Rostschutz beim LandCruiser J7

Rost – Ein Thema mit dem sich nicht nur LandCruiser-Fahrer frühzeitig beschäftigen sollten. Die Bekämpfung des unliebsamen Besuchers ist nicht nur ein leidiges Thema sondern auch eine Daueraufgabe die man nur allzu gerne vor sich her schiebt. Aber genau das kann teuer werden.

Leider sind die wenigsten Autos direkt nach dem Kauf professionell konserviert worden. Auch das wäre natürlich kein Freifahrtschein sich nie wieder kümmern zu müssen, würde als ordentliche Basis aber zumindest dafür sorgen, dass eine regelmäßige Auffrischung des Schutzes ausreicht.

Bei den Meisten von Euch wird es wohl eher wie folgt aussehen: Man kauft ein gebrauchtes Auto an dem noch nie wirklich eine Rostvorsorge gemacht wurde. Und wenn dann höchstens eine dünne Wachsschicht, die man nur im Innenraum noch erahnen kann. Viele Teile der Achsen, des Rahmens und vom Unterboden sind schon angerostet oder der Lack ist beschädigt.

Wo also anfangen?

Inhalt
1 Rost Inspektion
2 Rost entfernen
3 Hohlraumkonservierung mit Wachs
4 Wann man mit dem Wachs noch warten sollte
5 Jetzt zum Oberflächenrost
6 Ein paar Sätze zu verwendeten Materialien und zur Kontaktkorrosion
7 Nachsorge und regelmäßige Rost-Kontrolle

1 Rost Inspektion

Erst einmal solltet ihr prüfen ob und wo der Rost sich schon breit gemacht hat.

Typische Stellen sind je nach Fahrzeug extrem unterschiedlich. Bei Fahrzeugen mit Rahmen kann man davon ausgehen, dass der Rahmen – ohne Vorbehandlung – generell rostig ist. Ebenso die Achsen, Federn usw.

Der Rost am Rahmen ist leicht zu prüfen, der Rost im Rahmen nicht. Ob aber nun Rost im Rahmen ist oder nicht (meist wird das wohl der Fall sein) ist eine Wachsbehandlung sowieso sinnvoll – auch als Vorsorge. Man kann sich den Blick mit der Hohlraumkamera also gerne sparen – auch wenn das von gewerblichen Firmen oft zur Kontrolle verwendet wird. Wirklich bringen tut es meiner Meinung nach nichts.

Der Unterboden der Karosserie selbst muss nicht unbedingt betroffen sein, kann aber. Das lässt sich leicht mit einer Taschenlampe prüfen. Unter Anbauteilen wie Tanks ist meist kein oder nur sehr wenig Rost zu finden, da sie vor Steinschlägen geschützt sind.

Weitere, gern rostende Karosserieteile sind Kotflügel, Radläufe, Schweller oder generell die untere Karosseriekante sowie die Kante am Heck. Auch Dach-Regenrinnen rosten gerne mal.

Vor der Inspektion sollte man sich auf jeden Fall über spezifische Punkte des Fahrzeugmodells erkundigen, da viele Stellen oft nur indirekt zu sehen sind oder man dort den Rost nicht vermuten würde. Im Innenraum schadet es auf jeden Fall auch nicht kleinere Verkleidungsteile zu demontieren (gerade im Fahrer-Bereich) und den Teppich anzuheben. An solchen Stellen sammelt sich gerne Wasser, wird aufgesaugt und lässt den eigentlich lackierten Boden anrosten.

2 Rost entfernen

Zur Rostentfernung gibt es viele Ansätze. Drahtbürste, Rostumwandler, Schleifscheiben und vieles mehr. Auch Eis- oder Sandstrahlen sind beliebt – aber teuer. Und dass Auto muss zumindest beim Sandstrahlen zum Teil zerlegt werden. Dafür ist der Rost danach auch komplett entfernt.

Für den „schnellen“ Einsatz zu Hause empfehle ich Drahtbürstenaufsätze und Fächerscheiben auf der Flex. Super für kleine Flächen ist auch ein Stabschleifer mit entsprechenden Aufsätzen.

Hat man ein gebrauchtes Auto gekauft kann man nur hoffen, dass nicht schon irgendein schlecht aufgetragener Unterbodenschutz auf der Karosserie ist. Da wäre etwas Rost fast besser, denn die Entfernung von Bitumenbasierten Mitteln ist extrem Zeitaufwendig.

Was aber muss entrostet werden und was kann erst Mal bleiben?

