings teurer als in den USA (ca. 205 MXN, 10 EUR). Stattdessen sind wir auf die Butan-Kartuschen von Truper umgestiegen, die man im Baumarkt findet und die eigentlich zum Schweißen gedacht sind. Diese sind zwar schmaler und stehen schlecht, sind dafür aber günstig. 45 MXN (2,25 EUR) im Home Depot, Chedraui oder Ferreteria. Mit selbstgebasteltem Silikon-Fuß sind wir mit dem System sehr zufrieden.

Ethanol/Spiritus. Ein leidiges Thema. Auf der Baja haben wir den alcohol industrial oder alcohol etilico problemlos in gut sortierten Ferreterien gefunden, auf dem Festland wusste plötzlich niemand mehr wovon wir reden. Manchmal wurden wir in einer Farmacia (Apotheke) fündig, so zum Beispiel in Puerto Escondido, oft hatten sie aber nur den 70%igen Alkohol der uns nichts nutzt. In kleinen unscheinbaren Supermärkten (in Choix und in Creel) wurden wir hingegen fündig. Bei Reduktionen und Angeboten sollte man aufpassen, wir hatten eine Charge, die offensichtlich so wenig Alkohol enthielt, dass es nicht einmal gebrannt hat.

Essen im Comedoren und Restaurant

Im Vergleich zu der Restaurant-Situation in den USA empfinden wir Mexiko als kulinarisches Wunderland. Am Straßenrand gibt es Tacos ohne Ende für wenig Geld, auch in den Restaurants ist das Angebot groß und es schmeckt lecker. Unsere erste überraschende Erkenntnis war, dass die mexikanische Küche überhaupt nicht scharf ist. Gar nicht. Natürlich gibt es Chilis ohne Ende, aber die scharfe Salsa wird immer extra serviert und ist optional. Auch wenn es generell immer die gleichen Zutaten sind: Reis, Bohnen, Mais, Limetten, Tortillas, Avocado, Tomaten, schmecken wir bald sehr genau die Unterschiede zwischen Burritos, Tacos, Quesadillas und Enchiladas. Die Tortillas gibt es mal aus Weizen, traditionell meistens aber aus Mais (weiß, gelb oder schwarz). Zur Abwechslung schmecken uns Tortas, also belegte Brötchen oder gegrillte Maiskolben vom Straßenrand, die hier Elote heißen. Beliebt sind auch Tamales, süß oder herzhaft gefüllte Maisblätter, die ebenfalls oft vom Straßenrand als Snack verkauft werden. Die Küche ist fleischlastig und egal wie die Tacos heißen, Fleisch ist eigentlich immer drin, Carne Asada (gegrilltes Fleisch) ist der Klassiker vom Straßenrand. Ich probiere hin und wieder mein Glück mit einer vegetarischen Bestellung, werde oft komisch angeschaut, aber bekomme meistens was ich möchte. An der Küste gibt es frischen Fisch und Meeresfrüchte in allen Varianten. Auf der Baja haben wir außerdem Ceviche (roher Fisch in Limettensaft) kennen und lieben gelernt. In Mexiko-Stadt war es die Pozole, eine Suppe mit dicken Maiskörnern, die wir standardmäßig bestellt haben. Das große Angebot und die günstigen Preise haben uns oft außer Haus essen lassen und nach 6 Monaten freuen wir uns immer noch, wenn wir im Rest Mittelamerikas einen mexikanischen Taco-Stand entdecken. Auch Guacamole ist fester Bestandteil unserer Ernährung geworden.

Zu Trinken haben wir uns schnell an die Aguas gewöhnt. Es ist Wasser mit Geschmack von Tamarinde (bräunlich und süß), Jamaica (wie Früchtetee) oder Horchata (eine Art Reismilch).
Verträglichkeit. Wir haben uns durch Märkte und Comedore gegessen und hatten innerhalb der 6 Monate lediglich einmal (Till) bzw. zweimal (Katrin) leichten Durchfall. Soweit wir das im Nachhinein beurteilen können übrigens nie von Eis oder dem rohen Fisch (Ceviche).

