Kolumbien VI – der Süden

Kolumbien VI – der Süden

Im vorerst letzten Teil von Kolumbien werden wir abermals überrascht von der Vielfalt dieses Landes. Erneut wandern wir im Valle de Cocora und trinken auf 3500 Meter den besten Kaffee der Reise. Richtung Ecuador erkunden wir schließlich auch die archäologischen Orte Tierradentro und San Agustín, in denen wir in unterirdische Grabkammern steigen und über 600 beeindruckende Statuen entdecken. Auch nach zwei Monaten Kolumbien (oder vielleicht gerade deswegen?) wird es uns hier nicht langweilig… 

Picknick zum Sonnenuntergang

Nach den Annehmlichkeiten der Großstadt und einer eigenen Wohnung in Medellín sind wir nun froh, wieder im eigenen zu Hause unterwegs zu sein. Die ruhigen Tage sind vorbei und so gut erholt sind wir bereit für neue Abenteuer und damit auch den letzten Teil Kolumbiens – es geht weiter in den Süden!

Zunächst aber kommen wir nirgendwo hin, denn mal wieder werden wir von Kolumbiens Straßen überrascht und kommen deutlich langsamer voran als geplant. Es staut sich auf einspuriger Straße von Baustelle zu Baustelle und wir stehen mehr als das wir fahren. Der Zeitplan ist dahin. Nicht im Dunkeln zu fahren ist nach wie vor eine Sicherheitsmaßnahme, die wir nur in unvermeidbaren Ausnahmen brechen wollen. Deswegen suchen wir uns unterwegs einen vorzeitigen Schlafplatz. Ein Aussichtspunkt ganz oben auf dem Berg, eine ganze Wiese nur für uns. Was für ein Volltreffer! Der Standplatz ist so schön, wie lange nicht mehr. Auf der Bergspitze mit tadelloser Rundumsicht. Spontan packen wir unseren vorbereiteten Kartoffelsalat aus und setzen uns an den besten Platz zum Sonnenuntergang gucken. Herrlich! An diesen Plätzen wird uns wieder deutlich bewusst, was wir in Zentralamerika vermisst haben: die Weite, die Berge, tolle Stellplätze und vor allem kühle Temperaturen. Kolumbien scheint all das zu vereinen und steigt in unserer Rangliste der liebsten Länder immer weiter nach oben.

 

Manizales – warum fliegen Drachen unter der Stromleitung?

In Villa Maria finden wir einen brauchbaren Parkplatz, auf dem wir übernachten können. Man kann eben nicht immer mit Aussicht campen. Von hier aus können wir mit der Gondel in die Stadt Manizales schweben. Die Idee zu gondeln statt mit dem Bus zu fahren gefällt uns immer besser und wir fragen uns, warum nicht auch andere Länder längst auf Seilbahnen zurückgreifen, um den öffentlichen Nahverkehr zu entlasten.

In der Stadt selbst ist einiges los und wir lassen uns mit der Menschenmenge durch das Zentrum und auch an der Kathedrale vorbeitreiben. Die Straßen werden von Polizisten auf Wachtürmen (ungefähr wie die aus Baywatch) bewacht. Irgendwann landen wir zufällig im Stadtteil Chipre. Es scheint besonders bei Einheimischen ein beliebter Ort zu sein, um abends eine Runde spazieren zu gehen, denn neben Imbiss- und Süßkramständen hat sich die ganze Stadt hier versammelt. Lieblingsbeschäftigung in Manizales: Drachensteigen lassen. Wind ist da, Platz eigentlich nicht. Kein Wunder also, dass bereits eine beachtliche Zahl der bunten Flieger schon in Bäumen, Laternen und Stromleitungen hängt. Stören lässt sich davon aber natürlich niemand.

