Reisegewicht LandCruiser J7 – schwer, schwerer, am schwersten

Diskussionen über das Fahrzeuggewicht füllen in den bekannten Internetforen oft viele Seiten. Nicht ganz zu unrecht, denn das individuelle Reisegewicht spielt gerade bei Offroad Fahrzeugen eine nicht ganz unwichtige Rolle. Aber was ist zu schwer, was noch akzeptabel und wie lässt sich Gewicht sparen? Hier teile ich meine Erfahrungen zum Reisegewicht vom LandCruiser J7 mit euch…

Daten und aktuelles Reisegewicht von unserem LandCruiser HZJ78

  • Leergewicht (mit vollem Tank): ca. 2300 kg (variiert je nach Version etwas)
  • Maximalgewicht: je nach Land und Zulassung zwischen 3200 und 3500 kg
  • Unser Leergewicht inkl. Ausbauten und 2 Personen (ohne Gepäck, Tanks leer): ca. 3100 kg
  • Unser Leergewicht inkl. allen Ausbauten, reisefertig beladen (inkl. Fahrer, Tanks leer): ca. 3190 kg
  • Unser Reisegewicht: ca. 3450 bis 3650 kg (je nach Lebensmitteln, Tanks und Wasser)
  • Unser Reiseprofil: ursprünglich wurde unser J7 von mir für Kurzreisen geplant. Die Panamericana Tour (2016-2018) war die erste lange Reise und der J7 soll jetzt auf Langzeitreisen optimiert werden. Mit der Reisezeit steigt auch die Erfahrung was sich wirklich bewährt und was gerne zu Hause bleiben darf.

Eines vorweg. Ich kann es ganz und gar nicht leiden wenn Leute sich mit Gewichten gegenseitig unterbieten und dann noch anfangen zu behaupten, jeder der schwerer durch die Gegend fahre als sie selbst, solle sich doch bitte dringend Gedanken um das Einsparen seiner “Kilos” machen. Meist garniert mit sicheren Tipps wie “nimm doch einfach Alufelgen” oder “wer braucht schon eine Kühlbox”. Das individuelle Gewicht hängt von so vielen Faktoren ab, dass eindeutige Empfehlungen zur Einsparung fast unmöglich sind.

Reiseziel & Reisedauer

Das mit Sicherheit entscheidendste Kriterium ist generell das Reiseziel und die Reisedauer. Dass ich auf einem zweiwöchigen Trip in die Sahara mit weniger Gepäck auskomme als auf einer 5-jährigen Reise durch mehrere Kontinente ist eine gern übersehene Tatsache, die meist auch nur denen schlüssig vorkommt, die solch eine Reise schon unternommen haben.

Je mehr Eventualitäten ich einkalkulieren muss und umso mehr Zeit ich mit dem Fahrzeug verbringe umso geringer wird das Einsparpotential. Je nach Abstrichen, die der Einzelne machen möchte.

Muss ich mich aber 20.000 km von zu Hause entfernt auf Reparaturen in Eigenregie, Hitze, Kälte, Schnee, Regen, Sandstürme, Überflutungen usw. vorbereiten sind auch für Minimalisten 5 T-Shirts und eine Sonnenbrille wohl etwas wenig.

Woher kommt denn nun das ganze Gewicht?

Die 50 kg schwarzer Stahl Made by ARB vor der Motorhaube können ja wohl nicht der alleinige Verantwortliche sein, oder?

Erst Mal ist das im Fahrzeugschein ausgewiesene Leergewicht mit Vorsicht zu genießen.

Wenn es zutrifft was dort steht (da hört man auch gern mal gegenteiliges), dann wirklich nur im Neuzustand ohne jede Modifikation. Aber genau solche Modifikationen sind oft schon beim Händler vorgenommen worden oder vom Vorbesitzer. Selbst wenn das Fahrzeug noch sehr original aussieht (Beispiele: schwerere Felgen/Reifen, Anhängerkupplung, Klimaanlage, Sperren usw.).

Ein weiterer Faktor ist die natürliche Gewichtserhöhung mit Anpassung des Fahrzeugs auf Reisebedingungen.

