Rostentfernung und Konservierung unseres LandCruisers nach Kauf

Unseren LandCruiser haben wir 2012 aus Erstbesitz in einwandfreiem technischem Zustand und ohne Modifizierung gekauft. Bevor es mit dem eigentlichen Fahrzeugausbau losgeht, widme ich mich der Rostentfernung und Konservierung. Zwar ist das Sandstrahlen viel Arbeit und Dreck, erspart uns aber viel Arbeit in Zukunft.

2012 ist es endlich soweit. Nach Monaten der Suche und vielen Besichtigungen finden wir endlich unseren Landcruiser. Unser Hottahue.

Erst Jahre später wird mir klar was für ein Glück wir hatten mit unserem Auto und wir sind immer noch froh unser Hottahue damals gekauft zu haben. Ein HZJ78 aus Erstbesitz mit nur 112.000km in einwandfreiem technischen Zustand, dass zudem noch nie im Gelände bewegt wurde, wird heute eigentlich gar nicht mehr angeboten auf dem Gebrauchtmarkt. Und wenn doch, dann zu Preisen die fernab von dem liegen was mir damals schon teuer vorkam.

Flugrost am Unterboden – noch kein Problem

Schon bei der Besichtigung sehe ich den Flugrost am Unterboden, weiß aber auch, dass das kein Problem darstellt. Das Auto wurde damals 2001 eben nur innen leicht konserviert aber der Rahmen und der Unterboden waren weiterhin original, also unbehandelt.

Bei einem LandCruiser der auf Mitteleuropäischen Straßen bewegt wird, führt das unweigerlich zu Flugrost und später irgendwann zu Durchrostungen – zumindest in der Karosserie. Der Rahmen ist eigentlich zu dick zum vollständigen Durchrosten.

Für mich steht fest, dass ich den Cruiser vor dem Umbau zuerst komplett vom Rost befreien möchte, dann konservieren und dann erst mit dem Umbau zum Camper beginnen.

Flugrost Karosserie und Rahmen
Flugrost Karosserie und Rahmen
Flugrost Karosserie und Rahmen Toyota LandCruiser J7
Flugrost Karosserie und Rahmen
Flugrost am Rahmen hinten
Flugrost am Rahmen hinten

Sandstrahlen direkt nach dem Kauf

Also baue ich die erste Version unserer bewährten „Hebebühne“ aus 4 Holzständern und platziere das Hottahue so hoch wie es in der Garage eben geht (so, dass man gerade darunter sitzen kann).
Jetzt werden der Tank und einige weitere Teile abgebaut und die Rostbehandlung kann beginnen.

Auto auf selbstgebauter Hebebühne
Auto auf selbstgebauter Hebebühne

Wie immer möchte ich alles selbst machen, da das nicht nur mein Anspruch ist, sondern auch die Kosten in Grenzen hält. Da wir bereits einen Druckluftkompressor besitzen, entscheide ich mich für einen Mix aus Sandstrahlen (die Pistolen dazu kosten fast nichts), flexen (mit Schleifscheiben) und dem Druckluft-Stabschleifer (für Ecken).

Alternativ könnte man natürlich auch sandstrahlen lassen, dann müsste man aber alle Gummiteile entfernen, also den Rahmen quasi vom Chassis trennen (sonst wird die Arbeitszeit sehr hoch). Eine weitere Alternative wäre Eisstrahlen, das war mir damals schlicht zu teuer, heute würde ich es aber wohl mal ausprobieren.

Die Arbeiten mit der Flex am Rahmen sind wie erwartet schnell und auch relativ problemlos was den Staub angeht (verglichen mit dem Rest).

Der Stabschleifer mit eingespannten Fächerschleifern eignet sich wirklich nur für kleine Flächen und braucht sehr viel Luft. Da unser Kompressor damals noch recht klein ist (50l), kann immer nur kurz mit dem Stabschleifer gearbeitet werden. Trotzdem eine schöne Ergänzung zur Flex und gerade am Unterboden sinnvoll, der für die Flex meistens zu uneben ist.