Städte erkunden macht hungrig und wir kehren in einer der Bäckereien, hier Panadería genannt ein. Kaffee und Backwaren aller Art gibt es hier sehr günstig und lecker. Für uns hin und wieder eine nette Abwechslung zum eigentlichen Almuerzo, dem Mittagessen.

 

Rund um Manizales

Im Naturreservat, Recinto del Pensamiento bekommen wir eine Einführung in medizinische Pflanzen und erleben die bunte Welt der Kolibris. Die verschiedensten Arten tummeln sich um die aufgestellten Zuckertränken. Danach werden wir durch den Bonsai-Garten und ins Schmetterlingshaus geführt. Eine nette Runde ganz in der Nähe von Manizales.

Nachmittags tauchen wir dann ein in das heiße Thermalwasser des Tierra Viva Bads. Die beiden Steinpools sind sehr schön angelegt und wir bleiben gleich den ganzen Tag und dürfen nachts hier campen, das ist uns nur allzu recht.

 

Wandern zur Finca La Argentina im Palmental

Diesmal kommen wir vom Norden her nach Salento – beim La Serrana Camping kennen wir uns ja schon aus. Manchmal hat es auch Vorteile, schon zu wissen wo es schön ist. So fahren wir am nächsten Tag erneut nach Cocora, denn die Wanderlust und der Bewegungsdrang machen sich bemerkbar.

Auf der Karte haben wir uns die Finca La Argentina ausgesucht. Die Hütte ist 9 km entfernt was bei angenehm kühlen Temperaturen nach einer ausgedehnten aber sehr gediegenen Wanderung klingt. Der Weg ist tatsächlich sehr schön, nur den enormen Anstieg hatten wir nicht so richtig bedacht. Knapp 2000 Höhenmeter später kommen wir bei der Finca in den Bergen an. Die nette Frau, die hier wohnt ist umringt von ihren Schweinen, der Esel steht hinterm Haus und die Hunde begrüßen uns freudig. Mein Stoßgebet der letzten vier Stunden wurde erhört und wir bekommen hier oben tatsächlich frischen Kaffee. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass diese Tasse völlig übersüßtem Kaffee nach unerwarteter und ausgedehnter Wanderung und dazu noch auf 3500 Meter die beste Tasse Kaffee seit Beginn der Reise ist. Die Temperaturen hier oben sind deutlich kühler und wir wärmen uns mit unseren kurzen Hosen erstmal in der Hütte auf. Das mitgebrachte Lunchpaket mit Reis und Bohnen wird bis auf den letzten Krümel verspachtelt. Diesmal hat sich meine großzügige Essensmitnehmerei also bewehrt und uns den Tag gerettet.

Wir fragen uns, wie die Familie hier oben an ihre Vorräte kommt, denn eine alternative Strecke oder gar Straße hierher gibt es nicht. Lieferung per Hubschrauber schon gar nicht. Auf dem Rückweg wird unsere Frage beantwortet, denn wir sehen eine Pferdekarawane, die sich auf dem steilen und steinigen Untergrund vollbepackt nach oben schiebt. Wahnsinn, wie die Pferde diesen Weg meistern. Für uns geht es dann fast nur noch bergab. Zwar nicht anstrengend, aber nach 4 km zittern die Beine und auch die Knie tun weh. Zum Pause machen fehlt die Zeit, denn bald geht die Sonne unter. In der Dämmerung schaffen wir es aber gerade noch rechtzeitig zurück zum Auto. Völlig platt, aber auch happy. Endlich mal wieder Bewegung und das Cocora-Tal bietet dafür endlose Möglichkeiten.

 

Tatacoa-Wüste

Ein weiterer Fahrtag bringt uns nachmittags in die Wüste. Dieses kleine Gebiet liegt im Regenschatten der Zentral- und Ostkordilleren und die Temperaturen können bis auf unmenschliche 50°C steigen. Nachdem wir uns längst an die kühleren Temperaturen gewöhnt haben befürchten wir das Schlimmste. Deswegen sind wir überrascht, als es abends sogar zu regnen beginnt und der Wind die Temperaturen sogar erträglich macht.

