Kleine Toyota LandCruiser J7 (HZJ) Kaufberatung

Was soll ich suchen? Wo soll ich suchen? Und auf was muss ich achten?
Eine kleine Kaufberatung für alle, die sich gerne einen J7 zulegen möchten.

Originaler HZJ78, Europa Version, ohne Umbauten, Scheckheftgepflegt bei Toyota, 12 Jahre alt, 112.000 km, kaum Winterbetrieb. Innen wie neu. Außen ebenfalls. Unterboden mit etwas Rost. Preis: deutlich unter damaligem Neupreis.

Der unerfahrene Interessent wird nun sagen: hört sich nicht schlecht an. Klingt aber irgendwie teuer. Der erfahrene HZJ Käufer überlegt gar nicht erst sondern sagt nur: Nehm ich, wo kann ich ihn abholen?

Tatsächlich handelt es sich hier um eine ungefähre Beschreibung unseres eigenen Fahrzeugs, dass wir nach ca. 6-monatiger Suche in der Nähe von München abholen durften. Dazu muss man sagen, dass ich damals das Buschtaxiforum sowie mobile.de jeden Tag ein Mal pro Stunde auf neue Fahrzeuge kontrollierte und ca. 30 Minuten nach Einstellen des Angebots im Buschtaxiforum schon das Telefon in der Hand hatte. Am nächsten Tag standen wir vor dem Auto und nach einer kurzen Probefahrt war klar – das ist er. Aber das war bei weitem nicht der erste J7 den ich mir auf der Suche angeschaut hatte und auch heute verfolge ich immer wieder interessiert den Markt. Ein spannender Markt für ein seltenes und überaus beliebtes Fahrzeug.

Hier nun eine kleine Kaufberatung ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es geht mir nur darum Neulingen den J7 etwas näher zu bringen und all denen eine kleine Zusammenfassung zu bieten, die bei den vielen Forumsbeiträgen kaum mehr wissen wo sie anfangen sollen. Ich setze aber durchaus voraus, dass man sich mit dem J7 an sich beschäftigt hat und die Baureihen und Versionen einigermaßen überblickt. Das zu erklären wäre einfach zu umfassend und dazu gibt es ja auch schon viel zum Lesen.

Für wen ist der J7 etwas?

Kurz gesagt für jeden, der sich einen Geländewagen wünscht und sich über das “begrenzte” Platzangebot als Camper im klaren ist. Jeder der Allrad liebt und fernab unterwegs sein möchte. Und jeder der erkennt wie genial gerade das Buschtaxi (der TroopCarrier) als Reisefahrzeug sein kann. Sei es die Form oder die Zuverlässigkeit. Vieles spricht für einen J7 für Reisen. Gerade in Zeiten von Abgasnormen und Sensoren-Wahnsinn.
Und natürlich jeder der ein gewisses Budget bereit hält. Bei 10.000 Euro sollte man keinen fahrbaren J7 für die Reise erwarten. Der “Spaß” beginnt meiner Meinung nach bei einem Gesamtbudget für Kauf und direkten Folgekosten von 25.000 bis 30.000 Euro für einen reisefertigen 78er oder 79er. Nach oben offen.

Baureihen und Motoren

Generell kann man sagen, dass alle Light-Duties (also alle J7 mit den etwas kleineren Motoren wie z.B. der LJ7) gebraucht deutlich günstiger sind. Ebenso die kurze Variante mit 2 Türen. Schlicht und einfach weil sie kaum zum ausgedehnten Reisen geeignet ist und deswegen als “normaler” Geländewagen verkauft wird. Was nicht heißt, dass man einen 71er, 73er oder 74er nicht zum Camper umbauen kann.
Teuer wird es mit dem 1HZ Motor, dem 4,2 Liter Reihensechszylinder mit Wirbelkammereinspritzung. Trotz dessen nicht übermäßiger Kraft ist er legendär (nicht zu unrecht) und ideal für Fernreisen. Mit ihm werden wir uns jetzt auch beschäftigen, da der HZJ7 (also ein J7 mit 1HZ Motor) vermutlich die meistgefahrene Variante zum Reisen ist. Die kleineren Varianten BJ und PZJ sind auch nicht uninteressant aber noch weniger durchzugsstark und damit eben etwas gewöhnungsbedürftig. Wem Geschwindigkeit und Drehmoment nicht so wichtig sind und er etwas sparen will, der sollte solch einen J7 ruhig mal Probe fahren. Sehr interessant meiner Ansicht nach, aber leider nur extrem selten, ist der FZJ7 mit 1FZ-FE Motor. Ein 4,5 Liter Benziner (Reihen-Sechszylinder) der als absolut zuverlässig (ähnlich wie der 1HZ) gilt und ordentlich Leistung hat. Ja, er braucht auch dementsprechend (14-20 Liter), das relativiert sich aber durch den geringeren Kaufpreis und die niedrigeren Wartungskosten etwas. Ich würde mir heute einen FZJ7 definitiv mal anschauen (wenn der Preis stimmt). Spritverbrauch wird auch bei hohen Laufleistungen meiner Ansicht nach als Kostenfaktor überschätzt.
Ein weiterer Vorteil des Benziners ist die problemlosere Kraftsstoff-Versorgung, da Benzin viel seltener eine schlechte Qualität hat sowie keine Probleme in der Höhe. Der 1HZ hingegen fängt (wegen fehlendem Turbolader) ab ca. 2000m Höhe an deutlich an Leistung zu verlieren und schwarze Wolken zu produzieren. Fahrbar bleibt er trotzdem.