Das Sandstrahlen selbst hatte ich mir anfangs etwas großflächiger und auch weniger staubig vorgestellt. Die Methode ist zwar sehr effektiv und kommt in jede kleinste Ecke, braucht aber doch einiges an Strahlsand und verursacht Staub in enormen Mengen. Zudem fliegt der Sand wirklich überall hin – selbst heute finde ich manchmal noch Strahlsand in irgendeiner Garagenecke.

Aber angefangen ist angefangen und deshalb wird auch fertig gestrahlt. Ca. 200-250kg Strahlsand dürften es schlussendlich gewesen sein wobei vieles davon mehrfach verwendet wurde.

Mit Maske, Schutzbrille und Taschenlampe – halb liegend unter dem Auto – strahle ich mich Zentimeter um Zentimeter vorwärts. Seitlich ist alles mit Decken verhängt um das Umherfliegen des Sands wenigstens etwas einzudämmen. Ich bin sehr froh, als ich damit endlich fertig bin…:)

Sandstrahlen Toyota LandCruiser J7 zur Rostentfernung
Sand, Sand, überall Sand

Fazit Sandstrahlen

Würde ich es wieder machen? Nein, wohl nicht. Zumindest nicht zu Hause in der Garage mit eigenem Equipment. Draußen in einem kleinen Zelt und mit einer Hebebühne wiederum wäre das sicher deutlich einfacher.
Auch später strahle ich weiterhin Dinge wie z.B. die Frontstoßstange im Ausbau 2.0, die Trittbretter oder Kleinteile. Aber das machen wir draußen. Das Verfahren ist für schwierige Flächen trotzdem ideal (Innenecken, Rohre, Rundungen usw.).

Fertig gestrahlter Rahmen vom Toyota Landcruiser J7 - Sandstrahlen zur Rostentfernung
Fertig gestrahlter Rahmen

Rostschutz auftragen

Nach der Schleif- und Strahl-Aktion kommt nun endlich die angenehmere Arbeit. Das Einstreichen der geschliffenen und gestrahlten Teile mit Rostschutzfarbe.

Nach einigen Recherchen fällt meine Wahl auf Brantho Korrux Nitrofest und 3in1 im Schichtaufbau. Damit sind wir bis heute sehr zufrieden.
Es gibt hier viele Systeme die funktionieren, man muss sich nur für eines entscheiden und das dann auch konsequent nutzen. Wie immer gilt hier – ähnlich wie bei Sikaflex – man sollte sich sehr genau die Herstellerempfehlungen durchlesen und danach arbeiten.

Den Rahmen streiche ich vollständig neu, den Karosserieboden nur zum Teil, da viele Teile noch völlig rostfrei sind. Die größten Flugrost-Stellen finden sich wie so oft beim J7 in den hinteren Karosserie-Ecken links und rechts und seitlich vor und hinter den Karosserie-Trägern. Der Boden an sich ist nur teilweise angerostet und auch hauptsächlich im hinteren Bereich.

Zuerst trage ich eine dünne Schicht Owatrol Öl auf.
Dann BK Nitrofest in 3 Schichten. Das trocknet schnell und lässt sich fast wie Fahrzeuglack verarbeiten. Heute würde ich es wohl auch einfach Spritzen anstatt es mit dem Pinsel auftragen.
Bei Nitrofest reichen 24h Trockenzeit und es geht schnell voran.

Dann folgen 3-4 Schichten BK 3in1 in verschiedenen Farben. Das ist sinnvoll um später bei einem Steinschlag erkennen zu können wie tief der Steinschlag ist. Ob das 3in1 ganz oder teilweise beschädigt wurde oder auch das Nitrofest etwas abbekommen hat.