Das wichtigste ist meines Erachtens nach überhaupt erst Mal anzufangen. So schnell wie möglich. Und zwar am besten mit einer Hohlraumkonservierung. Das ist kaum Arbeit und bringt unheimlich viel. Am besten eignet sich dafür ein Hohlraumwachs. Entweder von einem der bekannten Hersteller oder selbst gemischt. Die Vorgehensweise ist denkbar einfach. Wer eine umfassende Rostentfernung vor hat sollte, je nach Vorgehensweise vielleicht mit dem Wachs noch warten – mehr dazu weiter unten.

Dann heißt es schleifen, schleifen, schleifen. Siehe dazu Punkt #4 Oberflächenrost.

Vernachlässigen sollte man natürlich keinen Teil des Fahrzeugs. Sehr massive Teile wie z.B. die Achsen kann man aber auch noch später behandeln. Sie rosten so schnell nicht durch.

3 Hohlraumkonservierung mit Wachs

Zum Konservieren:

Zuerst sollte man alle Hohlräume in der Karosserie ausfindig machen inklusive Möglichkeit eine Hohlraumsonde (dünner Schlauch) hinein zu führen. Meistens gibt es Gummistopfen oder Plastikabdeckungen an einer Stelle des Hohlraums. Sollte das nicht der Fall sein kann man entweder darauf vertrauen, dass sich keine Feuchtigkeit dort sammeln kann oder (das wäre meine Variante) ein kleines Loch bohren um dort die Sonde einführen zu können. Mit etwas Rostschutz und einem Stopfen ist das Loch schnell kein Problem mehr. Der potentielle Rost im Hohlraum aber eben schon.

Am Beispiel des LandCruiser J7 gibt es in der Karosserie nur wenig Hohlräume und fast alle sind einfach zugänglich.

Nun zum Rahmen:

Bevor der Wachs zum Einsatz kommt muss bei Fahrzeugen mit geschlossenem Rahmen (wie z.B. beim J7) noch gespült werden.

Das kann, je nach Zustand dauern. Am besten an verschiedenen Stellen des Rahmens immer wieder mit einem Gartenschlauch und viel Wasser durchspülen. Dazwischen Ablauflöcher reinigen bis kein Sand und was sich sonst noch so angesammelt hat, mehr heraus kommt.

Nach einer größeren Reise kann das (wie in unserem Fall) durchaus 4-5 Stunden dauern, da sich die Rückstände erst lösen müssen. Ist der Rahmen sauber, kann das Wachs eingesprüht werden. Zum Spülen braucht ihr übrigens kaum Druck und keine Reiniger. Nur klares Wasser.

Wer einen Kompressor zu Hause hat kann die Konservierung auch selbst machen. Aber bitte nur draußen. Eine große Decke unters Auto und los geht’s. Die benötigte Druckbecherpistole kann man sich ausleihen oder – wer öfter vor hat sein Auto zu konservieren – auch kaufen. Ordentliche Pistolen gibt es bereits ab 90.- Euro. Sie lassen sich mit der passend Düse auch noch für weitere Materialien wie Lasuren usw. verwenden. Eine Brille ist beim Arbeiten zu empfehlen und ein Schutz für die Hände wegen der Hitze.

Jetzt geht’s aber los. Den Wachs in einer Dose oder einem Eimer im Wasserbad verflüssigen (Wasser 85-90 Grad) und kurz vor dem spritzen noch Mal umrühren. Ich lege die Hohlraumsonde (Schlauch) sowie den Druckbecher auch immer noch Mal 5 Minuten ins Wasser. Damit ist alles schön warm und man hat noch mehr Zeit beim sprühen. Jetzt Wachs in den Druckbecher füllen, ein kurzer Test der Sonde in einem leeren Glas, einer Flasche oder ähnlichem (um zu sehen ob sie auch rund sprüht) und dann schnell zu den Hohlräumen.

Sonde durch die Öffnung soweit wie möglich in den Hohlraum stecken und dann beim zurück ziehen der Sonde mit dem Sprühen beginnen. Ist alles sauber und genug Druck da, geht das sehr schnell und man braucht nur ein paar Sekunden pro Hohlraum. Jetzt zeigt sich auch wer vorbereitet ist. Legt man die Pistole nämlich kurz weg, härtet der Wachs in der Sonde sofort aus. Schnell sein lohnt sich also.

Nachdem der Druckbecher leer ist lege ich die Pistole wieder kurz ins Wasserbad um sie auf zu heizen. Dann geht es weiter wie beschrieben. Umso wärmer es draußen ist umso mehr Zeit hat man natürlich für das Ganze. Wie bei vielen Arbeiten nimmt die Vorbereitung bei der Konservierung die meiste Zeit in Anspruch. Das Konservieren selbst dauert meist nur 15-30 min.