Auf einer Schotterpiste fahren wir durch das Valle de la Constelación. Die bizarre Landschaft im Desierto de Tatacoa erinnert uns durch die ausgehöhlten Felswände und Rinnen fast schon an die Nationalparks der USA. Dazu große Kakteen und diese unglaubliche Weite, ein Ökosystem, wie wir es von der Baja California kennen. Natürlich kann man hier frei campen, denn Platz ist genug und die Straße bzw. der Weg sowieso kaum befahren. Abends sitzen wir lange draußen und als die Wolken weiterziehen beobachten wir den Sternenhimmel, der durch die geringe Lichtverschmutzung und die Nähe zum Äquator ganz anders aussieht als zu Hause. Die Idylle wird lediglich getrübt von den hohen Temperaturen am nächsten Morgen und den zahlreichen Kaktus-Stacheln, die sich in unsere Crocs eingetreten haben.

 

Tierradentro – Unterirdische Gräberkultur

Kultur und Kolumbien? Jawohl, sogar das bietet Kolumbien!

Kolumbien wird zwar meistens nicht mit alten Kulturen in Verbindung gebracht wird, dabei gibt es auch hier archäologische Stätten, die einen Besuch lohnen.

Tierradentro ist die zweitwichtigste archäologische Stätte und wenig besucht, was vor allem an der holprigen Anfahrt über die unbefestigte Straße liegt. Die beschwerliche Anfahrt nehmen wir allerdings gerne in Kauf, denn wir sind neugierig, wie diese unterirdischen Grabstätten in Höhlen wohl aussehen. Über 100 dieser Gräber sollen sich in den Bergen verbergen und die einzigen dieser Art auf dem gesamten Kontinent sein.

Wir freuen uns nach der langen Fahrt schon auf die Erkundung zu Fuß. Leider müssen wir uns gedulden, denn heute ist Dienstag und damit alles geschlossen (es ist immer der erste Dienstag im Monat). Gezwungenermaßen machen wir uns einen gemütlichen Nachmittag im Vorgarten der Hospedaje und machen wenigstens einen kleinen Spaziergang nach San Andrés de Pisimbilá. In dem kleinen Dorf gibt es neben dem ländlichen Leben sogar eine Familie, die uns Käse und Eis direkt aus dem Wohnzimmerfenster verkauft. Ach, wie gerne mögen wir die kolumbianische Einfachheit in manchen Dingen.

Am nächsten Morgen bekommen wir am Museum als erstes unseren „Tierradentro Reisepass“ ausgehändigt, darin kann man jede besuchte Stätte abstempeln lassen. Eine tolle Idee, die bei uns auf große Begeisterung stößt.

Steil bergauf laufen wir zu dem ersten Ausgrabungsort El Tablón, wo es gleich mehrere der unterirdischen Grabstätten zu besichtigen gibt. Über hohe Stufen in Wendeltreppenform kommen wir bis zu 9 Meter unter die Erde. Dann blicken wir in die Höhle, die in das weiche Vulkangestein gehauen wurde. Teilweise sind die Wände mit geometrischen Formen geschmückt, teilweise sind auch Gesichter in die Säulen gehauen. Sicher ist, dass die Höhlen als Grabstätte verwendet wurden, nur von wem und warum ist nicht bekannt. Die Siedler die die Höhlen im 7. bis 9. Jahrhunderts gebaut haben, sind mittlerweile längst verschwunden. Zu Fuß klappern wir noch weitere Fundorte ab, dabei laufen wir durch die Berge und kleine Bergdörfer. Vor den Häusern wird Kaffee getrocknet, der in dieser Region überall wächst. Jede der Fundstelle ist etwas anders, aber die Art der Höhlen ist immer ähnlich. Die letzte Stätte sparen wir uns, denn für nochmal 1000 Meter Anstieg sind wir ausnahmsweise mal zu faul. Auch wenn wir es nicht schaffen, alle Stempel zu sammeln, so fanden wir den Besuch in Tierradentro doch auf jeden Fall sehr interessant und lohnenswert. Solche Höhlen haben wir nämlich bisher noch nie gesehen!