Erste Schicht Brantho Nitrofest - Rostschutz und Konservierung Toyota LandCruiser J7
Erste Schicht Brantho Nitrofest
Erste Brantho Corrux 3in1 Schicht - Rostschutz und Konservierung Toyota Landcruiser J7
Erste Brantho Corrux 3in1 Schicht

Leider ist das 3in1 nach 24h nicht einmal staubtrocken. Es dauert mindestens eine Woche bis man von einer Trocknung sprechen kann und selbst dann ist die Schicht nicht wirklich belastbar. Also lassen wir das ganze 2 ½ Monate in Ruhe trocknen. Und siehe da, die Schicht ist vollständig durchgetrocknet.

Wer mit 3in1 arbeiten möchte, sollte sich also darüber bewusst sein, dass man viel Zeit mitbringen muss um ein ordentliches Ergebnis zu erreichen.
Die dünneren, gespritzten Schichten – wie ich sie später bei den Stoßstangen aufbringe – trocknen übrigens etwas schneller als die dicken mit dem Pinsel aufgetragenen Schichten.

Als endlich alles durchgetrocknet ist können wir den Tank wieder montieren, alle Leitungen befestigen und die Kleinteile, die einzeln gestrahlt und gestrichen wurden, wieder befestigen.

Jetzt ist es Zeit für Öl und Wachs

Das schon als Basisschicht auf Karosserie und Rahmen verwendete Owatrol Öl lasse ich nun auch in alle Falze laufen und streiche die Bleche im Innenraum damit ein (die verdeckten wie z.B. Tür innen, Seitenteile hinten usw.). Owatrol riecht kaum. Das macht es für den Innenraum etwas angenehmer als Wachs. Man sollte aber erst alles außen streichen, da man dann die Falze von innen mit Öl füllen kann und es nicht nach unten raus läuft.

Nun werden alle Hohlräume der Karosserie außen (wie Querträger, Schweller usw.) und der komplette Rahmen mit Fett ausgespritzt.
Dazu mieten wir uns eine Druckbecher-Pistole und kaufen uns einen billigen Glühwein-Wärmer (um die Dosen und die Pistole vorzuheizen). Mit ein bisschen Übung ist das Fett in wenigen Stunden in Karosserie und Rahmen verteilt und das Hottahue nun umfangreich geschützt.

Inzwischen gehört die Druckbecherpistole zu meinem festen Inventar und wir mischen uns den Wachs selbst an. Bei regelmäßigem Erneuern der Schichten, bzw. mehreren Fahrzeugen, lohnt sich das auf Dauer.

Um auch die Radkästen vor Steinschlag zu schützen sprühe ich mehrere Dosen UBS-Hell auf deren Oberfläche. So bildet sich eine durchsichtige aber sehr widerstandsfähige Schicht. Auch das hat sich bis heute bewährt.

Endlich fertig.

Lackier-Arbeiten wie ich sie nach der Panamericana gemacht hatte, sind übrigens zum Zeitpunkt des Kaufs noch nicht nötig. Durch den reinen Straßen-Betrieb sieht der Lack noch aus wie neu und hat, bis auf die Schweller, auch keine Rostansätze.

Fazit Rostentfernung und Konservierung

Alles in Allem war die Konservierung viel Arbeit, wir sind aber froh, dass wir es gleich zu Anfang gemacht haben. Das erspart uns viel Arbeit in Zukunft. Ausbesserungen sind zwar immer mal wieder nötig aber kein Vergleich zu einer kompletten Erneuerung oder Rostentfernung.

Generelles zum Thema Rostschutz findet ihr im Beitrag „Rostschutz beim LandCruiser J7„.

Jetzt wünsche ich Euch viel Spaß beim Entrosten und natürlich beim Reisen.

Euer Till


Weitere Themen zum Fahrzeugausbau gibt es auf unseren Fahrzeugseiten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hiermit erklärst du dich mit der Datenschutzerklärung einverstanden