Kleiner Exkurs zum GRJ7

Der neue GRJ7 (mit 1GR-FE Motor) ist gebraucht noch kaum zu bekommen und wenn dann zum Quasi-Neupreis (50.000-65.000). Das macht ihn für Gebrauchtwagenkäufer leider vorerst uninteressant auch wenn der Motor wirklich eine feine Sache ist. Wer also einen Benziner braucht oder möchte, der muss leider gleich in den hohen Preisbereich oder sich direkt einen neuen GRJ bestellen mit allen Vor- und Nachteilen. Der 1GR-FE Motor ist zwar ein relativ neuer Motor mit aktuellen Abgasnormen und einigem an Technik, in der Saugrohreinspritzungs-Variante (230 PS) aber durchaus konservativ ausgelegt. Trotzdem hat er deutlich mehr Elektronik als ein 1FZ-FE. Das muss kein Problem sein, man sollte es aber wissen. Für unsere Breitengerade ist der 1GR-FE aber ein super Motor. Gerade wegen Euro 5 oder 6 Zulassung und einem annehmbaren Verbrauch (13-17 Liter).

Was die Wartung angeht sind Benziner natürlich immer mit Abstand am günstigsten. Der 1HZ kommt dann direkt danach und etwas teurer wird es dann bei Direkteinspritzern wie dem 1HD-T (nur in Australien im J7 angeboten als 1HD-FTE mit elektronischer Einspritzung). Sie brauchen meistens etwas mehr Pflege. Im Beitrag Wartungsplan (kommt bald) findet ihr hierzu näheres.

Modelle mit 1HZ Motor: HZJ75, HZJ78, HZJ79

Die teuersten Modelle sind also die Fahrzeuge mit 1HZ Motor in den Varianten TroopCarrier (HZJ75 und 78) und mit Pritsche (HZJ75 und 79). Beide ideal zum Reisen.
Bei den Heavy-Duty Baureihen mit 1HZ Motor sollte man noch 3 Versionen unterscheiden:

– Die HZJ vor 1999 (HZJ75 für Pritsche und TroopCarrier)
– Die HZJ von 1999 bis 2007 (HZJ78 für TroopCarrier und 79 für Pritsche)
– Die HZJ ab 2007 bis heute (wie oben)

Die Modifikationen sind eher gering aber teils wichtig. Das Modell vor 1999 hat eine größere Achse vorne und ein als unproblematisch geltendes Getriebe (was sich aber nicht so schön schaltet wie das ab 1999). Dazu Blattfedern vorne. Meistens 24 Volt Spannung. Ab 1999 gab es Spiralfedern vorne, was etwas angenehmer für den Fahrkomfort ist. Leider aber auch Probleme mit den Getrieben. Dazu mehr weiter unten. Jetzt sind alle Modelle 12V. Ab 2007 bekommt der J7 eine völlig neue, breitere Front (um die V6 und V8 Motoren unterzubringen), der Rest bleibt weitestgehend gleich. Die Getriebe sind jetzt ab Werk mit einer verstärkten Welle ausgestattet. Der GRJ hat von vorneherein das stärkere Benziner-Getriebe.

Wo soll ich suchen?