 

Fahrt über die Berge

In Kolumbien gibt es zwei Nord-Süd-Verbindungen, die die Küste im Norden mit Ecuador verbinden. Und immer scheinen wir auf der falschen der beiden Strecken zu sein. Natürlich gibt es Querverbindungsstraßen, diese sind allerdings meist zeitintensiv, da man über die Bergkette fahren muss und viele dieser Nebenstraßen in schlechtem Zustand sind. An vielen Stellen ist der Hang abgestürzt und über weite Teile sind Baustellen, sodass wir nur langsam vorankommen.

Wir suchen uns unterwegs genau den höchsten Punkt der Straße zum Übernachten aus, Kälte natürlich inklusive. Ivan, der hier als einer von zwei Leuten auf Passhöhe wohnt, begrüßt uns mit einer Tasse Agua Panela (Zuckerwasser), dass ausnahmsweise mit Zimt und Anis gewürzt ist und somit fast wie Tee schmeckt. Draußen ist es kalt und windig und er lädt uns ein, im Haus zu bleiben. Allerdings hat das Haus keine Heizung, die einzige Wärmequelle ist der Ofen in der Küche. Zwar läuft dieser auch den ganzen Tag durchgehend, aber gegen locker zusammengenagelte Bretter, durch die der Wind pfeift, hat der Ofen keine Chance. Ivan scheint es nichts auszumachen, zwar läuft auch er in Daunenjacke herum, aber zu frieren scheint er nicht. Wir hingegen schon, deswegen verabschieden wir uns schnellstmöglich und wärmen uns die Füße an der Standheizung wieder auf.

Popayán – heiße Quellen und eine kolumbianische Sauna

In Popayán ist heute die ganze Innenstadt für ein Radrennen gesperrt. Wir kaufen also etwas außerhalb ein und fahren dann direkt weiter zu den Thermalquellen, bei denen wir mit Stefan und Yasmin verabredet sind. Hier buchen wir gleich das „All-Inclusive-Paket“. Im ersten Becken reiben wir uns mit Schlamm ein, den wir dann im eisigen Wasserfall wieder abduschen. Aufwärmen im heißen Pool und dann setzen wir uns in die Sauna. Kolumbianisch einfach und praktisch, wurde dazu einfach eine Plane über den heißen Fluss gespannt, die Wärme sammelt sich darunter und so sitzen wir gemütlich in diesem Dampfbad. Um 5 scheucht uns die Frau dann leider aus dem Wasser. Wir sind etwas überrascht, denn wir hatten uns auf einen gemütlichen Abend im Pool gefreut. Als sich herausstellt, dass wir sowieso hier campen wollen entschuldigt sie sich, denn dann dürfen wir natürlich bleiben solange wir wollen.

 

Die schlechteste Straße Kolumbiens

Um von Popayan zu der archäologischen Stätte San Agustín zu gelangen müssen wir von der Panamericana erneut über das Gebirge. Eigentlich nur ca. 100 km, aber die haben es mal wieder so richtig in sich. Denn von der Strecke sind 40 km unbefestigt und in einem unglaublich schlechten Zustand. Trotz niedrigem Reifendruck werden wir durchgeschüttelt und kommen nur langsam voran. Als wir nachmittags endlich ankommen sind wir bedient für den Tag.