Beispiel Fahrwerk. Die Serienstoßdämpfer unseres Toyota sind schon nach wenigen Kilometern Offroad einfach gerissen. Jetzt fahren wir Tough Dog Dämpfer in der größten verfügbaren Ausführung. Absolut stabil und zuverlässig. In jeder Situation. Aber eben auch gefühlt fünf Mal so schwer wie die Seriendämpfer (tatsächlich ca. 6 kg pro Stück). Das gleiche gilt für die Federn und auch für Felgen und Reifen.

Breitere Reifen brauchen breitere Felgen. Die wiegen mehr. MT-Reifen (von denen ich persönlich sehr überzeugt bin) bieten höhere Ausfallsicherheit, sind aber mit ihren vielen Lagen aus Polyester und Stahl auch deutlich schwerer als gleich große ATs oder gar Standard Straßenreifen.

Gleiches gilt für Batterien, Klappdächer, Solar, Sportgeräte, Tanks uvm.

Hier eine kleine Beschreibung unserer Ausstattung mit dem größten Anteil am Gewicht:

  • Engel-Kühlbox: 21 kg
  • Hecktank 180 l: 57,9 kg (ausgetauscht gegen Alu)
  • Winde ohne Seil: 23,5 kg
  • Heckstoßstange AFN mit Kisten: ca. 50-70 kg (muss nachgewogen werden)
  • Fronstoßstange ARB: ca. 40-50 kg (muss nachgewogen werden)
  • Innenausbau: Sicherlich insg. 100 kg oder mehr. (3 Module aus Aluminium, verstärkt mit Dibond, Siebdruckplatten und Streben, Bambus-Arbeitsplatte, Spüle,  Vollauszüge usw.)
  • Klappdach: Mehrgewicht ca. 100 kg zum original Dach zzgl. Bett/Bettunterbau (40-50 kg)
  • Klimaanlage nachgerüstet (original): ca. 30 kg
  • Verstärktes Fahrwerk: ca. 20-30 kg Mehrgewicht
  • Größere Felgen/Reifen: ca. 30-50 kg Mehrgewicht

Kleine Modifikationen erzeugen oft viele weitere Anpassungen durch die sich das Gewicht wie von selbst erhöht. Bei einigem lässt sich sparen, bei vielem aber nicht.

Und dann gibt es noch die persönlichen Annehmlichkeiten auf Reisen:

Als begeisterter Skiläufer möchte ich auf eine Box mit Skiern und Zubehör nicht verzichten. Warum auch? Die 50-70 kg mehr nehme ich dafür gerne in Kauf.

Arbeite ich nebenbei im Fahrzeug und muss meinen Laptop ständig laden brauche ich eine große Batterie und mehr Solar um sie wieder zu füllen. Die Folge – mehr Gewicht.

So sind quasi alle Langzeitreisenden mit voll ausgebauten Reisefahrzeugen, die wir bis jetzt trafen bei vollen Tanks (Sprit, Wasser usw.) in der Nähe oder über ihrem maximal zugelassenen Gesamtgewicht. Zumindest diejenigen, die schon Mal auf der Waage waren…:)

Eine Ausnahme bilden übrigens teils LKWs, da ihre Zuladung oft so groß ist, dass man sich schon wirklich bemühen müsste sie auszunutzen.

Zusatztank

Ein gerne diskutiertes Thema – der Zusatztank. Ich möchte nicht auf ihn verzichten, da er uns mehr Reichweite, die Möglichkeit verschiedene Kraftstoffqualitäten auszuprobieren und Unabhängigkeit in Bezug auf die Auswahl einer Tankstelle gibt.

Für unsere 2jährige Panamericana Reise von 2016-2018 war der J7 mit einem zusätzlichen 180 Liter Hecktank aus Stahl ausgestattet. Zusatztank generell ja, aber die große Variante war doch für unsere Ansprüche übertrieben. So viel zur aktuellen Erfahrung.

Also fliegt der Hecktank raus und wird gegen einen deutlich kleineren Alutank getauscht.