Als Menge kann man bei einem Fahrzeug wie einem LandCruiser ca. 5kg Wachs einplanen. Es geht auch mit weniger und mehr ist natürlich immer möglich. Aber damit sollte man die meisten Hohlräume mindestens ein Mal ordentlich ausspritzen können.

Noch ein paar Worte zum verwendeten Wachs:

Letzten Endes bestehen fast alle angebotenen Wachse aus Vaseline und Bienenwachs. Das Verhältnis variiert. Wer sehr viel Wachs benötigt und Spaß daran hat ein paar Euro zu sparen, kann sich den Hohlraumwachs problemlos selbst anmischen. Ich persönlich nehme 10-15% Bienenwachs und 85-90% Vaseline. Je höher der Bienenwachsanteil ist, umso später (bei höherer Temperatur) fängt sich der Schutz an zu verflüssigen. Das ganze wird in einem Topf auf ca. 90 Grad erhitzt, etwas umgerührt und das war´s auch schon. Selbst Anmischen ist ungefähr halb so teuer wie fertig kaufen.

Hohlraumkonservierung mit Wachs - ich nutze eine Druckbecherpistole
Hohlraumkonservierung mit Wachs – ich nutze eine Druckbecherpistole

4 Wann man mit dem Wachs noch warten sollte

Wie oben bereits erwähnt kann es sinnvoll sein mit dem Konservieren noch zu warten. Das wäre der Fall wenn Ihr plant den Rahmen oder Teile der Karosserie in die Wachs eingespritzt werden soll mit Maschinen zu entrosten (z.B. mit einer Flex). Die Metallteile werden dabei nämlich so heiß, dass der ganze schöne Wachs wieder heraus läuft. Und zudem noch das Schleifen unnötig verkompliziert wird (nach dem Konservieren ist der Wachsnebel fast überall verteilt). In dem Fall bitte erst Schleifen und Lackieren. Dann Hohlräume wachsen.

5 Jetzt zum Oberflächenrost

Die Behandlung von solchen Roststellen ist eine Glaubensfrage, bei der es verschiedene Ansätze gibt. Ich persönlich gehe damit folgendermaßen um:

Vorhandener Rost wird komplett entfernt (Bürste, Schleifscheibe etc.). Dann die Fläche mit Silikonentferner entfetten und mit Brantho Korrux Nitrofest einstreichen. Gerne auch 2 Schichten. Nach 24h dann Brantho Korrux 3in1 auf das Nitrofest. Ebenfalls mit dem Pinsel (Spritzen geht auch, ist aber meist zu viel Arbeit). Leider sind die Trocknungszeiten von 3in1 unglaublich hoch. Deswegen sollte jeder selbst entscheiden wie viel Zeit er jeder einzelnen Schicht zum Trocknen gibt. Ich empfehle mindestens 7 Tage. Wer mehr Zeit hat sollte bis zu 30 Tage warten. Alles nur bei sommerlichen Temperaturen.

Auf dem Rahmen und am Unterboden hat sich das Verfahren bei uns bewährt. Bis auf wenige Ausbesserungen war die Schicht noch vollständig intakt nach fast 5 Jahren.

Gerade Kanten sollte man aber öfter kontrollieren und ggf. nachbessern, da Sie Steinschlägen oft stärker ausgesetzt sind.

Bei Achs- und Fahrwerksteilen bringen Lacke wenig bis gar nichts, zumindest bei Fahrzeugen die Offroad bewegt werden. Nach einigen tausend Kilometern Piste ist der Lack fast komplett weg.

Hier bietet sich ein elastischer Schutz wie z.B. Seilfett an. Auch gerne mit einer Schicht Owatrol darunter. In den Radkästen ist bei regelmäßigem Erneuern transparenter Unterbodenschutz sehr effektiv.

All das könnt ihr übrigens auch mit der Druckbecherpistole aufbringen. Solche Fette und Wachse bitte erst aufbringen wenn alles fertig ist. Das Entfernen ist ähnlich viel Arbeit wie den Rost los zu werden.

In die Blechfalze der Karosserie schütte ich regelmäßig von innen Owatrol Öl hinein. Im Innenraum ist mir das lieber als Wachs, da man es kaum riecht und die Wirkung ist erstaunlich dauerhaft. Wenn man die Blechfalze von außen mit Brantho überstreicht und damit quasi verschließt, bleibt das Owatrol wunderschön drin und bietet einen dauerhaften Schutz.

Ein paar Milliliter Brantho 3in1 und Owatrol sind übrigens auch auf Reisen immer dabei um Beschädigungen und Steinschläge schnell Mal ausbessern zu können.