San Agustín – von Statuen und Gräbern

Neben Tierradentro gehört San Agustin zu der wichtigsten archäologischen Stätte Kolumbiens. Zwischen den beiden Flüssen Magdalena und Cauca gelegen war die Region um San Agustin herum vor 5000 Jahren bei Ureinwohnern beliebt. Aus Vulkangestein wurden über 500 verschiedene Skulpturen geschaffen, die man heute besichtigen kann. Dargestellt sind menschenähnliche Figuren mit vielen Elementen aus der Tierwelt. Über die Völker von damals ist wenig bekannt, sie hinterließen keine Schriften und waren längst ausgestorben als die Europäer anrückten.

Auch hier erhalten wir einen Pass, der an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gültig ist. Als wir nochmal nachfragen, zwinkernd uns der Kassierer zu, eigentlich zwei Tage, aber maximal drei seien auch in Ordnung, wir sind ja schließlich in Kolumbien.

Bei Alto de los Ídolos starten wir die Erkundung und sehen auch gleich die größte Skulptur von San Agustín, 7 m ragt sie in den Himmel (eigentlich sind nur 4 m überirdisch, aber wir wollen die Dimension ja nicht schmälern). Bei Nieselregen und aufgeweichtem Boden schlendern wir über das Gelände und rätseln wir bei jeder Statue, was sich wohl dahinter verbirgt. Hier sind die Statuen oft an der Front von Sarkophagen positioniert, als würden sie die Toten bewachen.

Über eine Nebenstraße fahren wir durch endlose Zuckerrohrfelder. An einer Stelle muss sich der brausende Rio Magdalena durch eine 2,2 m enge schmale Felsspalte zwängen, da es immer noch regnet fällt unser Stopp hier sehr kurz aus. Gegen Abend kommen wir dann bei der Hauptstätte San Agustín an. Es schüttet nun in Strömen und wir verlassen den ganzen Abend das Auto nicht. Zu unserer Unterhaltung tragen die anderen Besucher bei, die uns hinter den dunklen Scheiben nicht sehen können und sich gänzlich unbeobachtet fühlen. Während sie also hemmungslos Bilder von und mit dem Auto machen, amüsieren wir uns heimlich und leise.

Beim Hostel in San Agustín gönnen wir uns nach dem erneuten Kulturtag und vielen interessanten Statuen nun einen Pausetag, an dem wir nur die Cafés der Stadt erkunden.

 

Trampolin de la Muerte

Danach fahren wir bis Mocoa. Hier wimmelt es nur so von Militär und Polizei, dass wir schon etwas beunruhigt sind. Zumindest ich fühle mich nicht wohl genug, um irgendwo hinter der Tankstelle frei zu campen. Der Grund für das Aufgebot ist aber ein anderer. Denn hier gab es letztes Jahr enorme Erdrutsche, die viele Häuser zerstört haben. Auch dieses Jahr sorgt der unaufhörliche Regen für Wasserhochstand und wir finden heraus, dass das Militär eine Evakuation vorbereitet, um die Katastrophe des letzten Jahres nicht zu wiederholen.

Bei dem Besitzer unseres Campingplatzes erfragen wir den Zustand der Straße für den nächsten Tag, die aber ohne Probleme befahrbar sein soll. Früh fahren wir also am nächsten Morgen auf das Trampolin de la Muerte, das „Trampolin des Todes“. Wie einige andere Straßen in Südamerika, will auch diese die Gefährlichste von allen zu sein. Tatsächlich schlängelt sich die Straße oft einspurig am Abgrund. Einen Grund zur Sorge sehen wir nicht, denn es gibt genügend Ausweichpunkte bei Gegenverkehr, es gibt kaum Schlaglöcher und längst sind Leitplanken an den kritischen Stellen angebracht worden. Die Aussicht wäre wohl in der Tat schön, allerdings hängt dichter Nebel in den Bergen und es regnet mal wieder unaufhörlich.

Unser Fazit: das Trampolin de la Muerte ist eine ganz normale Straße für alle befahrbar, die sich zwar schön durch die Berge windet, aber mal ehrlich, welche Straße in Kolumbien tut das nicht…?