Der Stahltank wog leer unglaubliche 57,9 kg.

Der Alutank wiegt gerade Mal 13 kg.

Trotzdem wird der neue Alutank vollgetankt das Fahrzeuggewicht um etwas über 100 kg erhöhen. Viel weniger als vorher, aber eben nicht so wenig wie es möglich wäre, würde man ohne Zusatztank fahren.

Stoßstange & Winde

Noch ein klassisches Beispiel für Gewichtsdiskussionen sind Stahlstoßstangen und die Winde. Biede werden gerne als überflüssig eingestuft. In der Realität war die Winde bei uns tatsächlich schon öfter im Einsatz als einem lieb ist und ich möchte beim alleine Offroad fahren auch nicht darauf verzichten.

Die ARB Stoßstange mit Bügeln könnte sicher etwas kleiner sein, bietet aber auch einen gewissen Schutz, der mir wichtig ist. Auch sie war, genau wie die Heckstoßstange schon im Einsatz und hat größere Schäden verhindert.

Winde & Stoßstange – welches Gewicht ist notwendig und was ist Verschwendung? In den USA hat die Winde uns zuverlässig aus einem großen Eisloch gerettet

Viele Reisende kommen ohne beide Utensilien aus und schleppen auch kein oder nur wenig Berge-Equipment mit sich herum.

Wenn man in unwegsamem Gelände mit mehr als einem Fahrzeug unterwegs ist, oder einfach öfters Mal umdreht anstatt die Route “auszuprobieren”, ist das auch völlig in Ordnung. Dafür sind Fahrzeug Reisen ja so individuell.

Mir sind es die 60-70 kg extra wert. Auch wenn das Verhältnis Gewicht:Nutzungshäufigkeit sicherlich eher klein ist.

Wasser

Beim Wasser sparen? Nein danke. Gerade in abgelegenen und heißen Regionen ist es uns das Mehrgewicht wirklich wert. Unsere 6 Raumsparkanister aus Kunststoff halte ich für die optimale Lösung und die insgesamt 72 L sind zentral zwischen beiden Achsen platziert wenig auftragend.

Zusammen mit unserem neuen Brauchwassertank (ca. 25-30 l) außen an der Seite, werden wir 7-9 Tage mit einer Füllung auskommen (inkl. Trinkwasser). Das hat sich bis jetzt als ideal erwiesen. Bei kürzeren Zeiten ist man ständig am Suchen nach Wasser. Bei deutlich höherem Tankvolumen schleppt man viel mit sich herum.

Letzten Endes entscheiden aber auch hier die individuellen Bedürfnisse:
Wird mit dem Wasser auch geduscht?
Wie viel kocht/spült man?
Trinkt man selbst viel Wasser? 

Hier sparen wir nicht am Gewicht

  • Stoßstangen (Funktion und Schutz),
  • Winde und Bergeequipment (Backup für Offroadausflüge)
  • Bett (schlecht Schlafen geht gar nicht)
  • Klappdach (Stehhöhe und Wohnkomfort)
  • Kompressor-Kühlbox (Muss sein)
  • Vollauszüge mit Kisten (Für uns einfach das beste Organisationssystem)

Hier sparen wir am Gewicht

  • Keine Dusche (Ein Schlauch tut’s auch)
  • Kein heißes Wasser (kann man auf dem Kocher warm machen)
  • Zweites Ersatzrad (Ordentliche Reifen, angepasster Druck und ein Reifenkit waren immer mehr als genug)
  • Alu-Zusatztank 105 l (die ursprünglichen 180 l sind einfach zu viel, das braucht man eigentlich nirgendwo mehr)
  • Seitenauspuff (schafft Platz und spart Gewicht)
  • Multiplexplatten ausfräsen, teils durch Alu ersetzen (stabiler als stabil muss nicht sein)

Hier haben wir bisher nicht am Gewicht gespart, wollen es aber nun ändern

  • Alu-Zusatztank 105 l (180 l sind einfach zu viel, das braucht man eigentlich nirgendwo mehr)
  • Seitenauspuff (schafft Platz und spart Gewicht)
  • Multiplexplatten ausfräsen, teils durch Alu ersetzen (Stabiler als stabil muss nicht sein)
  • Alukisten statt Stahlkiste auf der Heckstoßstange (zwar nicht leichter als vorher aber ca. vier Mal so viel Platz)