Brantho Korrux Nitrofest zur Behandlung von Oberflächenrost beim LandCruiser J7 - Buschtaxi
Brantho Korrux Nitrofest zur Behandlung von Oberflächenrost

6 Ein paar Sätze zu verwendeten Materialien und zur Kontaktkorrosion

Beim Fahrzeugausbau, egal ob innen oder außen, empfehle ich nach diversen Erfahrungen ausschließlich Alu und Edelstahl zu benutzten (und natürlich Holz, Kunststoff usw., also alles was nicht rostet).

Stahl, auch verzinkter, fängt irgendwann an zu rosten. Deswegen tauschen wir selbst am Fahrwerk, dort wo es möglich ist, die Schraube gegen Edelstahl aus (auf Festigkeit achten).

Bei der Kombination verschiedener Materialien ist wiederum auf Kontaktkorrosion zu achten. Also die Reaktion von Alu zu Edelstahl und zu Stahl. Wer denkt, das sei zu vernachlässigen hat noch keine Alunieten in Stahlblech gesehen. Das rostet schneller als man mit dem Ausbau fertig ist…:)

Alu und Edelstahl sind in Kombination weniger problematisch, trotzdem sollte auch hier ein Trennmittel verwendet werden. Wenn sich das vermischen von Materialien nicht vermeiden lässt benutze ich gerne Kupferspray oder etwas ähnliches. Auf die Verbindung aufgebracht schützt es vor Kontaktkorrosion.

Das geht besonders einfach bei Gewinden (also z.B. Edelstahlschrauben in Stahl-Gewinden). Übrigens schützt hier auch Schraubensicherung vor Kontaktkorrosion.

Und tatsächlich macht es Sinn alte Schrauben, die angerostet sind, durch neue zu ersetzen. Gerade an Fahrwerk und Unterboden. Selbst wenn manche Schrauben nicht gerade günstig sind weil es sich um Sonderformate handelt, wird man sich Jahre später darüber freuen die Schraube wieder raus zu bekommen ohne dass sie abbricht. Und auch hier wieder – eine verrostete Schraube hat nicht mehr unbedingt die Festigkeit die vorgegeben ist.

Ihr seht, mit dem Rost kann man sich über Monate und Jahre beschäftigen. Aber das muss ja nicht alles sofort sein. Wichtig ist es, wie bereits erwähnt, einfach mal irgendwo anzufangen.

7 Nachsorge und regelmäßige Rost-Kontrolle

Für den Rost sollte das gleiche gelten wie für den Ölstand – Regelmäßig kontrollieren.

Wer auf Reisen ist, sollte alle paar Wochen mal unter das Auto und drum herum schauen ob möglicherweise lackierte Bereiche beschädigt wurden. Zu Hause kann man dann sehr einfach mit der Flex oder einem Schleifpapier ausbessern.

Lackierungen wie z.B. mit Brantho Korrux müssen nur dann ausgebessert oder erneuert werden wenn sie beschädigt sind. Weichere Beschichtungen (Owatrol, Unterbodenschutz usw.) sollten durchaus regelmäßig nach aufgetragen werden. Abhängig davon wie exponiert oder wie sehr sie der Witterung ausgesetzt sind.

Den Hohlraumschutz erneuere ich persönlich jede 5-7 Jahre. Einfach weil das Wachs bis dahin ausgespült sein könnte und Hohlraumwachs so günstig ist, dass es sich nicht lohnt das zu vernachlässigen.

Auf Reisen sind altes Getriebeöl (kein Motoröl, das ist zu dünnflüssig), Owatrol und Seilfett ideal um beschädigte Stellen in Sekunden auszubessern. Das hält nicht auf Dauer, aber zumindest bis man wieder zu Hause ist und die Stelle ordentlich reinigen und lackieren kann.

Wer beim Reisen zwischendurch mal mehr Zeit hat, der kann sich einfach 40er, 80er und 120er Schleifpapier mitnehmen, etwas Brantho Nitrofest (weil es schneller trocknet) und die Stellen per Hand ausbessern. Für Lacke empfiehlt sich ein luftdichtes Gefäß oder/und die Anmischung mit sehr viel Verdünnung, dass der Lack nicht eintrocknet.

Jetzt wünsche ich Euch viel Spaß mit der Rostentfernung.

Schönes Reisen,

Euer Till

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Till & Katrin

Wir, das sind zwei Reisende mit Sinn für abgelegene Orte und am liebsten mit unserem Toyota Land Cruiser “Hottahü” in der Welt unterwegs. Von 2016 – 2018 haben wir unser erstes großes Abenteuer auf und neben der Panamericana erlebt. Zurzeit sind wir in Deutschland und bereiten die nächste große Reise vor.

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