 

Laguna de la Cocha

Nach knapp 70 km sind wir wieder auf Asphalt und mieten uns für die Nacht beim Restaurant Jardin del Lago ein. Die Besitzerin älteren Alters ist erfreut, dass sich ihr Restaurant als Overlander-Platz etabliert hat und berichtet stolz, dass auch schon der rollende Bus mit deutschen Touristen mehrfach bei ihr eingekehrt ist. Das wir im Restaurant zu Abend essen versteht sich bei Forelle aus dem See natürlich ganz von selbst.

Der glasklare See auf 2700 m ist ein beliebtes Ausflugsziel, bei dem man auch eine Insel besichtigen kann. Da es mal wieder/immer noch regnet und es auf dieser Höhe recht kühl ist, verzichten wir lieber.

 

Mitten auf dem Dorfplatz

Über Pasto fahren bis nach Yacuanquer, und fragen uns weiter bis nach San Felipe durch, zu dem keine Straße in der Karte eingezeichnet ist. Wieder war es ein kleiner Hinweis im Reiseführer, dem wir einfach mal nachgehen. Ein Mann auf dem Dorfplatz gibt uns bereitwillig Auskunft. Das Auto sollen wir aber lieber hier in Yacuanquer stehen lassen, denn in San Felipe wohnen nur „mala gente“, schlechte Leute. Sie würden uns die Reifen zerstechen. Aha. Kurz sind wir verunsichert, beschließen aber dann doch, uns selbst ein Bild zu machen. Schließlich hat jeder Angst vor dem unbekannten Nachbar, das ist in Kolumbien nicht anders als in Europa.

In San Felipe sind wir schnell umringt von allen Frauen aus dem Dorf. Neugierig werden wir ausgefragt, was wir denn hier wollen. Wandern, zur Laguna Telpis. Ja, die Lagune können wir besichtigen, allerdings nur mit einem Führer und erst am nächsten Tag, da es heute schon zu spät ist. Bereitwillig wollen die Frauen uns einen Führer organisieren. Wir beschließen, die Nacht in San Felipe zu verbringen, denn es gefällt uns hier sehr gut. Dann bieten gleich zwei Frauen ihren Hof als Standplatz an. Um keine der beiden Frauen zu enttäuschen, wählen wir einfach die Mitte des Dorfplatzes aus. Zwischen Schule, Kirche und medizinischem Zentrum sind wir sogleich die Attraktion des Ortes. Nach und nach schlendern alle Bewohner rein zufällig bei uns vorbei. Wir halten Schwätzchen, erklären was wir machen und zeigen bereitwillig unser zu Hause vor. Wie so oft können die Leute hier nicht verstehen was wir machen und vor allem warum. Reisen und Urlaub machen, darunter kann sich hier niemand etwas vorstellen.

 

Wandern zur Laguna Telpis

Morgens steht unser Führer Juan pünktlich vorm Auto. Juan ist gerade zu Besuch bei seinen Eltern, denn er arbeitet eigentlich beim Militär an der Küste. In seiner freien Zeit kommt er aber regelmäßig nach Hause. Bauer, wie seine Eltern und die meisten Familien im Dorf wollte er nicht werden, zu schwere Arbeit für zu wenig Geld. Wer die Chance hat aus dem Dorf rauszukommen, der nutzt sie auch. Und das Militär ist für viele eine gute und vielleicht die einzige Möglichkeit.

Der Wanderung führt uns 1,5 Stunden den Berg hoch, rechts und links von uns erahnen wir die Weiden der Landwirte. Dann erreichen wir die offizielle Hütte des Nationalparks Galeras. Wir staunen nicht schlecht, als hier in der Einöde tatsächlich ein Mann aus der Hütte kommt. Er wohnt dauerhaft hier oben, damit sich die Besucher registrieren können und den Eintritt von stolzen 0,60 EUR zu kassieren. Seit einer Woche sind wir die ersten Besucher! Wie sich der Park wohl finanziert?