Hier haben wir bisher am Gewicht gespart und wollen es aber nun ändern

  • Größere Batterie, mehr Solar (am Ende durch den Umstieg auf Lithium Technik ähnliches Gewicht bei doppelter Leistung)
  • Außentank für Brauchwasser (erhöht unsere Reichweite und den Komfort des draußen Wohnens)
  • Toilette (evtl. bauen wir uns eine Trocken-Trenntoilette, momentan noch in Recherche)

Und wie schlimm ist es wirklich voll beladen zu fahren?

Persönlich bin ich der Meinung, dass man auf der Straße mit angepasstem Fahrstil und dem Bewusstsein mit maximaler Beladung unterwegs zu sein generell eher wenig Probleme hat. Modifizierte Bremsen und Fahrwerk vorausgesetzt. Das sind oft Teile, die vom Hersteller nicht für eine maximale Dauerbeladung konstruiert wurden.

Im Gelände, gerade auf Sand oder Schlamm, spürt man aber jedes Kilo. Auch wenn die Motorleistung und größere Reifen einiges kompensieren können, ist Mehrgewicht ein Faktor den man deutlich merkt. Ähnlich wie Böschungswinkel oder Radstand.

Hier spielt übrigens auch die Verteilung des Gewichts eine viel größere Rolle als auf der Straße. Umso höher der Schwerpunkt eines Fahrzeugs liegt umso kippanfälliger und umso “wackliger” wird es im Gelände.

Tanks am Unterboden oder schwere Reifen sind also zumindest hier eher von Vorteil weil sie das Gewicht nach unten verlagern.

Gerade Bergab und bei Schrägfahrten ist mit hohem Gewicht im Gelände Vorsicht angesagt. Das alles sollte einen aber nicht davon abhalten abseits der Straße unterwegs zu sein. Nur eben einfach etwas bedachter als mit einem 1,2 Tonnen Mini-Offroader.

Bitte auch immer auf das Achsgewicht achten. Bei uns ist die Verteilung tatsächlich – warum auch immer – optimal. Die maximalen Achsgewichte findet man in der Bedienungsanleitung und das Verhältnis sollte auch bei leichter Überladung immer das gleiche bleiben.

Und die Quintessenz?

Jeder sollte sich mit dem Thema Gewicht beschäftigen. Das Auto mal nachwiegen und eventuelles Sparpotenzial ausmachen. Sparen macht ja bekanntlich Spaß…)

Sich unrealistische Ziele zu setzen nur um ein paar Kilo einzusparen bringt aber nichts. Jeder hat individuelle Bedürfnisse und die sollte er auch berücksichtigen. Reisen soll schließlich Genuss sein.

Oft erkennt man das Sparpotenzial auch erst nach einiger Zeit auf Reisen. Dinge die selten zum Einsatz kommen oder überdimensioniert wurden sind prädestiniert bei der nächsten Reise zu Hause zu bleiben.

Bei der Sicherheit sollte man aber, gerade voll beladen, keine Abstriche machen. Ordentliche Bremsen und Reifen, ein angepasstes Fahrwerk und vielleicht sogar Verstärkungen des Rahmens (z.B. bei Kabinen) sind sinnvoll. Hier bitte nicht sparen.

Gehört euer Fahrzeug eher zu den Leichtgewichten oder fahrt ihr auch eher dauerhaft überladen? Teilt mir gerne eure Erfahrungen mit.

Schönes Reisen!

Euer Till


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Till & Katrin

Wir, das sind zwei Reisende mit Sinn für abgelegene Orte und am liebsten mit unserem Toyota Land Cruiser “Hottahü” in der Welt unterwegs. Von 2016 – 2018 haben wir unser erstes großes Abenteuer auf und neben der Panamericana erlebt. Zurzeit sind wir in Deutschland und bereiten die nächste große Reise vor.

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