Einfache Frage, einfache Antwort: Im Buschtaxi-Forum (Marktplatz) auf mobile.de, Ebay-Kleinanzeigen und evtl. Facebook-Gruppen. Daneben gibt es sicherlich noch viele weitere Quellen, aber alle Seiten zu beobachten wird für die meisten schon stressig genug sein…:) Beim Suchen gilt: Schnell sein. Sofort Anrufen und so schnell wie möglich anschauen. Preise, die schon ok sind (oder günstig) sollte man eher nicht weiter verhandeln, da das Fahrzeug sonst gerne schon Mal verkauft ist bevor man ein neues Angebot machen kann. Die meisten Verkäufer eines J7 wissen was so was wert ist.

Händler oder Privat?

Ganz klar: Privat. Das hat den Vorteil, dass man denjenigen kennenlernt, dem das Fahrzeug gehört. Anhand des Besitzers kann man oft schon vieles erkennen was man beim Händler mühselig erfragen müsste. Wer sich unsicher oder technisch unbegabt ist, dem sei empfohlen sich zur Besichtigung jemanden mitzunehmen, der sich auskennt. Steht das Auto bei einem der wenigen großen Händler, die auf J7 spezialisiert sind, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass das Fahrzeug in Ordnung ist (da gehe ich jetzt mal lieber nicht näher drauf ein)…ein Schnäppchen wird es dann aber sicher nicht sein. Trotzdem gibt es Händler wo auch ich definitiv ein Auto kaufen würde, wenn mir der Preis egal wäre.

Übrigens mit einem J7 zum nächsten ADAC oder TÜV zu fahren bringt nur sehr bedingt etwas. Wer sich mit dem Auto nicht auskennt und es nach Standard-Kriterien bewertet der wird möglicherweise Dinge finden und als Fehler bewerten, die bei einem J7 völlig normal sind (schlechte Bremsen, Lenkspiel usw.). Das bringt also hinterher oft mehr Verwirrung als es hilft.

Fahrzeug Historie

Wichtig ist die Geschichte des Gebrauchten. Sie erzählt einem oft mehr als der Blick unter die Haube. 7 verschiedene Vorbesitzer oder 10.000 km im Tagebau sprechen Bände und man sollte sich direkt überlegen ob man zu einer Besichtigung fährt.

Generell rate ich immer von gewerblich genutzten Fahrzeugen ab. Abschlepper, Tagebau- oder Wartungsfahrzeuge werden oft genau so behandelt wie man es sich vorstellt. Jeden Tag ein neuer Fahrer, wenig Zeit, viel Ladung und das Wort “warmfahren” hat ein solches Auto vermutlich auch noch nie gehört. Das muss nicht bedeuten, dass solche Autos generell immer in einem schlechten Zustand sind, aber viele eben doch. Wenn einem nicht die Alternativen fehlen oder der Preis wirklich unglaublich günstig ist würde ich aber trotzdem von solchen Fahrzeugen eher Abstand nehmen. Immer mal wieder höre ich von Kunden dass Dinge defekt sind, die bei einer solchen Laufleistung nicht defekt sein dürften. Fragt man dann nach der Herkunft, sind das leider oft gewerbliche Fahrzeuge gewesen.

Eine “optimale Historie” gibt es trotzdem nicht. Hier ein paar Beispiele:

  • Nur auf dem Weg zur Arbeit gefahren: Kann heißen, viel Kurzstrecke, hohe Geschwindigkeiten, viel Stop-and-Go und eingerostete Differentialsperren etc. durch den fehlenden Geländeeinsatz
  • Reines Reisefahrzeug: An sich eine schöne Sache, leider wird auf Reisen oft die Wartung vernachlässigt oder das Fahrzeug deutlich über beansprucht ohne die entsprechende Umrüstung
  • Immer Mal auf Treffen und Sonntags gefahren: Sehr schön. Wenn sich drum gekümmert wurde. Kein Winterbetrieb kann für das Fahrwerk und den Motor allerdings auch suboptimal sein…muss aber nicht.
  • Offroad-Tool mit riesen Reifen und Sahara-Sand im Rahmen: Muss nicht schlecht sein wenn sich, wie oben, um das Fahrzeug gekümmert wurde. Die Autos sind für das Gelände gebaut, man kann und sollte sie also auch dort bewegen. Wie gesagt, wenn man die dementsprechend an die Belastung angepasste Wartung dann auch macht (häufiger Ölwechsel z.B.).
  • Fernreise-Fahrzeug: Hier sollte  sehr genau hingeschaut werden wo derjenige unterwegs war, ob gewartet wurde (regelmäßig?) und ob seit der Reise bereits Verschleißteile erneuert wurden. Auf der Reise selbst machen das nämlich nur die wenigsten. Autos, die gerade von einer mehrjährigen Reise mit vielen Kilometern kommen brauchen meistens erst Mal einiges an Wartung und die kostet.