Handy + Internet

Wir hatten eine Sim-Karte von Telcel und haben für 1 GB Datenvolumen 125 bis 150 MXN (5,4 – 6,5 EUR) gezahlt, je nach Paket bzw. Menge die man aufgeladen hat. Die Abdeckung auf der Baja war eher bescheiden, auf dem Festland deutlich besser.
Wlan gab es oft bei Restaurants und Einkaufszentren und war durchaus in Ordnung.

Hoy no circular – Fahrverbot in Mexiko-Stadt und -Staat

Falls man plant nach Mexiko-Stadt zu fahren sollte man sich unbedingt an das Fahrverbot für ausländische Fahrzeuge halten. Abhängig von der Endziffer des Nummernschilds, darf man einen Tag pro Woche nicht fahren, auch samstags darf man als ausländisches Fahrzeug nicht auf der Straße unterwegs sein (Wikipedia erklärt es auf Spanisch). Eine Ausnahmegenehmigung ist der pase turistico, den man online beantragen kann, wenn das Auto neuer als Baujahr 2001 ist. Man kann ihn nur für zwei Wochen im Jahr beantragen und er muss ausgedruckt an der Scheibe kleben. Natürlich wurden wir direkt erwischt und unsere nicht-ausgedruckte Ausnahmegenehmigung war ungültig. Die Strafe bei Missachtung des Fahrverbots ist hoch (4000 MXN), in dieser Situation waren wir froh über die mexikanische Polizei und einen unkomplizierten Ausweg.

Menschen

Die allermeisten Menschen die wir getroffen haben waren sehr nett und vor allem hilfsbereit. Ins Gespräch zu kommen war manchmal etwas schwierig, da die Mexikaner einen meistens nicht direkt ansprechen. Wenn ein Gespräch zustande kommt, und man etwas Spanisch mitbringt, ist es meistens zur Freude beider Seiten. Am besten sollte man gleich am Anfang des Gesprächs klarmachen, dass man kein Gringo (Ami) ist und auch nichts mit den USA zu tun hat.

Preise

Mexiko ist bisher das günstigste Reiseland. Lebensmittel sind sehr günstig und auch Weggehen kann man sich hier problemlos leisten. Für 5-10 EUR pro Mittag werden zwei Leute richtig satt. Der Tagesschnitt liegt für uns bei 50 EUR/Tag, darin sind aber allein 14% unserer Anschaffungen wie zwei Surfbretter und neue Reifen inbegriffen, auch Katrins Heimflug und die Unterkunft im Airbnb in Mexiko-Stadt sind inbegriffen.

Verhandeln. Preise sind hier nicht in Stein gemeißelt. Meistens kann man da noch etwas verhandeln. Auf Märkten, bei Campingplätzen, eigentlich überall. Oft muss man nicht mal wirklich verhandeln, sondern einfach nach einem Rabatt fragen und nett lächeln. Eine Frau vorzuschicken kann sicher bei männlichen Besitzern Vorteile haben 😉

Sicherheit

Natürlich hatten auch wir vor dem Grenzübertritt nach Mexiko ein paar Bedenken. Man hört ja schließlich die schlimmsten Geschichten von Überfällen, Morden und korrupten Polizisten. Wie die meisten Reisenden haben wir davon allerdings nichts mitbekommen, wir hatten in den 6 Monaten keinerlei Probleme. Natürlich waren wir vorsichtiger als in Nordamerika und haben, wenn möglich in Städten immer auf bewachten Parkplätzen geparkt, nichts offen im Auto herumliegen lassen und nur das Nötigste mit in die Stadt genommen. Auch die Reisepässe sind gut im Auto versteckt und werden nur noch an der Grenze hervorgekramt. Zur Sicherheit haben wir relativ griffbereit einige Dollars liegen, die man im Falle eines Falles rausrücken kann. Frei campiert haben auf der Baja fast immer, auf dem Festland nur in Ausnahmen.
Generell sind wir nicht mehr nachts oder im Dunkeln gefahren. Zum einen sieht man die Umgebung nicht, zum anderen können Schlaglöcher, Kühe oder andere Fahrer erst sehr spät gesehen werden. Bis auf wenige Ausnahmen mussten wir diese Regel auch nicht brechen.