Auf dem letzten Stück des Weges wird der Weg zu einem Pfad und noch steiler. Nun merken wir auch die dünner werdende Luft auf 3700 m. Auf der Hochebene bläst uns dann auch noch der kalte Wind entgegen. Schnell packen wir die warmen Jacken aus und uns dick ein. Die Lagune sehen wir von einem Aussichtspunkt aus in der Ebene liegen. Die Landschaft ähnelt dem Nationalpark Los Nevados und auch die Pflanzenwelt erinnert uns daran.

Der Weg zurück geht schnell und wir sind mittags schon wieder im Dorf. Herrlich war das Gesamtpaket aus dem Bergdorf und der Wanderung! Auch wenn die Lagune sicher nicht das größte Highlight Kolumbiens ist, so ist es für uns doch mal wieder dieses Gesamtpaket aus dem kleinen Hinweis im Reiseführer, über das Durchfragen, den freundlichen Menschen im Dorf und der 1000-Höhenmeter-Wanderung in netter Begleitung von Juan.

 

Basilika Santuario de Las Lajas

Der vorerst letzte Stopp in Kolumbien ist das Santuario Las Lajas. Kurz vor der Grenze zu Ecuador, bietet sich der Parkplatz der Seilbahn-Station zum campieren an. Bei Wifi von der Gondelstation machen wir es uns früh im Bett gemütlich. Gerade als wir eingelullt sind klopft uns der Wachmann wieder aus dem Bett. Er bittet uns, uns in die hintere Ecke stellen, um den zahlreichen Autos am nächsten Morgen nicht im Weg zu stehen. Wir sind etwas irritiert, da wir ja nur einen Platz von über 100 beanspruchen, haben aber Verständnis, immerhin nächtigen wir hier ja kostenlos. Also raffeln wir wohl oder übel alles wieder zusammen, parken um und gehen leicht genervt ohne Wifi schlafen. Morgens trauen wir dann unseren Augen nicht, denn samstags früh ist der Andrang tatsächlich so groß, dass ganze zwei (!) Autos auf dem Fußballfeld großen Parkplatz stehen. Da hat der Wachmann aber wirklich Glück, dass wir ihm nicht mehr begegnet sind…

Bei dem Spaziergang zur Basilika können wir aber schon wieder lachen über den merkwürdigen Wachmann. Die spektakuläre Basilika thront auf einer steinernen Brücke mitten über einer tiefen Schlucht. Sie ist definitiv hübsch anzusehen, auch wenn man kein allzu großer Kirchenfan ist. Samstags ist hier einiges los und viele der Pilger bringen gleich eine Tafel mit Danksagungen an.

Den vorerst letzten Abend in Kolumbien verbringen wir bei Nässe und Kälte im Auto und kramen für den Grenzübergang am nächsten Tag schon einmal die Reisepässe und die Dollar hervor.

 

Reisezeit: 7.8.18 – 26.8.18

Gefahrene Route Kolumbien VI

GPX-Track: Kolumbien VI

2 Gedanken zu „Kolumbien VI – der Süden

  1. Hallo Katrin und Till
    Dieser Reisebericht und die Bilder sind hervorragend. Ich könnte mir richtig die Konservationen in den Pueblos mit den netten Menschen vorstellen. Fantastisch, ich bin begeistert. Auch kulturell habt ihr viel erlebt.
    Euer Bericht hat bei mir positive Imaginationen ausgelöst.
    Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße
    Eure Ulli

    1. Hallo Ulli,
      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ja, wir haben uns insgesamt in Kolumbien sehr wohl gefühlt, was natürlich auch an den netten Menschen liegt. Die Vielfalt in Kolumbien macht es außerdem zu einem sehr attraktiven Reiseland 😉
      Liebe Grüße,
      Katrin & Till

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