Ihr seht, fast jede Historie hat Vor- und Nachteile. Am Ende ist der Kauf eine Mischung aus “Vertrauen” in die Historie, die Technik und den Verkäufer. Wenn das alles passt dann kann´s los gehen.

Original, umgebaut oder reisefertig?

Wenn Ihr ein Reisefahrzeug sucht, dann bedeutet das für viele, dass sie genau das Fahrzeug suchen was ihren Bedürfnissen entspricht. Und zwar fertig umgebaut. Für einen Technik-Begeisterten wie mich muss es natürlich ein möglichst originales Auto sein mit so wenig Modifikationen wie möglich. So, dass man alles selbst machen kann. Leider ist das im Verhältnis gesehen auch die teuerste Variante. Für einen HZJ78 oder 79 mit alter Front (2000-2007) im ordentlichen Originalzustand bezahlt man mit 100.000 bis 200.000 Kilometern im Moment ungefähr den damaligen Neupreis von ca. 25.000 Euro oder mehr. Das liegt aber auch an der sehr begehrten alten Front die Viele schöner finden als das Facelift ab 2007 und den nur noch wenigen verfügbaren originalen und unverbauten Exemplaren auf dem Markt.
Bereits umgebaute Fahrzeuge (z.B. mit Kabine oder Klappdach) sind im Verhältnis zu den Umbaukosten eher “günstiger”. Dafür erkauft man sich neben dem großen Vorteil “Einsteigen und losreisen” auch einige Nachteile über die man sich vorher Gedanken machen sollte.

Folgende Fragen sollte man sich stellen:

  • Wann hat der Umbau stattgefunden und wie “abgewohnt” ist das Ganze inzwischen?
  • Wenn es sich um eine Kabine, ein Klappdach oder ähnliches handelt, bekomme ich noch Ersatzteile (wer hat umgebaut)?
  • Wie professionell ist das Ganze gemacht worden (da gibt es große Unterschiede)?
  • Existieren Schaltpläne/Zeichnungen etc. um bei Defekten oder Umbauten später zurückverfolgen zu können wo was ist und was früher schon gemacht wurde (gerade bei Elektrik wichtig)?
  • Welche Teile sind genau verbaut worden (Kühlschrank, Heizung usw.) und wie alt und wertig sind die?
  • Was gefällt mir am Umbau so wie er ist und was möchte ich modifizieren? Wie einfach geht das (bei einer GFK-Leichtbau Kabine mit eingeklebten Möbeln z.B. gar nicht)?
  • Wie erweiterbar/zukunftsfähig ist der Umbau (z.B. größere Batterien etc.)?

Alles in Allem sollte die oben genannten Punkte niemand davon abhalten ein fertig umgebautes Fahrzeug zu kaufen. Es geht nur darum sich im Vorhinein Gedanken zu machen was man will und wie genau das Auto den Vorstellungen entspricht. Vor allem sollte man beim Basisfahrzeug keine Abstriche machen, nur weil einem das Wohnkonzept gefällt…:)

In letzter Zeit sehe ich aber auch öfters Autos im Internet bei denen ich mir denke: mit ordentlich gemachtem Umbau (sieht man ja erst live vor Ort) ein echtes Reiseschnäppchen. Man sollte übrigens auch nie die Kosten eines kompletten Umbaus unterschätzen. Ein top gepflegter HZJ79 mit Kabine und hochwertigem Ausbau für 60.000 EUR muss nicht wirklich teuer sein, da man davon ausgehen kann, dass die Kosten für Fahrzeug und Umbau durchaus mal Sechsstellig gewesen sind. Wie gesagt – wenn einem das Auto gefällt und man nicht mehr viel daran machen muss.