Sprache

Man kann sich bestimmt auch mit Händen und Füßen verständigen. Wir haben es allerdings sehr genossen auch mal ein paar Gespräche zu führen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Auf Englischkenntnisse kann man in den seltensten Fällen hoffen.

Straßen und Verkehr

Die Straßen sind oft in einem schlechten Zustand. Schlaglöcher und vor allem Topes, also Bodenwellen gehören zu den nervigen Dingen Mexikos. Manchmal kann man die schlechten Straßen umgehen, indem man auf die Mautstraßen ausweicht (cuota), man sollte allerdings genügend Kleingeld bereithalten, denn es kann teuer werden. Auf dem Weg aus den Bergen von Durango nach Mazatlan an die Küste haben wir über 500 MXN (22 EUR) gezahlt. Dabei gibt es eigentlich immer eine freie Strecke (libre) nebendran, die eben einfach älter, bergiger und in schlechterem Zustand ist.

Insgesamt waren wir positiv überrascht von dem Verkehr. Manchmal zwar etwas chaotisch, aber auch in Mexiko-Stadt haben wir uns gut zurecht gefunden. Nur auf Fahrbahn-Markierung darf man eben nicht hoffen. Stopp-Schilder werden häufig missachtet, auch überholt wird gerne und überall. Das scheint auch nicht weiter schlimm zu sein, solange man nicht versehentlich gegen eine Einbahnstraße fährt. Von allen Vergehen ist das mit Abstand das Schlimmste und man wird sofort von allen wild gestikulierend auf seinen Fehler hingewiesen. Leider ist uns das ziemlich oft passiert, da die Navigation mit Google oder maps.me in Städten völlig unzuverlässig navigiert.

Tanken/Diesel

Bis 2017 gab es ausschließlich die verstaatlichten Tankstellen PEMEX, seitdem der Markt geöffnet ist werden viele neue Tankstellen gebaut, der Preis ist bisher recht stabil und schwankt kaum (0,72 – 0,76 EUR/L Diesel). Obwohl wir den Eindruck haben, dass der Sprit gute Qualität hat, verwenden wir weiterhin unseren Dieselzusatz Optilube, schaden kann er ja nicht. Auch bei über 4000 m.ü.d.M. fahren wir ohne Probleme langsam und rauchend, aber stetig den Berg hoch.
Außerdem sollte man dem Tankwart immer aufmerksam zuschauen und den Verbrauch im Blick haben, uns wurden einmal 200 MXN (10 EUR) zu viel berechnet.

Wasser

Unsere Befürchtung ab der mexikanischen Grenze von Leitungswasser auf Flaschenwasser umzusteigen hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. In jedem noch so kleinen Dorf gibt es sogenannte Agua purificadoras, in denen die blauen 20 L Behälter befüllt werden. Man gibt seine Kanister ab und bekommt sie sorgfältig ausgespült und gefüllt wieder zurück. Auf dem Festland gibt es oft auch 24 h Fenster, in denen man per Münzeinwurf seine Kanister selbst füllen kann. Die Einheit ist hier Garrafón, also 20 Liter. Der Preis liegt bei ca. 10 MXN/Garrafon (0,5 EUR).

Unsere Statistik

Gefahrene Kilometer: 13.371 km
Durchschnittsverbrauch: 14 L/100 km
Dieselpreis: 16,5 – 17,4 MXN/L (0,72 – 0,76 EUR/L)
Kosten: 50 EUR/Tag (inklusive Anschaffung von 2 Surfbrettern und 4 neuen Reifen, Heimflug, Airbnb in Mexiko-Stadt)
Lebensmittel + Restaurant: 17 EUR/Tag (fast täglich 1x unterwegs im Comedor gegessen)
Übernachtungskosten Gesamt: 4,20 EUR/Tag

Unsere Route

xxx
Falls ihr noch Fragen zum Reisen durch Mexiko habt oder mehr Details braucht, dann lasst es uns einfach wissen!

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