Auch Fahrzeuge für 70.000 EUR oder mehr können “günstig” sein, je nachdem wie hochwertig gebaut wurde und wie alt das Ganze ist. In einen LandCruiser 150.000 EUR oder mehr hineinzustecken geht schneller als man denkt (zumindest wenn Werkstätten alle Umbauten erledigen). Auch “billige” Komplettumbauten (z.B. HZJ78 mit Klappdach und sehr einfachem Ausbau) sehe ich immer mal wieder. Hier bekommt man für 20.000-35.000 Euro teilweise ebenfalls völlig reisetaugliche Fahrzeuge. Man sollte dann aber eben keinen optimalen technischen Zustand und keinen Ausbau ohne jede Probleme erwarten (z.B. wegen Alter, verbauter Komponenten, Bauqualität an sich etc.). Losfahren und Reisen kann man aber sicherlich mit vielem davon auch sofort. Deswegen gilt auch hier: Anschauen. Es ist also für jedes Budget etwas dabei. Nur für die, die etwas originales und unverbautes wollen empfehle ich erst ausdauernd suchen und dann schnell sein…:)

Ausstattung des Basisfahrzeugs

Das Thema Ausstattung ist schnell abgehandelt. Es gibt nämlich nur wenig. Dazu sei kurz erklärt was die sogenannte EU-Variante ist: Zwischen 1999 und 2001 stand der HZJ7 bei ausgewählten Toyotahändlern zum Verkauf, auch in Deutschland (also kein klassischer Import). Ausgerüstet waren die Fahrzeuge mit Differentialsperren vorne und hinten, Heckscheiben Heizung, Fond-Heizung, Dämmmatte im Motorraum und einigem mehr. Vieles davon ist Standard in der sogenannten Cold Area Spec (also der Variante für kalte Regionen).

Hier die wichtigsten Ausstattungsmerkmale:

  • Differentialsperren vorne und hinten: super wenn das Fahrzeug sie schon hat. Darauf achten, dass die Funktion gegeben ist, da die Sperrmotoren gerne Mal Einrosten bei Nichtbenutzung. Bei den original Toyota Sperren handelt es sich um elektrische Sperren mit Stellmotor.
  • Klimaanlage: Eine Seltenheit und in der Nachrüstung sehr teuer. Wenn das Auto eine hat, dann ist das ein Pro-Argument was einem durchaus 1000.- wert sein kann. Eine Nachrüstung kostet 3000-5000 Euro.
  • Schnorchel: Ein weiteres klares Erkennungsmerkmal der EU Version ist der fehlende Schnorchel. Eine Nachrüstung ist sinnvoll, wurde aber von vielen Vorbesitzerin sowieso schon erledigt. Teils mit dem original Toyota-Schnorchel, teils mit Fremdfabrikaten.
  • Heckscheibenheizung und Heckwischer: Standard bei der EU Version. Bei einem Reisefahrzeug meist eher unnötig, da das Auto ja sowieso geheizt wird.
  • Fond-Heizung: Standard im TroopCarrier in der Cold Area Spec und der EU Version. Es handelt sich um ein Gebläse mit Wärmetauscher im Heckbereich. Bei einem Camperumbau muss der Heizer meistens sowieso entfernt werden. Ein weiteres Problem sind die Kühlwasserleitungen die unter dem Fahrzeug zur Fond-Heizung verlaufen. Sie rosten gerne und sind ein potenzielles Risiko für Kühlwasserverlust. Deswegen werden sie oft ausgetauscht, durch Gummileitungen ersetzt oder einfach komplett Rück gebaut. Die Fond-Heizung ist also fast schon eher ein Nachteil für einen Camperumbau.
  • 2 Starterbatterien: Standard in der EU und Cold Area Spec beim HZJ78 und 79 (beim Vorgänger meist sowieso wegen den 24V Spannung). Bei den heutigen Batterien ist eine zweite Batterie auch in der Kälte zum Starten eigentlich nicht mehr nötig und spart Gewicht. Eine Ausstattung auf die man also auch verzichten kann. Wir fahren z.B. von Anfang an immer nur mit einer Starterbatterie.
  • Heizbarer Dieselfilter: Standard in EU und Cold Area Spec. Kann man einfach nachrüsten.
  • Scheibenwischer mit Intervallschaltung: Bei Importen leider oft nicht vorhanden, kann aber nachgerüstet werden (bieten wir in unserem Shop an).
  • Original Zusatztank: Bei Importen teils (aber sehr selten) schon ab Werk vorhanden. Den original Tank erkennt man am elektrischen Schalter, den 90 Litern und einer Tankuhr im Tacho. Da es aber viele Nachrüstoptionen gibt muss beim Kauf nicht unbedingt solch ein Tank verbaut sein.

Probleme beim Kauf

Wo genauer hinsehen?

An sich gilt der J7 als sehr zuverlässig und das stimmt auch. Es gibt im Vergleich mit vielen sonstigen Fahrzeugen nur wenig Probleme und die kennt man. Das man nach 300.000 km gewisse Verschleißteile wechseln muss, das sollte jedem klar sein, denn auch ein J7 braucht Wartung.

Das Getriebethema

Ab 1999 wurde im HZJ das als problematisch geltende R151 Getriebe verbaut. Leider ist es für das Gewicht und den Motor wie es scheint zu schwach ausgelegt und so kommt es immer wieder zu Ausfällen. Ob nun von zu großen Reifen, vom untertourigen Fahren oder vom Reisegewicht ist nicht abschließend geklärt. Auch im Hilux wurde das Getriebe verbaut, hier funktioniert es scheints besser. Klar ist aber, es ist ein Problem um das man sich kümmern sollte. Nutzt man das Auto nur innerhalb Europas und ist sich der Schwachstelle bewusst, mag es möglich sein mit dem R151 weiter zu fahren, ich persönlich kann aber jedem der größere Reisen, gerade in abgelegene Gebiete plant nur raten sich vorher mit dem Thema zu beschäftigen und eine der folgenden beiden Lösungsansätze durchzuführen:

Ansatz 1 – Revidierung des Getriebes

Ansatz 1 ist die Revidierung des Getriebes mit Austauschteilen und einer verstärkten Welle. Das ist “günstiger” als das komplette Getriebe zu tauschen, hilft aber gegen das (seltener auftretende) Problem des Ausbrechens vom Getriebe-Gehäuse leider wenig. Trotzdem erheblich besser als ohne Verstärkung. Viele fahren damit ohne Probleme seit Jahren.

Ansatz 2 – komplettes Getriebe tauschen

Ansatz 2 ist das komplette Getriebe gegen das H150 aus dem australischen HDJ oder Benziner (FZJ) zu tauschen. Das H150 gilt als absolut zuverlässig und ist mit der Leistung vom 1HZ eher so unterfordert, dass Problem auch auf Dauer nicht zu erwarten sind. Leider muss man für den Umbau ca. 7000-10.000 Euro einplanen (hat dann aber auch ein nagelneues Getriebe und Verteilergetriebe). Nachteile gibt es keine. Das H Getriebe schaltet sich kalt etwas mehr wie im LKW und ist minimal kürzer übersetzte – was ich persönlich mit 3,5 Tonnen sehr angenehm finde…:)

Die Achsen

Zwischen 200.000 und 300.000 km werden die Achsen gerne mal undicht und müssen dann neu abgedichtet werden. Wer gerne schraubt kann das selbst machen. Dann kostet es nicht viel. In der Werkstatt wird man (vermutlich) gerne mal 1000.- Euro dafür einplanen müssen. Man erkennt die Undichtigkeit oft am Öl was links und rechts aus den Birfield Gelenken tropft (nicht das Fett, das soll da sein). Wenn die Achsen schon abgedichtet wurden, umso besser. Wenn noch nicht, ist das aber auch nicht schlimm. Unsere Achsen zum Beispiel waren bis heute noch nie undicht.

Fahrwerk

Der J7 hat einige Buchsen, Gummis u.s.w. die man in regelmäßigen Abständen tauschen sollte. Ob das schon gemacht wurde oder nicht finde ich nicht wirklich wichtig da man auf Dauer sowieso damit konfrontiert wird. Die Kosten sind eher als gering einzustufen.

Motor

Der 1HZ ist ebenso genügsam wie unauffällig. Wenn er regelmäßig (10.000 km) Filter und Öl bekommt dann kann eigentlich nicht viel passieren. Der Zahnriemen sollte alle 100.000 km erneuert worden sein und es wäre schön wenn der Vorbesitzer im gleichen Intervall auch die Einspritzdüsen geprüft und die Einsätze erneuert hätte. Ebenso wie die Ventile eingestellt. Wenn nicht, beides direkt nach dem Kauf nachholen (egal welche Laufleistung).

Ansonsten treten immer mal wieder Undichtigkeiten an den Einspritzpumpen auf (meist ab 300.000 km). Das ist aber eher selten und völlig normal, je nach Alter. Generell sagt die Wartung natürlich auch viel darüber aus wie sich um das Fahrzeug gekümmert wurde…gerade solche Dinge wie Bremsflüssigkeit und Kühlwasser erneuern, Einspritzdüsen usw.. Also Dinge, die nicht jeder sofort sieht, die aber trotzdem regelmäßig gemacht werden sollten. Auch bei einem 1HZ. Die Kilometerleistung bei einem 1HZ ist übrigens eher zu vernachlässigen. Ob das Auto nun 90.000 oder 210.000 km gefahren ist, hat wenig zu bedeuten. Auch bei 300.000 km sehe ich noch wenig Probleme wenn die Pflege gestimmt hat. Bei deutlich höheren Laufleistungen sollte man zumindest mal mögliche Folgekosten einplanen. Motoren mit 600.000 oder 900.000 km (in Australien teils noch mehr) sind aber durchaus keine Seltenheit. Der 1HZ ist also wirklich sehr dauerhaft. Für den 1FZ-FE gilt übrigens das Gleiche.

Elektrik

Da kaum Elektrik vorhanden ist, kann auch wenig kaputt gehen. Und wenn, dann sind es Kleinigkeiten wie ein Relais. Das fällt unter Verschleiß.

Rost

Ja, der liebe Rost. Er ist meist reichlich vorhanden. Zu seiner Behandlung gibt es bereits einen eigenen Blog-Beitrag. Wenn sich darum gekümmert wurde hat der Vorbesitzer bereits Wachs oder etwas ähnliches in den Rahmen gespritzt und vielleicht auch irgendeine Art von Oberflächenschutz auf den Unterboden aufgetragen. Ist das so, dann sollte man trotzdem kontrollieren, dass kein Rost unter dem Schutz versteckt ist. Der Rahmen beim J7 ist dick und schwer, genau wie die Achsen. Leichter Rost macht ihm also wenig aus. Trotzdem sollte etwas darüber sein (z.B. Fett oder Wachs). Problemstellen was den Rost angeht gibt es leider viele. Alle unteren Kanten, die Türen, Regenrinne, Spiegeldreiecke, Scheibenrahmen und ganz besonders den Unterboden ganz hinten links und rechts (erhöhter Steinschlag).

Der Rost sollte kein Ausschlusskriterium beim Kauf sein, die Folgekosten um ihn zu beseitigen können aber durchaus in ungeahnte Höhen gehen (für den, der keine Lust und Zeit hat sich selbst darum zu kümmern). Also darauf achten welche Stellen betroffen sind, ob schon etwas gemacht wurde und wenn Bedarf besteht, welche Schritte (Schleifen, Schweißen) notwendig sind um den Rost zu entfernen.

Lackzustand

Nebensächlich. Ganz im Gegenteil, man sollte sich von einem glänzenden Lack nicht täuschen lassen. Bei einem J7 kommt es auf die inneren Werte an und nicht so sehr auf ein schickes Äußeres. Deswegen hier genau so nach Rost schauen wie bei einem völlig verkratzten Auto. Steht ein komplett neu lackiertes Fahrzeug vor einem ist Misstrauen angeraten. Warum wurde lackiert? Wie sah das Auto vorher aus? Was ist mit dem Rost passiert? Kann das nicht einwandfrei geklärt werden, das Auto lieber stehen lassen.

Tuning

Mit Vorsicht zu genießen. Gerne werden einem gerade Nachrüst-Dämpfer oder Fahrwerke als ein preissteigernder Faktor verkauft. Wenn das Fahrwerk aber nicht erst 2-3 Jahre alt ist und wenig Kilometer gelaufen hat dann wäre das für mich kein Argument und nicht im Preis zu berücksichtigen. Hierbei handelt es sich um Verschleißteile, die man vor einer großen Reise sowieso austauschen würde und damit bieten sie beim Kauf auch keinen echten Mehrwert.

Leistungssteigerungen sind beim 1HZ generell zu vermeiden. Bei Autos mit Turbo-Nachrüstungen sollte man zwei Mal hinschauen und ggf. den Preis deutlich anpassen. Steigert man hinterher selbst die Leistung ist das in Ordnung. Man weiß welche Teile verbaut wurden, wie man damit fährt, kann auf die Temperauren achten usw. Einen 1HZ mit fertigem Nachrüst-Turbo würde ich persönlich aber nur ungern kaufen. Außer natürlich es ist ein kompletter 1HD-T (4,2l Direkteinspritzer Turbomotor) mit passendem Getriebe nachgerüstet worden. Dann noch die Herkunft und den Zustand des Motors genau in Erfahrung bringen und über mehr Leistung freuen (ein komplexes Thema über das es demnächst auch einen eigenen Beitrag geben wird). Hier wird der Kaufpreis aber auch um einiges höher liegen.

Generelles zum J7

Wer sich überlegt einen J7 zu kaufen sollte sich über die teils nicht unerheblichen Folgekosten im Klaren sein. Wenn man selber Schrauben kann und das nötige Werkzeug bereits hat, hält sich das natürlich im Rahmen. Muss man aber wegen jedem Ölwechsel in die Werkstatt ist der J7 kein billiges Fahrzeug. Hat man eine Werkstatt gefunden, die das Fahrzeug einigermaßen kennt und der man Reparaturen zutraut, bleiben immer noch die nicht gerade günstigen deutschen Stundensätze und Toyota Ersatzteile. Zu deren Verwendung rate ich aber in den allermeisten Fällen trotzdem. Was hilft einem das zuverlässigste Fahrzeug wenn man es mit Billigteilen ausrüstet? Wenn also mal etwas gemacht werden muss, dann sollte man sich von der “Einfachheit” und “Robustheit” eines J7 nicht täuschen lassen. Werkstattkosten hat man trotzdem und wenn es nur für Wartung ist.

Eine schöne Alternative ist übrigens bestimmte Aufgaben unterwegs erledigen zu lassen. Zum Beispiel hatten wir in Kolumbien, kurz vor der Rückfahrt nach Hause, noch schnell die Spurstangengelenke tauschen lassen. Eine Arbeit, die bei 20 Jahren alten Gelenken wenig Spaß macht (Rost). Eine vorsorgliche Maßnahme für uns, aber bei 20.- Euro für den kompletten Austausch und einer Laser Spurvermessung mit einer modernen Anlage muss man nicht groß überlegen…:) Wer derartiges vor hat sollte die Ersatzteile aber definitiv mitnehmen und die Reparaturen in einem Land machen lassen in dem der J7 ein bekanntes Fahrzeug ist. Wird Spezialwerkzeug benötigt, sollte das optimalerweise auch mitgebracht werden (Nuss für Radlager, Ölfilterschlüssel etc.).

Die Ersatzteilversorgung ist hingegen der allgemeinen Meinung bei weitem nicht so problemlos wie man denkt. In vielen Ländern in denen der J7 nie ausgeliefert wurde bekommt man mitunter überhaupt keine Ersatzteile oder muss mehrere Wochen auf die Teile warten. Zudem gibt es viele Länder in denen nur FZJ7 ausgeliefert wurden und Teile für den 1HZ Motor nicht verfügbar sind. Umgekehrt kann es aber auch sein, dass Motorenteile überall auf Lager sind (z.B. weil Coaster Buss im Land mit dem 1HZ fahren), Fahrwerk- und Karosserieteile aber nicht. Deswegen rate ich dazu die wichtigsten Teile (siehe Beitrag Ersatzteile) immer von zu Hause mitzunehmen. Das nicht nicht viele.

Weitere Punkte

  • Platzangebot: Wie oben schon erwähnt sollte man sich überlegen wie viel Platz man braucht und welche Karosserieform dafür geeignet ist
  • Fahrkomfort: Der J7 ist ein Dritt-Welt Fahrzeug und fährt sich auch so (wobei er dafür wirklich bequem ist wie ich finde). Steigt man von einem modernen Auto in einen J7, sollte man sich etwas Zeit lassen und erst danach eventuelle “Defekte” beurteilen. Die Bremsen und das Fahrwerk sind nicht mit einem 2020er Fahrzeug vergleichbar. Deswegen ruhig mehrere Fahrzeuge Probe fahren um ein Gefühl dafür zu bekommen was normal ist und was nicht.
  • Verbrauch: Für die Folgekosten rate ich mit einem Verbrauch von 12-15l/100km zu kalkulieren. Ohne große Kabine, große Reifen und mit sehr zurückhaltender Fahrweise (90 kmh) sind 11-12l möglich. Hat man ein vollbeladenes Fahrzeug mit MT´s und fährt lieber 110 auf der Autobahn dann geht es eher auf die 13-15 Liter zu. Wer wenig Zeit hat und dementsprechend fährt, der hat auch keine Probleme über die 15 Liter zu kommen. Im Gelände hingegen ist der J7 relativ sparsam und braucht meistens nur wenig mehr als auf der Straße. Ruhig auch mal den Vorbesitzer fragen was er verbraucht hat. Sind es deutlich über 15 Liter dann wurde entweder ausschließlich Kurzstrecke oder sehr schnell gefahren – oder es stimmt etwas mit der Einspritzung nicht.

So, jetzt wünsche ich Euch viel Spaß bei der Suche.

Euer Till


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